Das Kolpingwerk Land Oldenburg bringt 6 Tonnen Hilfsgüter in die Ukraine. Mit dabei: Geschäftsführer Andreas Bröring. Er berichtet von Begegnungen, Kriegsspuren und gelebter Solidarität vor Ort.
Verbundenheit: Vasyl Savka (von links) und Andreas Bröring im Kolping-Bürogebäude in der Stadt Czernowitz in der Ukraine. Foto: Bröring
Anfang des Jahres hat das Kolpingwerk Land Oldenburg zu einer Spendenaktion für die Ukraine aufgerufen. Innerhalb eines Monats kamen mehr als 28.000 Euro zusammen, mit denen dringend benötigte Hilfsgüter beschafft werden konnten. Vor Kurzem brachte dann eine Delegation 6 Tonnen Hilfsgüter in die Ukraine zur Kolping-Zentrale in Czernowitz – mit dabei: Andreas Bröring, Geschäftsführer im Kolpingwerk Land Oldenburg, der die Reise begleitet hat und seine Eindrücke hier schildert.
Wir sind unterwegs mit einer Kolpingdelegation aus dem Kolpingwerk Land Oldenburg, um den in den vergangenen Wochen vorbereiteten und zusammengestellten Hilfstransport an seinen Bestimmungsort, der ukrainischen Kolping-Zentrale in der Stadt Czernowitz, zu bringen.
Im ganzen Land stehen sie: Ehrenmäler und Gedenktafeln für gefallene Soldaten. Foto: Bröring
Für den Transport hat uns die Initiative „Diepholz-Help Ukraine“ von Andreas Pörschke tatkräftig unterstützt. Er hat ein Fahrzeug bereitgestellt und uns damit begleitet. Aufgrund vieler eigener Fahrten in die Ukraine hat er viel Erfahrung, die an den Grenzübergängen sehr nützlich war.
Neben Pörschke und seiner Lebensgefährtin Elina Burban besteht unsere Kolpingdelegation aus den Mitgliedern des zuständigen Landesfachausschusses „Internationalität & Eine Welt“, Björn Kinzel und Christian Freese, sowie von der Kolpingsfamilie Visbek, Heiner Thölke und mir, Andreas Bröring.
Die Anreise erfolgt über Polen zur ukrainischen Stadt Lwiw im Westen des Landes und von dort weiter nach Czernowitz im Südwesten der Ukraine. Nach dem Grenzübertritt von Polen in die Ukraine hinein, aktivieren wir die Luftalarm-App auf dem Handy.
Während wir in den späten Abendstunden zu unserem Hotel in Lwiw fahren, können wir auf dem Smartphone verfolgen, wo derzeit im Osten der Ukraine Bomben fallen. Die Ukraine ist groß, aktuelle Kämpfe finden sehr weit weg von uns statt. Und doch, der Krieg beherrscht das Land. Wir fahren durch ein Land im Krieg.
„Bitte in die Kamera gucken“: Savka (vorne links) macht ein Gruppenfoto von uns, unseren Begleitern und den Helfern vor Ort. Foto: Bröring
Am nächsten Morgen fahren wir von Lwiw weiter in den Südwesten des Landes nach Czernowitz. In vielen Orten auf dem Weg dorthin sehen wir immer wieder Ehrenmäler und aufgestellte Tafeln mit Fotos gefallener Soldaten, wohl jeweils aus dem Ort, durch den wir gerade fahren.
Viele Friedhöfe liegen unmittelbar an den Ortsdurchfahrtsstraßen, und nicht selten erblicken wir eine Vielzahl neuer Gräber, alle mit einer ukrainischen Fahne versehen. In einigen Orten steht bei den Namen der Gefallenen oft ein Todesdatum aus 2014 oder 2015. Es erinnert daran, dass der Krieg für die Ukraine schon damals begonnen hat, mit der Besetzung des Donbass und der Annexion der Krim. Ich frage mich, ob es Familien gibt, die nicht einen Angehörigen oder ihnen nahestehenden Menschen aus ihrem persönlichen Umfeld betrauern.
Am nächsten Mittag werden wir in Czernowitz von Vasyl Savka, dem Geschäftsführer von Kolping Ukraine, empfangen. Im Gepäck haben wir 400 Hilfspakete für Familien mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln und zusätzlich fünf Powerstationen im Wert von je circa 1100 Euro. Nach dem Entladen unserer Pakete haben wir Gelegenheit zu einem längeren Gespräch und Gedankenaustausch mit Vasyl Savka.
Wir wollen ein Zeichen der Unterstützung setzen
Am späten Nachmittag treten wir unsere Rückreise an. Wir fahren zurück nach Hause, in dem Bewusstsein, dass unsere Fahrt neben der Bereitstellung der durch Spenden finanzierten Hilfsgüter noch mehr im Gepäck hatte.
Mit jeder Spende, mit jedem Paket zeigen wir den Menschen in der Ukraine, die um das Recht kämpfen, als Volk und als eigenständiger Staat weiter existieren zu können, dass wir diese Menschen und ihren Überlebenskampf auch nach mehr als 4 Jahren Krieg nicht vergessen und aus dem Blick verloren haben.
Neben Nahrung setzt unser Besuch vor Ort das Zeichen: „Wir stehen auch weiter an Eurer Seite!“ Selten zuvor hatte der Bibelspruch „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“ in seiner Bedeutung eine solch klare Botschaft.
Die ersten 120 Hilfspakete sind ausgeliefert. Ein Paket für Familien enthält dabei Grundnahrungs- und Hygieneartikel. Foto: Savka
2 Tage nachdem wir wieder zu Hause sind, schickt Vasyl Savka einige Fotos. Die ersten 120 Hilfspakete sind verladen und ausgeliefert. Sie werden nach Dnipro und Charkiv gebracht und Familien und ihren Kindern in den Dörfern und Regionen, irgendwo im Osten der Ukraine, übergeben.
Info: Wer sich für das Wirken und die Arbeit des Kolpingwerks Land Oldenburg interessiert, findet mehr Informationen unter www.kolping-land-oldenburg.de sowie bei Instagram unter dem Accountnamen kolpingwerk.land.oldenburg.