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Integration ukrainischer Kinder in Altenoythe ist "auf gutem Weg"

20 Kinder aus dem Kriegsgebiet sind derzeit an der Grund- und der Oberschule in Altenoythe. An der Gerbert-Schule helfen andere Schüler bei der Verständigung.

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Schülerhilfe: Edda-Sophie und Alexandra (obere Reihe, von rechts) unterstützen die Ukrainerin Elina beim Eingewöhnen, David, Ygor und Michael (untere Reihe, von links) sind für Timur, Dominik und Marsel da. Foto: Stix

Schülerhilfe: Edda-Sophie und Alexandra (obere Reihe, von rechts) unterstützen die Ukrainerin Elina beim Eingewöhnen, David, Ygor und Michael (untere Reihe, von links) sind für Timur, Dominik und Marsel da. Foto: Stix

Vor knapp 2 Monaten kamen die ersten Kinder aus dem ukrainischen Kriegsgebiet an der Gerbert-Schule und der Heinrich-von Oytha-Oberschule (HvO) in Altenoythe an. Zeit für ein erstes Zwischenfazit also. Und das fällt gemischt, aber mit einer Tendenz zum Positiven aus. "Es ist eine Herausforderung für die Schulen“, betont Oberschulleiter Rasmus Braun. "Aber wir sind auf einem guten Weg“, ergänzt Angelika Tiedeken, die Leiterin der Gerbert-Schule. „Bislang ist es kein Misserfolg.“

Dazu haben auch die deutschen Schülerinnen und Schüler beigetragen. "Unsere 5 ukrainischen Kinder im 1. und 4. Jahrgang wurden von den anderen Kindern gut aufgenommen", erzählt Tiedeken. "Die haben von zu Hause Sachen mitgebracht, ein ukrainischer Junge war vor seinem ersten Schultag schon beim Fußballspielen dabei und wurde hier mit großem Hallo begrüßt."

„Die Bereitschaft zur Integration ist bei unseren Schülern auf jeden Fall da.“Rasmus Braun, Oberschulleiter

Braun wiederum verweist auf die Partnerschaft der HvO mit einer Schule im polnischen Swiebodzin und auf die Erfahrungen aus dem Jahr 2015, als zahlreiche geflüchtete Kinder aus Syrien in der Schule aufgenommen wurden. "Die Bereitschaft zur Integration ist bei unseren Schülern auf jeden Fall da", sagt er. 15 ukrainische Kinder quer durch alle Jahrgänge besuchen derzeit die HvO. "Sie sind auf unterschiedliche Klassen verteilt, um eine Gruppenbildung zu verhindern und um eine Bindung zu finden", erläutert Braun.

Ein Knackpunkt bei der Integration ist die sprachliche Verständigung. Hilfreich sei, so Tiedeken, dass in der 4. Klasse zwei Jungs Russisch sprechen. Eine Sprache also, in der sich auch die ukrainischen Kinder verständigen können. "Michael und Ygor übersetzen und unterstützen, Timur, Dominik und Marsel aus der Ukraine, koppeln sich auch in den Pausen an die Übersetzer an", erzählt die Schulleiterin. Alexandra und Edda-Sophie wiederum würden die Ukrainerin Elina unterstützen.

Zusätzliche Lehrerstunden für die Sprachförderung sind nicht in Aussicht

In der 1. Klasse helfe zudem eine Pädagogische Mitarbeiterin, die Russisch spricht, bei der Verständigung. Die Kollegin werde im Bedarfsfall hinzugeholt, weitere Unterstützung kommt vom Katholischen Bildungswerk Friesoythe. Auch an der Oberschule springt das Bildungswerk bei der Übersetzungsarbeit helfend ein, zudem haben die Kinder dort 4 Stunden am Tag Deutschunterricht.

Zusätzliche Lehrerstunden zur Sprachförderung, dem wichtigsten Bestandteil der Integrationsarbeit, sind vonseiten des regionalen Landesamtes für Schule und Bildung allerdings nicht vorgesehen. "Die Stunden zur Sprachförderung sind für das laufende Schuljahr bedarfsgerecht an die Schulen verteilt worden und werden derzeit nicht aufgestockt", teilt Mareike Wellmeier von der Pressestelle des Landesamtes mit." Die Verteilung der Stunden erfolgte allerdings bereits im vergangenen Dezember, also weit vor Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine. Der Bedarf habe sich seit Kriegsbeginn, so die beiden Schulleiter, natürlich erhöht.

Zusätzliche Belastung ist inzwischen Dauerzustand

Insgesamt sei es schwierig für die Lehrkräfte, allen Kindern gleichermaßen gerecht zu werden. "Da muss man pragmatische Lösungen finden", sagt Braun. Wenn beispielsweise die deutsch sprechenden Schüler eine Aufgabe im Unterricht bearbeiten, würden die Lehrkräfte parallel dazu sich vertieft den ukrainischen Schülern widmen. "Binnendifferenzierung" nennt man das, aber natürlich fehle dadurch Zeit, sich gezielt schwächeren Schülern der Klasse zu widmen.

Für Lehrkräfte und Pädagogische Mitarbeiterinnen bedeute die gesamte Situation eine zusätzliche Belastung, so Braun. "Früher hatten wir gelegentlich mal Belastungsspitzen", sagt der Schulleiter. "Inzwischen ist das ein Dauerzustand." Hilfreich wäre es beispielsweise, so Tiedeken, "wenn Schulen unbürokratisch, ohne viele Anträge und Begründungen, die Stundenzahlen der pädagogischen Mitarbeiterinnen erhöhen könnten." Das sei schon deshalb von Bedeutung, weil manche Kinder aus dem Kriegsgebiet durch die Erlebnisse traumatisiert seien, also zusätzlich aufgefangen und betreut werden müssen.

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