Hausaufgabenfrei zum Abschied: Vechtaer Grundschul-Rektorin Anja Heckmann verlässt den Schuldienst
Die leidenschaftliche Lehrerin gibt ihren Posten ab. Das fällt ihr nicht leicht.
Lars Chowanietz | 30.01.2024
Die leidenschaftliche Lehrerin gibt ihren Posten ab. Das fällt ihr nicht leicht.
Lars Chowanietz | 30.01.2024

Noch auf gewohntem Terrain: Anja Heckmann-Hollmann verabschiedet sich bei einer Feier in der Sporthalle von ihren Schülern. Foto: Chowanietz
Für Anja Heckmann-Hollmann ist es die letzte Woche als Rektorin der Christophorusschule im Vechtaer Westen. Am Montag hat sie offiziell Abschied gefeiert: mit ihrem Kollegium, Schülern, Vertretern von Stadt, Kirche und Landesschulbehörde in der Turnhalle. Der Schulchor sorgt für Musik, die Tanz-AG trat auf. Die streitbare Schulleiterin gibt ihren Posten auf. Sie verlässt den Niedersächsischen Schuldienst. Auf eigenen Wunsch. Die 50-Jährige wechselt in die Schulabteilung des Bischöflichen Münsterschen Offizialats (BMO) in Vechta. Sie übernimmt dort den Posten der Fachreferentin für Religionspädagogik, wird Ansprechpartner für Religionslehrkräfte, steigt in die Pastoralausbildung ein. In ihr Ressort fällt auch die Abnahme der Missio canonica – der kirchlichen Lehrbemächtigung, die Lehrer brauchen, um katholischen Religionsunterricht geben zu dürfen. Anja Heckmann-Hollmann sagt: "Das ist ein beruflicher Neuanfang." Sie bekomme die Gelegenheit, noch einmal etwas völlig anderes zu tun. Das sei reizvoll. Einserseits. Andererseits: Die Entscheidung sei ihr extrem schwergefallen. Die Vechtaerin ist seit 25 Jahren Lehrerin. Davon war sie fast 10 Jahre Leiterin der Christophorusschule – "einer tollen Grundschule". In den vielen Jahren im Landesdienst habe sie sich ihre Netzwerke aufgebaut. Sie kennt sich aus, bewegt sich auf bekanntem Terrain. Jetzt müsse sie von vorne anfangen. Auch für Dezernent Frank von der Aa Landesschulbehörde aus Oldenburg war die Verabschiedung am Montag ein eher ungewohnter Anlass. Normal übergebe er im feierlichen Rahmen Ernennungsurkunden oder die Bescheide zur Pensionierung. Jetzt übergebe er zum 25-jährigen Dienstjubiläum eine Entlassungsurkunde. Im Fall Heckmann hätte er wohl kaum damit gerechnet. Beim Blick in die Akten sah von Aa eher eine zielstrebige Rektorin. Nach Stationen als Lehrerin unter anderem in Elsten und Lohne und als Konrektorin in Barnstorf wollte sie unbedingt in Vechta arbeiten. Sie bildete sich früh im Bereich Schulleitung fort. Eine sichere Bank bleibt Anja Heckmann allerdings: Sie gibt zwar ihren Status als Landesbeamtin auf, wird mit dem neuen Job im Offizialat aber Kirchenbeamtin. Anfang Februar startet der neue Job. Eine Pause vor dem Wechsel braucht sie nicht. Anja Heckmann hat Lust. Sie hat ihre erste Fortbildung in Köln schon hinter sich. Für die Einarbeitung werde ihr zunächst noch ihr Vorgänger im Offizialat zur Seite stehen. Anja Heckmanns Stelle an der Christophorusschule bleibt zunächst aber vakant. Sie erklärt: Bei der Besetzung der Leitungsjobs an Schulen gelte die Regel, dass ein Posten erst ausgeschrieben werde, wenn der bisherige Amtsinhaber offiziell verabschiedet sei. Heckmann hatte schon im Sommer vergangenen Jahres bei der Schulbehörde angeklopft und ihren Wechsel angekündigt. Bis zur Neubesetzung sollen zunächst drei Kolleginnen gemeinsam die kommissarische Schulleitung übernehmen: Marina Meyer, Andrea Babilon und Antonia Westendorf. Anja Heckmann hofft, dass die Ausschreibung im März über die Bühne gehe und die Nachfolge recht schnell geregelt sein werde. Interessenten für den Job gebe es zumindest. Es gebe Anfragen, bislang inoffiziell natürlich. Die Rektorin ist optimistisch. Und sie geht davon aus, dass sie ihrer Nachfolge eine gut geführte Schule hinterlässt. Die Grundschule ist ständig in Bewegung. Und sie wächst. Seit ihrer Gründung hat sich die Schülerzahl fast vervierfacht. Heute sind es 270 Kinder. Als Anja Heckmann 2014 die Rektorenstelle übernahm, stand schon der erste Anbau auf der Agenda. Sie konnte mitgestalten. Jetzt ist schon wieder ein Erweiterungsbau in Planung. Die Erste Stadträtin Sandra Sollmann ließ keinen Zweifel daran, dass die engagierte Lehrerin Spuren an der Schule hinterlässt. Ihr Abschied bleibt vorerst zumindest in Erinnerung: Heckmann verschenkte an alle Schüler einen Gutschein für einmal Hausaufgabenfrei. Schon die Ankündigung des Geschenks sorgte für Jubel.Entlassungsurkunde zum Jubiläum
Wer bekommt den Posten?
Schülerzahl massiv gewachsen
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