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Gottes Wille ist das Leben

Kolumne: Auf ein Wort – Eine junge Mutter ist an einer Corona-Infektion gestorben. Ich bin davon überzeugt: Das war aber sicherlich nicht Gottes Wille.

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Solche Geschichten machen mich traurig und wütend: Eine junge Mutter ist an einer Corona-Infektion gestorben. Sie war nicht geimpft. Mehrere kleine Kinder lässt sie zurück. Ihr trauernder Ehemann sagt seinem Arbeitskollegen: „Es war Gottes Wille.“ Und er sieht keinen Grund, sich selbst jetzt impfen zu lassen. Die Kinder, die ihre Mutter verloren, tun mir leid. Und es tut mir weh, dass ausgerechnet der Glaube an den liebenden Gott eine Familie dazu bringt, so leichtfertig mit Krankheit und Tod umzugehen. Mir fällt ein, wie Jesus den Sohn einer Witwe, der gestorben war, wieder zum Leben erweckt (Lukas 7,11-17). Die Witwe hatte nur noch ihren Sohn, der für sie sorgen konnte, und Jesus packte das Erbarmen. Er hatte Mitleid, sah die Not dieser Frau – und schenkte ihrem Sohn das Leben neu. Ich kann nicht glauben, dass der Tod einer jungen Mutter der Wille Gottes ist.

Ich glaube vielmehr: Es ist Gottes Geschenk, dass es Wissenschaftlern gelungen ist, in so kurzer Zeit einen wirksamen Impfstoff gegen das zerstörerische Virus dieser Pandemie zu entwickeln. Es gibt keinen wissenschaftlichen und keinen im christlichen Glauben wurzelnden Grund, die Impfung abzulehnen. Wie viel andere medizinische und technische Hilfe nehmen wir selbstverständlich an, um menschliches Leben zu schützen und zu fördern?! Mit dem Sicherheitsgurt im Auto und dem Fahrradhelm (mindestens) für die Kleinen fängt es schon an.

Gott will das Leben, davon bin ich überzeugt. Ich protestiere, wenn Menschen das Leben zu früh verlieren. Ich verstehe es nicht, und das sage ich Gott auch. Ich will das nicht akzeptieren. Trotzdem tröstet mich der Glaube an die Auferstehung: Am Ende wird ja das Leben stehen. Aber wer meint, Gottes Willen so gut zu kennen, dass er sich nicht vor einer schweren Krankheit schützen muss, der stellt Gott auf die Probe. Der versteht den christlichen Glauben falsch. Mich schmerzt es, dass Menschen solch ein Bild von Gott haben. Vom Vater Jesu Christi, der mir für mein Leben wichtig ist.

Gott ist stets ein Freund des Lebens

Gott ist ein Freund des Lebens. Martin Luther hat das fünfte Gebot, „Du sollst nicht töten“, so erklärt: „Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir unserm Nächsten an seinem Leibe keinen Schaden noch Leid tun, sondern ihm helfen und beistehen in allen Nöten.“ Gott will, dass wir füreinander das Leben bewahren und fördern. Nur so können wir als Menschen in guter Gemeinschaft zusammenleben.

Für mich ist es deshalb in diesen Zeiten Ausdruck meines Glaubens und eine Frage der Nächstenliebe, mich impfen zu lassen. Ich bin froh über diese Möglichkeit. Nur so schütze ich mich, meine Lieben und andere Menschen vor dem Virus. Nur so helfe ich mit, dass Menschen nicht sterben müssen, dass Pflegekräfte nicht unter ihrer Überlastung zusammenbrechen. Gottes Wille ist das Leben.


Zur Person:

  • Martina Wittkowski ist Kreispfarrerin im evangelischen Kirchenkreis Oldenburger Münsterland.
  • Sie erreichen die Autorin per E-Mail an redaktion@om-medien.de.

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