Einen "Kackhaufen" möchte nun wirklich niemand geschenkt haben. Passender hätte Heidi Höweler das Bild für eine Beleidigung oder Provokation gar nicht wählen können, als sie den Drittklässlern aus der Grundschule Sevelten/Elsten den braunen Nachbau aus Plastik entgegenstreckt. Zurückweisen, von sich abprallen lassen, aus dem Weg gehen, das sind mögliche Reaktionen, statt den Konflikt zu verschärfen oder gar körperlich werden zu lassen. Schließlich heißt das Projekt "Stark – auch ohne Muckis".
Der Workshop soll keine Eintagsfliege sein, weshalb Schulsozialarbeiterin Katharina Sedlak mit von der Partie war. Das Erlernte soll künftig in Sozialtrainings einfließen, aber auch im Ernstfall Anwendung finden, wenn es zu Mobbing und Streitereien kommt. Für vier Jahre ist die Grundschule in das Programm eingestiegen, das in Zukunft alle Zweitklässler durchlaufen sollen.
Es ist eine Präventionsarbeit, denn einen konkreten Anlass für die Verpflichtung der Quakenbrückerin gibt es nicht. Aber laut einer Bertelsmann-Studie macht jedes dritte Kind zwischen 5 und 12 Jahren mit Mobbing und überfordernden Konflikten Erfahrungen. "Ich finde diese Zahl erschreckend", so Höweler. Daher möchte sie Kindern dabei helfen, das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und Werte zu fördern, "um in ihr bestes Ich zu kommen und innere Stärke zu bekommen".
Dabei soll das Verstehen des Gegenübers helfen. Warum ärgert mich der andere? Was ist seine Motivation? Wie begegne ich dem? Als Kinder- und Jugendcoach hat Höweler Verstärkung in Form von drei Stofftieren dabei. Die Mücke, die einen immer wieder piesackt, das Schaf, das immer nur meckert und den Löwen, der sich seiner Stärke bewusst ist und der alles an sich abprallen lässt.
Um es gar nicht erst zu einer Konfrontation kommen zu lassen, können Körperhaltung, Blickkontakt und Präsenz einen potenziellen Unruhestifter davon abhalten, in seinem Gegenüber ein Opfer zu erkennen. Wenn es dann doch zum Aufeinandertreffen kommt, heißt es: Ruhe bewahren, denn "Kinder, die ärgern, wollen Aufmerksamkeit und Beachtung", sagt Höweler.
Wie gut die Drittklässler das Gelernte verinnerlicht haben, zeigte sich am Ende der Woche, als die Trainerin zur Urkundenübergabe noch einmal eine Übung durchspielte. Wie ein Mantra wussten die Mädchen und Jungen ihre neuen Fähigkeiten aufzuzeigen und stellten dabei klar heraus, dass sie wertvoll sind, sich wertvoll fühlen und auch große Herausforderungen meistern können.