Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Gelb und Blau: Farben der Hoffnung

Kolumne: Auf ein Wort – Dass es wieder Krieg in Europa gibt, ist unfassbar und belastend für uns alle. Bei der Gestaltung der Osterkerze sind diesmal auch die Farben der Ukraine eingeflossen.

Artikel teilen:

In diesem Jahr zeigt so manche Osterkerze einen besonderen Mut zur Farbe. Zu den bekannten österlichen Symbolen gehören das Kreuz, die angedeuteten Nägel, die Jahreszahl sowie die griechischen Buchstaben Alpha und Omega. Viele christliche Gemeinden und Gemeinschaften haben in die konkrete Gestaltung diesmal auch die Farben der Ukraine einfließen lassen: Blau und Gelb.

Eine Friedenstaube mit Ölzweig ist ein weiteres Symbol der Hoffnung in diesen dunklen Zeiten. Nach einer volkstümlichen Deutung steht das Gelb für die Kornfelder der Ukraine, die zu den wichtigsten Kornkammern Europas gehört. Das Blau symbolisiert den Himmel darüber. Die Farbe des Himmels weckt allerdings auch Fragen: Die Bilder und die Nachrichten, die uns täglich aus der Ukraine erreichen, schreien zum Himmel.

„Denn es gibt eine Liebe, die einfach nicht totzukriegen ist. Nicht einmal Putin und seine Panzer kriegen die klein.“Dr. Marc Röbel

Und doch gibt es aus einigen ukrainischen Städten Bilder der Hoffnung. Ich denke an ein Foto mit der ukrainischen Pianistin Irina Maniukina. Sie spielt ganz bewusst ein letztes Mal an ihrem Flügel, bevor sie geht. Die Wohnung der 48-Jährigen ist komplett zerstört. Da kann sie nicht bleiben. Aber ihre Musik ist unzerstörbar. Sie setzt ein Zeichen der Hoffnung.

Ein zweites Bild, das um die Welt ging, zeigt ein Brautpaar. In der ukrainischen Stadt Charkiw sehen wir inmitten von zerstörten Häusern und Geschäften eine junge Frau. Sie trägt eine Lederjacke und grobe Springerstiefel. Aber sie hat sich einen Blumenkranz und einen Schleier aufgesetzt. Ihr Bräutigam trägt sie auf Händen. Beide strahlen. Ich musste an ein Buch von Viktor Frankl denken, als ich diese Aufnahme sah. Denn auch Frankl hat in der Hölle des KZ erfahren: Die Liebe lässt uns „trotzdem Ja zum Leben sagen“. Der jüdische Arzt, Psychiater und Philosoph nennt die Liebe eine der Hauptstraßen zum Sinn. Sie war in seiner persönlichen Grenzsituation der entscheidende Ankerpunkt der Seele. Und davon erzählt auch das sichtlich beglückte Brautpaar in Charkiw. Denn es gibt eine Liebe, die einfach nicht totzukriegen ist. Nicht einmal Putin und seine Panzer kriegen die klein.

Zu den politischen Traditionen der Osterzeit gehören die Ostermärsche. Friedensmärsche sind seit dem Krieg in der Ukraine wieder hochaktuell. Wer hätte das vor kurzem noch gedacht? Dass es wieder Krieg in Europa gibt, ist unfassbar und belastend für uns alle. Diese furchtbaren Bilder lasten auch auf meiner eigenen Seele. Aber gerade in solchen Momenten bin ich doch dankbar für die Weggemeinschaft, die ich in der Kirche erfahre: Dass unsere religiösen Traditionen, aber auch neue Formen und Aktionen Menschen einladen, diese Belastungen gemeinsam zur Sprache zu bringen. Unsere Friedensgebete können ein Raum der Entlastung sein. Und ein Raum, in dem neue Ideen und Initiativen wachsen, damit wir miteinander „trotzdem Ja zum Leben sagen“...


Zur Person:

  • Pfarrer Dr. Marc Röbel ist Akademiedirektor der Katholischen Akademie in Stapelfeld.
  • Den Autor erreichen Sie per E-Mail unter: redaktion@om-medien.de.

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Gelb und Blau: Farben der Hoffnung - OM online