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Kommunen im Kreis Vechta hoffen auf Lockerungen im zweiten Schritt

Für eine Öffnung von Einzelhandel, Gastronomie und Kultur sind die Inzidenzzahlen zu hoch. Wertlos sind die Konzepte für das Modellprojekt "Öffnen durch Testen" deswegen aber nicht.

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Nahezu leergefegte Bürgersteige vor den Geschäften: An diesem Bild wird sich auf der Einkaufsmeile in der Kreisstadt Vechta nach Ostern noch nichts ändern. Foto. Speckmann

Nahezu leergefegte Bürgersteige vor den Geschäften: An diesem Bild wird sich auf der Einkaufsmeile in der Kreisstadt Vechta nach Ostern noch nichts ändern. Foto. Speckmann

Die Restaurant- und Cafébesitzer am Alten Markt in Vechta hatten schon die Vorbereitungen zur Öffnung der Außengastronomie getroffen. Viele Einzelhändler an der Großen Straße spekulierten darauf, endlich wieder Kunden in ihren Läden begrüßen zu dürfen. Doch diese Hoffnungen sollten sich über Ostern zerschlagen. Die Kreisstadt erhielt von der Landesregierung eine Absage zur Teil-Rückkehr in die Normalität.

Neben der Stadt Vechta gehen auch die übrigen Bewerber aus dem Landkreis Vechta leer aus. Lohne, Damme, Goldenstedt und Dinklage sowie das benachbarte Cloppenburg müssen auf eine vorzeitige Lockerung der Corona-Maßnahmen verzichten. Ein Hauptgrund dürften die Inzidenzzahlen sein, die sich im Landesvergleich weiterhin auf einem hohen Niveau bewegen.

Angesichts der Pandemielage und den Risiken einer dritten Infektionswelle in Niedersachsen wurden zunächst nur Kommunen zugelassen, die im Wesentlichen die Zahl von 100 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen nicht überschreiten. Davon sind die Landkreise Vechta und Cloppenburg mit Werten von 183,5 beziehungsweise 214,4 (Stand Samstag) derzeit weit entfernt.

Schlechte Nachricht für Restaurantbesitzer: Die Außengastronomie, wie hier auf dem Alten Markt in Vechta, muss im Landkreis Vechta weiter geschlossen bleiben. Foto: SpeckmannSchlechte Nachricht für Restaurantbesitzer: Die Außengastronomie, wie hier auf dem Alten Markt in Vechta, muss im Landkreis Vechta weiter geschlossen bleiben. Foto: Speckmann

Auf Beschluss der Landesregierung können zunächst nur 14 statt 25 Kommunen in Niedersachsen ihre Modellprojekte umzusetzen. In Städten wie Oldenburg, Cuxhaven oder Aurich sind bereits ab der kommenden Woche in Verbindung mit Schnelltests weitreichende Öffnungen von Einzelhandel, Gastronomie und Kulturstätten möglich. Dass diese Lockerung im Oldenburger Münsterland vorerst nicht der Fall sein wird, sorgt in den Rathäusern für Enttäuschung.

"Es ist insbesondere für unsere Geschäftsleute und Gastronomen schade, dass unser sehr gutes Konzept nicht ausgewählt worden ist, aber auch für alle, die sich nach langen Monaten des Wartens nach einem Stück Normalität sehnen", erklärt Vechtas Bürgermeister Kristian Kater (SPD) am Samstag auf Anfrage. Nun gelte es, die Entwicklungen in den ausgewählten Städten und Gemeinden genau zu beobachten und Schlüsse daraus für alle Kommunen zu ziehen.

"Nur mit geringen Inzidenzen schaffen wir es, die aktuellen Maßnahmen zu entschärfen oder auch Modellprojekte durchführen zu können."Vechtas Bürgermeister Kristian Kater (SPD)

Der Verwaltungschef appelliert eindringlich an die Bevölkerung sich an die Hygieneregeln zu halten, denn: "Nur mit geringen Inzidenzen schaffen wir es, die aktuellen Maßnahmen zu entschärfen oder auch Modellprojekte durchführen zu können. Wir hoffen sehr, dass die Projekte ein Weg aus der Krise sind. Wenn sich diese bewähren, können wir auch unser Öffnungsprojekt jederzeit starten."

Lohnes Bürgermeister Tobias Gerdesmeyer (CDU) kann die Entscheidung des niedersächsischen Sozial- und Gesundheitsministeriums nachvollziehen. In Gebieten mit hohen Inzidenzzahlen zum jetzigen Zeitpunkt die Öffnungsschritte vorzunehmen, "wäre ein Stück weit das falsche Signal gewesen." Allerdings sollten die Grund- und Mittelzentren nicht vergessen werden, wenn in einem zweiten Schritt weitere Oberzentren zugelassen würden.

Landesweite Erfahrungen sollen sich auszahlen

Die erarbeiteten Konzepte seien nicht wertlos und sollten sich spätestens im Mai auszahlen, meint Gerdesmeyer. Die Erfahrungen aus den Modellregionen sollten dann auf andere Orte in ganz Niedersachsen übertragen werden. Wo es das Infektionsgeschehen zulasse, müssten die Bürger durch Testen mehr Freiheit zurückbekommen. Für diesen Fall wolle auch Lohne optimal vorbereit sein.

"Wir sind sind enttäuscht, dass wir rausgefallen sind", kommentiert Mike Otte, Allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters der Stadt Damme, die Absage. Dabei denkt er nicht nur an Handel und Gastronomie, sondern auch an die kulturellen Anbieter, die in dem Projektgebiet ebenfalls abgebildet werden sollten. Nun hofft Otte, dass sich die Rahmenbedingungen möglich bald verändern und auch die hiesigen Kommunen die Lockerungen erfahren können.

Kurzfristige Bewerbung aus Goldenstedt und Dinklage

Neben Vechta, Lohne und Damme hatten nach Informationen dieser Zeitung auch Dinklage und Goldenstedt ihren Hut in den Ring geworfen. Ihre Bewerbungen waren offenbar kurzfristig erfolgt und vor dem Osterfest noch nicht öffentlich geworden. Unterm Strich sollen auf Landesebene insgesamt 65 Kommunen einen Antrag gestellt haben. Neben den elf Modellprojekten will die Landesregierung in einer zweiten Runde weitere 14 Projekte zulassen. Über die Aufnahme werde bis 17. April entschieden, heißt es.

Die Stadt Vechta will - ebenso wie weitere Kommunen - an ihrer Bewerbung festhalten. Laut Bürgermeister Kater würden viele Aspekte des Konzeptes weiter geplant und umgesetzt. So zeichne sich ab, dass die Testzentren ein großer Erfolg seien und mit einer digitalen Nachverfolgung wie der Luca-App Vorteile geschaffen werden könnten. Der Landkreis Vechta arbeitet an der Einführung der digitalen Kontaktverfolgung, die neben den Tests von entscheidender Bedeutung ist.

Luca-App soll wichtigen Beitrag leisten

Bei der Erarbeitung der Modellvorhaben hatten die Kommunen im Kreis Vechta teilweise im engen Austausch mit dem örtlichen Einzelhandel gestanden. Für die Gewerbetreibenden wäre das Prinzip „Öffnen durch Testen“ ein wichtiger Schritt aus dem Lockdown gewesen, zumal das landesweit verbreitete "Click & Meet" in Gebieten mit hoher 7-Tages-Inzidenz noch nicht möglich ist.

Peter Gr. Beilage, Vorsitzender des Stadtmarketingvereins "Moin Vechta", zeigte dennoch Verständnis für die Entscheidung der Regierung, dass zunächst nur Kommunen mit niedrigen Inzidenzzahlen berücksichtigt werden. Gleichwohl hofft er auf eine Berücksichtigung Vechtas im zweiten Schritt. Händler und Kunden könnten die Zeit nutzen, um sich mit der Luca-App vertraut zu machen: "Wenn wir den Umgang gewohnt sind, können wir guten Gewissens in die Öffnung reingehen."

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