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Geschützter Raum: Krisenhelfer benötigen Geld für neues Fahrzeug

Bislang müssen sie mit ihren Privatautos zu Unfällen und anderen Notsituationen ausrücken. Das würden die Mitglieder der psychosozialen Notfallversorgung gerne ändern.

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Farbe der Hoffnung: Das Kriseninterventionsteam des DRK ist zur Stelle, wenn Menschen sich in großer psychologischer Not befinden.  Foto: G. Meyer

Farbe der Hoffnung: Das Kriseninterventionsteam des DRK ist zur Stelle, wenn Menschen sich in großer psychologischer Not befinden.  Foto: G. Meyer

Für den Alarm auf ihrem Handy hat Katharina Knuck einen besonders schrillen Ton ausgewählt. "Damit ich ihn auf jeden Fall höre", erklärt die Hamstruperin und lächelt. Danach wird es hektisch, denn für die Fahrt zu ihrem Einsatzort bleiben der Kriseninterventionshelferin des Roten Kreuzes nur wenige Minuten. 

24 Stunden täglich, und das an 365 Tagen im Jahr, steht das Team der psychosozialen Notfallversorgung (PSNV) bereit, um Menschen in schweren Lebenslagen beizustehen. Die Ehrenamtlichen überbringen Todesnachrichten, betreuen Frauen, die von ihren Männern geprügelt wurden, oder kümmern sich vor Ort um Unfallopfer. Nach der Flutkatastrophe im Ahrtal machten sich Mitglieder des PSNV ebenfalls auf den Weg. 250 Einsätze aller Art kommen im Jahresschnitt zusammen. "In diesem Jahr waren es bislang etwas über 200", berichtet Koordinator Heinz Dierker. 

Die 44 Krisenhelfer schlagen sich, wenn nötig, die Nacht um die Ohren, um für ihre Mitmenschen da zu sein. Im Cloppenburger Südkreis sind 10 von ihnen aktiv. Über eine App sind sie miteinander verbunden. Weil sie immer mindestens zu zweit ausrücken sollen, müssen sie sich gut absprechen, um Dienst, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen. Manfred Gövert aus Hemmelte etwa arbeitet tagsüber als Maurer. Seit 2014 engagiert er sich beim DRK und investiert einen Großteil seiner Freizeit in das Ehrenamt. 2020 hat er  dafür zusammen mit seiner Frau Christine und Katharina Knuck den Sozialpreis der Gemeinde Lastrup erhalten. Zwar wird den Helfern eine Sicherheitsausrüstung gestellt. Eine Aufwandsentschädigung gibt es aber nicht. Zu ihren Einsätzen fahren sie in der Regel mit ihren Privatautos. Manchmal bringen sie damit auch Angehörige zum Krankenhaus, selbst, wenn sie dafür bis nach Oldenburg oder Bremen fahren müssen. Den Sprit dafür habe er bislang noch nie abgerechnet, sagt Manfred Gövert. 

Bulli kostet rund 50.000 Euro

Die PSNV besitzt inzwischen 2 Bullis zur direkten Betreuung vor Ort. "Die Fahrzeuge verfügen über einen Tisch und wir können darin Getränke reichen", erklärt Heinz Dierker. Das Wageninnere biete einen geschützten Raum, in dem Opfer oder Angehörige fremden Blicken entzogen seien. Die Bullis sind in Sedelsberg und Cloppenburg stationiert. Für die Südkreisgemeinden soll jetzt ein vergleichbares Gefährt angeschafft werden, doch dafür ist der Dienst auf Spenden angewiesen. Rund 50.000 Euro müssen zusammenkommen. Das Geld reiche dann für einen Gebrauchtwagen, sagt Dierker. 

Helferinnen und Helfer in der Not (von links): Maria Biermann, Katharina Knuck, Manfred Gövert und Katharina Möller gehören zum Südkreis-Team der PSNV. Foto: G. MeyerHelferinnen und Helfer in der Not (von links): Maria Biermann, Katharina Knuck, Manfred Gövert und Katharina Möller gehören zum Südkreis-Team der PSNV. Foto: G. Meyer

Das Fahrzeug würde die Arbeit erheblich erleichtern, bestätigt Katharina Knuck. "Wenn ich mit meinem eigenen Auto unterwegs bin, können die anderen Fahrer natürlich nicht wissen, wer ich bin." Die Folgen erlebte sie im Frühjahr während der Fahrt zu einem schweren Unfall auf der B 213. "Ich kam einfach nicht durch und musste einen umständlichen Umweg nehmen." Der neue Bulli soll deshalb auch ein abnehmbares Blaulicht erhalten. Auf der Straße genießen die Interventionshelfer nämlich Sonderrechte. Hinzu kommt ein digitaler Funkempfänger, denn auf ihr Handy können sich die Teammitglieder im Ernstfall nicht immer verlassen. Einen Stellplatz soll der Wagen im neuen Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr Löningen erhalten, in dem bald auch die DRK-Ortsbereitschaft untergebracht sein wird. 


Fakten

  • Spenden für die Anschaffung eines Transporters nimmt die Psychosoziale Notversorgung unter dem Stichwort "Spende PSNV" entgegen: Volksbank Cloppenburg, IBAN: DE67 2806 1501 0046 0001 00.
  • Eine Erstausbildung zum Krisenhelfer darf jeder zwischen 23 und 65 Jahren absolvieren. Neben einer monatlichen Supervision finden regelmäßig Fortbildungen statt. Infos unter Telefon 04471/8509550 (psnv@drk-cloppenburg.de).

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