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Gott – trotz des Leides?

Kolumne: Auf ein Wort

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„Gott gibt es nicht“, hat mir ein Leser auf meinen letzten Beitrag hin geschrieben. Und es auf der logischen Ebene begründet mit dem Leid, das es in der Welt gibt. Eine verständliche, nachvollziehbare Reaktion. Die Meldungen einer Woche, manchmal die eines Tages, können einen an den Rand des Glaubens bringen. Manche bringen sie an den Rand ihres Verstandes. Schon für Epikur (um 300 vor Christus) hat die Tatsache, dass es Übel und Leid auf der Welt gibt, Gott in Frage gestellt.

Bis heute gilt die sogenannte „Theodizee-Frage“ („Rechtfertigung Gottes in Anbetracht des Leids“) als größtes Gegenargument gegen ihn. Auch religiösen Menschen bleibt der Stachel des Leids in der Seele nicht erspart: Der Münsteraner Theologe Johann Baptist Metz kommt gegen Ende des Zweiten Weltkriegs eines Morgens zu seiner Kompanie zurück und findet – damals 16-jährig – „nur noch Tote, lauter Tote, überrollt von einem kombinierten Jagdbomber- und Panzerangriff“. Er erinnert sich „an nichts als einen lautlosen Schrei“. Ein Beispiel millionenfachen Leides, bei dem es im Grunde der Anstand gebietet, mit Worten inne zu halten und nur noch zu schweigen.

Will der Verstand und auch das Herz irgendwann doch eine Antwort, so seien zwei Versuche gewagt.

„Klar ist, dass Gott alle diese Fragen entgegengeschleudert werden dürfen“

Dietmar Kattinger, Autor

Ein erster auf der Vernunftebene: Auch der christliche Glaube kann die Frage nach dem „Warum“ und „Wozu“ des Leids und Übels in der Welt letztlich nicht beantworten, schreibt der Theologe Christoph Böttigheimer. „Der Glaube vermag das Leid nicht zu erklären, wohl aber die Hoffnung.“ Im Kreuz und in der Auferstehung – so Böttigheimer weiter – „leuchtet der Sieg Gottes über das Übel und Böse auf“. In der Auferstehung ist uns die Macht Gottes zugesagt und vor Augen gestellt.

Eine zweite Antwort auf der praktischen Ebene: Klar ist, dass alles getan werden muss, das Leid auf dieser Welt zu verringern, Menschen in Not beizustehen, Ursachen zu bekämpfen.

Klar ist, dass Gott alle diese Fragen entgegengeschleudert werden dürfen. Ebenso alle Wut, aller Hass, alle Ratlosigkeit, alle Trauer. Gott wäre nicht Gott, wenn er das nicht aushalten würde. Hiob hat das getan. Die Beter von Psalmen haben es getan und tun es heute noch.

Von einem schwer Kranken, weiß ich, dass er mit Gott auch um das Warum der Krankheit gerungen hat. Er hat keine Antwort bekommen. Aber er kam ihm näher. Lieber Leser, soweit der Versuch einer Antwort. Mehr kann ich nicht sagen, weniger aber auch nicht.

Zur Person

  • Dietmar Kattinger ist Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Landes-Caritasverbandes in Vechta.
  • Sie erreichen den Autor per E-Mail unter info@om-online.de. Mails werden weitergeleitet.

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