Heiße Luft wird zum wertvollen Rohstoff
Auszubildende bei Danish Crown in Essen haben ein System entwickelt, mit dem sich Energie und Kohlendioxid einsparen lassen. Der Wettbewerbsbeitrag wird demnächst in die Tat umgesetzt.
Georg Meyer | 19.10.2020
Auszubildende bei Danish Crown in Essen haben ein System entwickelt, mit dem sich Energie und Kohlendioxid einsparen lassen. Der Wettbewerbsbeitrag wird demnächst in die Tat umgesetzt.
Georg Meyer | 19.10.2020

Brachten sich ein: Sanna Többen, Jan Pieper und Toby Freesse (von links) stellen das Kreislaufsystem vor. Zum Team gehören auch Antoin Anri Roda und Niko Rammelfanger. Foto: Meyer
Schlachthöfe sind echte Energiefresser. Egal ob Strom, Wasser oder Gas: der Ressourcenverbrauch ist riesig. Bei Danish Crown in Essen ist das nicht anders. Das Unternehmen klopft deshalb den gesamten Betrieb auf Einsparpotentiale ab und spannt dafür auch seine Auszubildenden ein. Und die erwiesen sich jetzt als ausgesprochen findig. Das Youngster-Team, bestehend aus Toby Freese, Jan Pieper, Sanna Többen, Antoin Anri Roda und Niko Rammelfanger, knöpfte sich die beiden Flammenöfen vor, in denen die Schlachtkörper entborstet und zugleich desinfiziert werden. „Unser Ziel war, die Abwärme der Öfen zu nutzen, um damit das Reinigungs- und Brauchwasser zu erhitzen“, erklärt Toby Freese, den die Gruppe zum Projektleiter wählte. Gearbeitet wird im Schlachthof nicht nur tags. Zwischen zwei und sechs Uhr morgens reinigen und desinfizieren Mitarbeiter eines externen Dienstleisters den kompletten Betrieb. Bevor die Produktion weitergeht, sollen Keime und andere Krankheitserreger vollständig abgetötet sein. Dafür wird heißes Wasser benötigt. Mindestens 60 Grad Celsius müssen es sein. Den Essenern reicht das aber noch nicht. „Wir wollen das Wasser auf 95 Grad erhitzen“, erklärt Sanna Többen, die sich zur Industriekauffrau ausbilden lässt. Während sich die beiden angehenden Mechatroniker Roda und Rammelfanger vor allem den technischen Fragen widmeten, rechnete die Schelmkapperin gemeinsam mit ihren Azubi-Kollegen aus der kaufmännischen Abteilung die möglichen Einsparpotentiale durch. Das Ergebnis: der Schlachthof könnte allein durch diese Maßnahme rund 25500 Kilowattstunden Strom pro Jahr weniger verbrauchen. „Der Ausstoß von Kohlendioxid ließe sich um genau 1149,41 Tonnen reduzieren“, listet Többen auf. Auch finanziell zahle sich der Einsatz aus, ergänzt Jan Pieper. Die Umbaukosten wären in weniger als zehn Jahren wieder hereingeholt. Von der Geschäftsführung gab es bereits Applaus. „Sie hat uns voll unterstützt“, berichtet Toby Freese. Zumal der Standort Essen innerhalb des dänischen Konzerns eine Vorreiterrolle beim Energiemanagement spielt. Als sich die Fünf im vergangenen Jahr für den IHK-Wettbewerb „Energy Scouts“ anmeldeten, wussten sie bereits, dass ihr Projekt im Anschluss umgesetzt werden würde. In mehreren Workshops blickten sie den Experten von der EWE über die Schulter, lernten die energietechnischen Ansätze eines Vareler Luftfahrtunternehmens kennen und trafen sich regelmäßig, um das eigene Vorhaben voranzutreiben. „Corona hat die Arbeit natürlich erschwert und etwas verzögert“, bedauert Sanna Többen. Im Oktober konnte das Team seinen Lösungsvorschlag während einer Online-Konferenz präsentieren. Er sieht die Einleitung der bisher ungenutzt an die Außenluft abgegebenen Wärme in ein Kreislaufsystem vor, an dessen Ende ein 160.000 Liter fassender Puffertank das durch Wärmetauscher erhitzte Wasser speichert - bis es in der Nacht gebraucht wird. Die Vorstellung überzeugte die Jury. Sie erkannte dem Essener Team schließlich den zweiten Platz zu. Neun Unternehmen aus dem Gebiet der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer hatten sich an dem Wettbewerb beteiligt. Bemerkenswert: Mit der Volksbank Essen-Cappeln kam noch ein weiteres aus der Gemeinde. Jetzt geht es an die Umsetzung. Anfang kommenden Jahres sollen die Arbeiten beginnen. Bis das Leitungssystem steht, werden etwa eineinhalb Jahre vergehen. Wenn nichts dazwischenkomme, könnte die Anlage ab April 2022 ihren Beitrag zur Energieeinsaprung leisten, sagt Toby Freese. Er werde nicht der Einzige bleiben.Geschäftsführung unterstützt "Energy Scouts"
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