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Idee zur Kneipe entsteht in einer Bierlaune

Drei Freunde übernehmen die ehemalige "Meyerei" an der Großen Straße in Vechta. Die Umwandlung zum "Kombinat" erweist sich aufwendiger als gedacht.

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Eröffnung ohne großes Tamtam: Kevin von Husen, Dierk Brüggen und Ansgar Tegeler (von rechst) geben im „Kombinat - Die Genuss-Genossenschaft“ gemeinsam den Ton an. Sie haben viel Eigenleistung in die Renovierung des Lokals gesteckt. Foto: Speckmann

Eröffnung ohne großes Tamtam: Kevin von Husen, Dierk Brüggen und Ansgar Tegeler (von rechst) geben im „Kombinat - Die Genuss-Genossenschaft“ gemeinsam den Ton an. Sie haben viel Eigenleistung in die Renovierung des Lokals gesteckt. Foto: Speckmann

Normalerweise knallen die Sektkorken, wenn ein Lokal seine Türen öffnet. Anders bei der ehemaligen „Meyerei“ an der Großen Straße in Vechta. Hier haben die neuen Inhaber ganz bewusst auf eine große Einweihungsparty verzichtet. In Zeiten der Pandemie soll ein Massenandrang vermieden werden. Stattdessen geht es in den ersten Tagen gemäßigt und ruhig in der Kultkneipe zu.

Über dem Eingang prangt ein Schild mit rotem Schriftzug: „Kombinat - Die Genuss-Genossenschaft“ lautet der neue Titel des Lokals, das zum Bedauern vieler Stammgäste über ein Jahr geschlossen war. Der langjährige Inhaber und Namensgeber Herbert Meyer hat sich nach drei Jahrzehnten, nicht zuletzt aufgrund der wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise, aus der Gastronomie zurückgezogen.

Hinter der Theke stehen jetzt drei Herren, die aus der heimischen Region stammen und sich neben ihren Hauptberufen ein zusätzliches Standbein aufbauen: Kevin von Husen, Dierk Brüggen und Ansgar Tegeler. Sie verbinden nicht nur wirtschaftliche Interessen, das gastronomische Angebot ist auch eine Herzensangelegenheit: „Wir sind hier groß geworden. Wir wollen Vechta etwas zurückgeben“, erklärt das Trio.

Wo einst Billardtisch und Kicker standen, befinden sich jetzt zusätzliche Sitzgelegenheiten. Foto: SpeckmannWo einst Billardtisch und Kicker standen, befinden sich jetzt zusätzliche Sitzgelegenheiten. Foto: Speckmann

Die Idee zur Übernahme der Kultkneipe sei in einer Bierlaune entstanden, verraten die drei Freunde. Bei einer kleinen Feier vor etwa eineinhalb Jahren hätten sie darüber geplaudert, dass Herbert Meyer möglicherweise den Zapfhahn umdrehen will. Aus den feucht-fröhlichen Übernahmeplänen wird schließlich nüchterner Ernst. Die Männer machen Nägel mit Köpfen und werfen ihren Hut in den Ring. Es liegen mehrere Bewerbungen vor.

Wer den Zuschlag erhält, entscheidet nicht etwa der Hauseigentümer. Erster Ansprechpartner ist der Getränkefachgroßhandel Lütvogt mit Sitz in Wagenfeld. Das Unternehmen ist schon seit vielen Jahren Hauptpächter des Lokals. Es tritt als Vermieter und Lieferant für die Wirtschaftsräume auf. Die Grundlage dafür bildet ein „langfristiger Vertrag“, wie beide Seiten übereinstimmend erklären.

Die Lokalräume in ihren alten Zustand zu belassen, kommt für die neuen Inhaber nicht in Betracht. „In den letzten Jahrzehnten ist hier nicht viel gemacht worden. Einfach wieder aufmachen, bringt es nicht“, erklärt von Husen. Er und seine Mitstreiter scheuen weder Kosten noch Mühen. Konkrete Zahlen wollen sie nicht nennen, aber ihre Investition soll im „sechsstelligen Bereich“ liegen.

Liebe zur Rockmusik wird in Dekoration deutlich

Sie wollen der Kneipe ihren Stempel aufdrücken, ohne dabei den alternativen Charakter aufzugeben. Das soll sich sowohl im Inventar als auch in der Musik widerspiegeln. Die Liebe zum Rock wird schnell in der Dekoration deutlich. Von Husen und Tegeler, die schon das Festival „Afdreiht un Buten“ mitorganisiert haben, zeigen auf die Wandbilder von David Bowie, Kurt Cobain und anderen Legenden.

Zur Umsetzung ihres Raumkonzeptes haben die Inhaber mehrere Wände eingerissen. Der vergrößerte Eingangsbereich gewährt jetzt einen offenen Blick ins Lokal. Die schmalen Gänge und ein ehemaliger Abstellraum sind verschwunden. So entsteht ein nahtloser Übergang zum hinteren Bereich, wo einst Billardtisch, Kicker und Automaten standen. Die Neueinteilung schafft Platz für zusätzliche Sitzgelegenheiten.

"Es ist aufwendiger geworden, als wir gedacht haben."Dierk Brüggen

Die Inhaber haben Theke und Mobiliar komplett erneuert. Frischer Glanz herrscht auch im Sanitärbereich. Für die Modernisierung der Lüftungsanlage ist eine Zwischendecke entfernt worden. Dadurch gewinnen die Räume mehr Höhe. Die Fensterbögen an der Straßenseite kommen nun voll zur Geltung. Allerdings hat sich auch die Akustik verändert. „Hier müssen wir noch etwas machen“, sagt Tegeler als erfahrener Discjockey.

In der Renovierung steckt zweifellos viel Eigenleistung. Dabei kommt den Beteiligten natürlich ihre handwerklichen Ausbildung entgegen. „Es ist aufwendiger geworden, als wir gedacht haben“, stellt der selbstständige Elektromeister Brüggen im Rückblick auf die sechsmonatige Bauzeit fest. Zustimmendes Nicken bei Sanitär- und Heizungsinstallateur Tegeler, der zurzeit hauptberuflich in Hannover tätig ist.

Von Husen bringt als gelernter Bürokaufmann und Betreiber einer Aktenvernichtung zusätzliche Wirtschaftskompetenz ein. Er hat zudem einen engen Branchenbezug: „Ich bin schon in der Gastronomie aufgewachsen“, sagt der gebürtige Vechtaer schmunzelnd und verweist auf das Engagement mehrerer Familienangehöriger, wie etwa sein Großvater, der einst den Waldhof betrieben hat.

In der „Banane“ hat von Husen früher schon als Aushilfe hinter der Theke gestanden. Nun ist er selbst Anteilseigner einer Kneipe, gemeinsam mit seinen zwei Geschäftspartnern, die sich in einer Gesellschaft verbündet haben und Einigkeit demonstrieren. Dieses Miteinander spiegelt sich auch ein Stück weit im Namen des Lokals wider. Bei einem „Kombinat“ handelt es sich eben um einen Zusammenschluss.

Genuss dürfen die Gäste wörtlich nehmen

Mit einem volkseigenen Betrieb aus dem Sozialismus will sich das Dreigespann nicht vergleichen, aber den Zusatz „Genuss-Genossenschaft“ dürfen die Gäste gerne wörtlich nehmen. Die Getränkekarte soll nämlich immer wieder neue Angebote für Genießer beinhalten. Das können ein seltener Likör oder Whiskey sein oder - wie ganz aktuell - ein frisch gezapfter, winterlicher Gerstensaft aus der Klosterbrauerei Weltenburg.

Durchaus begrüßen würden es die Kneipeninhaber, wenn die Gäste gleich nebenan auch ihren Hunger stillen könnten. „Edi´s Stübchen“ hat im Sommer vergangenen Jahres seine Türen geschlossen. Ein neuer Betreiber wird offenbar noch gesucht für den alteingesessenen Imbiss, der sich unter dem Dach des selben Gebäudes befindet und in der Vergangenheit so gut mit der „Meyerei“ ergänzt hat.

Vor einem Jahr haben Stammgäste mit Grablichtern und Unterschriften Abschied von der Meyerei genommen und damit dem langjährigen Inhaber Herbert Meyer gedankt. Nun sind die Türen des Lokals unter neuer Regie wieder geöffnet. Archivfoto: SpeckmannVor einem Jahr haben Stammgäste mit Grablichtern und Unterschriften Abschied von der "Meyerei" genommen und damit dem langjährigen Inhaber Herbert Meyer gedankt. Nun sind die Türen des Lokals unter neuer Regie wieder geöffnet. Archivfoto: Speckmann

Doch der Fokus des Trios liegt zunächst auf dem eigenen „Kombinat“. Hier herrscht quasi noch der Probebetrieb. Das bietet Gelegenheit für den letzten Feinschliff in Ausstattung und Ablauf. Die Öffnungszeiten beschränken sich zunächst auf Mittwoch bis Samstag, sollen aber langfristig ausgedehnt werden. Wenn die Pandemie es erlaubt, soll es in der Kultkneipe wieder richtig lebendig zugehen.

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