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Hilfe für Ukraine und Syrien: Menschen müssen durch den Winter kommen

Die Geschichten aus beiden Ländern ähneln sich sehr. Um neue Transporte auf den Weg zu bringen, bitten die Helfer in Lindern die Bevölkerung um Unterstützung mit Sachspenden und Geld.

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Tauschen sich aus: (von links) Alexander Scheibel, Sawsan Alzare, Raad Aldakhail und Conrad Möhlenkamp koordinieren die Hilfsaktionen. Foto: G. Meyer

Tauschen sich aus: (von links) Alexander Scheibel, Sawsan Alzare, Raad Aldakhail und Conrad Möhlenkamp koordinieren die Hilfsaktionen. Foto: G. Meyer

Wenn Alexander Scheibel  die Situation der Menschen in der Ukraine beschreibt, hören Sawsan Alzare und Raad Aldakhail aufmerksam zu. Das syrische Ehepaar versteht genau, worum es gerade geht. "Der Winter hat begonnen, die Leute frieren", berichtet Scheibel: "Sie sind jetzt auf uns angewiesen." Sawsan und Raad nicken.

Zu Beginn des Ukraine-Krieges hatte das Paar eine Kleiderkammer in Lindern eröffnet. Der Spendenfluss läuft auch nach Monaten noch stetig. Unterstützt wird die Aktion von der katholischen Pfarrgemeinde. In letzter Zeit sind vor allem Wintersachen abgegeben worden, die Scheibel noch vor Weihnachten in die Ostukraine transportieren will. 2700 Kilometer lang ist die Fahrt, die der in Kasachstan geborene Friesoyther aber gern auf sich nimmt. Er arbeitet mit einer gemeinnützigen ukrainischen Organisation zusammen. Als die russische Armee Gebiete im Osten des Landes besetzte, half sie vielen bei der Flucht und unterstützte sie mit Kleidung und Lebensmitteln. 

"Nun geht es darum, die Menschen über den Winter zu bringen", betont Scheibel. Ziel der russischen Angriffe sei die Zerstörung des Energiesystems und der übrigen Infrastruktur. Die Ukraine solle praktisch unbewohnbar gemacht werden. Was Scheibel für seinen Transport benötigt, sind neben warmer Kleidung vor allem haltbare Lebensmittel, Thermodecken, Generatoren und Taschenlampen. Aber auch Kerzen, Paraffin, Akkumulatoren und Thermoskannen mit großem Volumen werden gebraucht. Scheibel hat einen Transporter gekauft, um die Güter selbst in das Land zu bringen, mit dem ihm viele Freundschaften verbinden. 

Syrer helfen Menschen in beiden Ländern

"Die Menschlichkeit zählt", betont auch Raad Aldakhail. Der gelernte Apotheker spricht dank eines Studiums in Odessa perfekt Russisch und ist für die Ankommenden in Lindern eine wichtige Stütze. Ihre eigene Fluchtgeschichte hilft ihm und seiner Frau, sich in die Situation der Ukrainer zu versetzen. Dabei verlieren beide aber auch das Schicksal ihrer Landsleute nicht aus dem Blick. Im vergangenen Winter hatten sie einen Lkw mit warmer Kleidung ins türkisch-syrische Grenzgebiet geschickt. In Kürze soll ein weiterer Transport von Bremen aus aufbrechen. Die mehrtägige Reise führt über fast 5000 Kilometer durch halb Europa und die Türkei. An der Grenze zu dem kurdisch kontrollierten Gebiet müssen die Güter umgeladen werden. 

Aus den Medien ist der syrische Bürgerkrieg inzwischen weitgehend verschwunden. Für die Menschen sei die Lage vielerorts aber weiterhin schlimm, weiß Raad. Er hat eine Fotokollage gefunden, die eine zerbombte deutsche Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg und das zerstörte Aleppo zeigt. Die Bilder sind kaum voneinander zu unterscheiden. Syrien sei derzeit ein geteiltes Land, berichtet Raad. Und wie in der Ukraine mischt Russland auch in diesem Konflikt maßgeblich mit, indem es den Machthaber Baschar al-Assad politisch wie militärisch stützt.

Der Transport muss sich auf warme Kleidung beschränken. Sie wird vor Ort an besonders Hilfsbedürftige verteilt. Unter ihnen sind viele Kinder. "Wir kennen die Personen, die das übernehmen und wissen daher, dass die Sachen bei denen ankommen, die sie benötigen", versichert Sawsan Alzare. Material sei ausreichend vorhanden, gebraucht werde aber Geld, um die teure Fahrt zu finanzieren.

Linderns Kirchenausschussmitglied Conrad Möhlenkamp unterstützt beide Aktionen ebenso wie der SPD-Lokalpolitiker Heinz Robben. Möhlenkamp beeindruckt die Solidarität, die Mitbürger mit russischen Wurzeln mit der Ukraine zeigten. Zugleich bleibe es wichtig, die Menschen in Syrien nicht zu vergessen, erklärt er. Für beide Anliegen hat die katholische Kirche deshalb ein Spendenkonto angelegt. 


Info:

  • Geldspenden sind jeweils auf das Konto der katholischen Kirchengemeinde (IBAN: DE 13 2806 5061 1203 3901 00, BIC GENODEF1LOG) bei der Volksbank Lindern zu überweisen. Als Verwendungszweck sollten entweder "Hilfstransport Ukraine" oder "Hilfstransport Syrien" angegeben werden. Fragen beantwortet Conrad Möhlenkamp unter Telefon 0176/20646226.
  • Güter für die Ukraine können jeweils donnerstags von 17 bis 19 Uhr in der Kleiderkammer (von-Galen-Straße 11) oder  im Eingangsbereich des Pfarrhauses (Kirchstraße 4) abgegeben werden.

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