Junges Führungsduo meistert Aufgaben der Autobahnmeisterei Holdorf
Nico Schlotmann und Felix Möllmann sind für 65 Autobahnkilometer verantwortlich. Sie und ihr Team sind sozusagen die Männer für alles. Was ihren Zusammenhalt ausmacht (Bildergalerie).
Ein eingespieltes Team, das dieselbe Sprache spricht: Meistereileiter Nico Schlotmann (links) und sein Stellvertreter Felix Möllmann. Foto: Autobahn Westfalen/Christine Sabisch
Für viele Reisende ist die Brückenraststätte auf der A1 bei Damme nur eine markante Wegmarke auf dem Weg in den Norden. Wer zwischen den Anschlussstellen Neuenkirchen/Vörden und Holdorf durch die hügelige Landschaft fährt, kommt zwangsläufig an dem futuristischen Bauwerk vorbei.
Doch Anhalten lohnt sich: Die Brücke beherbergt verschiedene Schnellrestaurants und lädt seit vielen Jahrzehnten zum nostalgischen Zwischenstopp ein. Hinter bodentiefen Fenstern bieten die Gastronomiebetriebe einen sicheren Blick auf den Verkehr. Unter anderem finden hier auch die Brückentalks der OM-Medien statt. Zuletzt war Christine Grimme zu Gast. Hier geht es zum Interview.
Markante Wegmarke: Die Brückenraststätte Dammer Berge. Foto: Autobahn Westfalen/Christine Sabisch
Das etwa 100 Meter lange und 38 Meter breite Brückenbauwerk thront über der Fahrbahn und wird laut Mitteilung der Autobahnmeisterei von zwei etwa 40 Meter hohen roten Pylonen gehalten.
„Auf einem von ihnen, der höchsten Stelle im Bereich der Dammer Berge, wurde bereits vor Jahrzehnten die Antenne für den Betriebsfunk der Autobahnmeister (AM) Holdorf installiert“, weiß Meistereileiter Nico Schlotmann. Die Brücke liege fast auf der Hälfte der rund 65 Autobahnkilometer zwischen Osnabrück-Hafen und Cloppenburg, für die die Meisterei zuständig ist.
Der 30-jährige Schlotmann ist nach Angaben der Autobahnmeisterei seit knapp 1,5 Jahren dessen Leiter in Holdorf und führt die Mannschaft zusammen mit seinem Stellvertreter Felix Möllmann. Der 4 Jahre jüngere Kollege wechselte vor rund 11 Monaten von der Straße ins Büro.
Fakten:
Die Autobahnmeisterei Holdorf ist zuständig für
65 Autobahnkilometer
zehn Anschlussstellen
zwölf Rastanlagen
140 Ingenieurbauwerke
25 Regenrückhaltebecken
Die betreuten Strecken liegen zwischen Osnabrück, Bramsche, Neuenkirchen-Vörden, Rieste, Holdorf, Lohne/Dinklage Vechta und Cloppenburg.
Für das Team der AM-Holdorf seien nicht nur die gelegentlichen überdachten Kaffeepausen oberhalb ihres eigentlichen Arbeitsplatzes besonders. Neben Wartung und Pflege von Parkplätzen, Grünanlagen und Regenrückhaltebecken gehöre auch die meistereiseitige Sichtprüfung des ungewöhnlichen Bauwerks zu den Aufgaben. „Hier ist Expertise gefragt“, erklärt Schlotmann.
Straßenwärter Josef Lahrmann macht laut Mitteilung die Brückenkontrollen der AM-Holdorf seit mehr als 30 Jahren und kann auf einen reichen Erfahrungsschatz zurückgreifen. Die Prüfung des Brückenbauwerks sei immer etwas Besonderes. Neben den üblichen Parametern müsse Lahrmann etwa auch auf die Verkehrssicherheit der Lamellen am Gebäudedach, den Zustand der Außenjalousien oder der beidseitigen Treppenaufgänge achten. Die Begehung des Hohlkastens, des „Kellers“, wie Lahrmann den hohlen Träger nennt, gehöre ebenfalls zum Job. In ihm sind beispielsweise Lüftungs- und Heizungsanlagen, Kühlaggregate und Server der Bewirtungsbetriebe untergebracht. „Da muss man schon sehr genau schauen, um Fugen und Flächen prüfen zu können“, so der Straßenwärter.
Fotos: Autobahn Westfalen Christine Sabisch
Meisterei seit 1969 am Start
Die Stahlbetonkonstruktion wurde 1969 in Betrieb genommen. Ebenso wie die AM-Holdorf, deren 3 Hektar großes Gehöft nah an der gleichnamigen Anschlussstelle liegt. Schlotmanns berufliche Laufbahn startete dort vor etwa 15 Jahren. Nach der Mittleren Reife absolvierte er laut Mitteilung seine Ausbildung zum Straßenwärter. Schnell unterstützte er die Kollegen bei der fortschreitenden Digitalisierung der Arbeitsabläufe. Im Jahr 2019 wurde er Technischer Mitarbeiter und im Jahr 2024 hat er sich zum „Bachelor Professional in Straßenbetriebsmanagement“ weiterqualifiziert und danach die Leitung der AM-Holdorf übertragen bekommen.
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Sie sprechen „eine Sprache“
„Das war eine absolut herausfordernde Zeit, in der mich das Team sowie viele weitere Kolleginnen und Kollegen der Außenstelle Osnabrück und anderer Meistereien sehr unterstützt haben“, erinnert er sich. Möllmann war bereits in dieser Ausnahmesituation mit in die Bresche gesprungen und hatte zeigen können, dass er der Aufgabe des Stellvertreters gewachsen ist. Auch er ist seit Ausbildungsbeginn dabei. „Wir sprechen eine Sprache“, so Schlotmann.
Parallel wurden im Zuständigkeitsgebiet der AM-Holdorf bis Dezember 2024 auch noch 30 Kilometer Strecke von vier auf sechs Fahrstreifen ausgebaut. Das Projekt wurde im Rahmen eines sogenannten Funktionsbauvertrags durchgeführt. In ihm wurde vereinbart, dass der Erhalt für 30 Jahre beim Auftragnehmer liegt, der Betrieb aber in den Händen der AM-Holdorf bleibt. Ein ständiger Austausch zwischen Meisterei und Auftragnehmer war und ist fortan notwendig. Neuland für alle Beteiligten.
Foto: Autobahn Westfalen/Christine Sabisch
Dass Wissen weitergegeben wird, sei für den Meistereileiter sehr wichtig. Er achte darauf, dass der Nachwuchs von den erfahrenen Kollegen lernen kann. Viele Tätigkeiten würden in Holdorf inhouse erledigt. „Wir wollen auf dem Weg in den Norden einen guten Eindruck hinterlassen“, so Schlotmann. Da werden in einer defekten Toilettenanlage auch schon einmal selbst Reparaturen durchgeführt, wenn es sein muss.
Auch das Müllsammeln werde in Holdorf grundsätzlich durch die eigenen Leute erledigt. Das Team stehe überhaupt sehr eng zusammen. Jeder springe für jeden ein, wenn Not am Mann ist. Alle kommen der Autobahnmeisterei zufolge aus der Gegend und seien dort stark verwurzelt. Man kenne sich aus der Freiwilligen Feuerwehr oder anderen Vereinen.
Autobahnmeisterei habe keine Nachwuchsprobleme
Nachwuchsprobleme für die Meisterei gebe es nicht. Bewerbungen von Auszubildenden seien in jedem Jahr willkommen. Dafür wirbt die AM regelmäßig in der Region, wie etwa im kommenden April auf einer regionalen Messe in Holdorf. Es spreche sich herum, dass es neben „spannenden Aufgaben auch ein gutes Betriebsklima“ gebe. Nach Einsätzen an Unfallstellen werde kein Kollege allein gelassen. Die Erlebnisse würden in großer Runde besprochen, sodass niemand damit nach Hause gehen müsse. An anderen Tagen feiere die Mannschaft auch gerne gemeinsam oder unternehme Ausflüge.
Das junge Führungsduo sei mit Begeisterung bei der Sache. Beide hätten in der Autobahnmeisterei ihren Traumjob gefunden und könnten sich vorstellen, ihn „bis zur Rente“ zu machen. Sie würden allerdings gerne häufiger mehr draußen sein, aber die Verwaltungsaufgaben werden nicht weniger. „Wenn wir aber gebraucht werden, packen wir mit an“, sagen sie einstimmig.
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