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Geflüchtete Ukrainer tauschen sich in Stapelfeld aus

Bei dem 5-tägigen Seminar in der Katholischen Akademie gab es viele Informationen von verschiedenen Referenten. Aber auch der Dialog untereinander und Zeit zur Entspannung fanden Platz.

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Gemeinsames Abschlussfoto: Die Teilnehmenden des Seminars dankten den Mitarbeitern der Katholischen Akademie Stapelfeld für die tolle Woche. Foto: Dickerhoff

Gemeinsames Abschlussfoto: Die Teilnehmenden des Seminars dankten den Mitarbeitern der Katholischen Akademie Stapelfeld für die tolle Woche. Foto: Dickerhoff

"Für uns gab es hier in 5 Tagen mehr Informationen als in den vorherigen 5 Monaten." Mit dieser Aussage einer Seminarteilnehmerin in der Abschlussrunde am Freitag (12. August) waren die vergangenen Tage gut zusammengefasst. Denn Input gab es reichlich für die rund 60 Geflüchteten aus der Ukraine, die vom 8. bis zum 12. August in der Katholischen Akademie Stapelfeld für ein Familienseminar zusammengekommen sind. 

Seit 2015 wird jedes Jahr solch ein Seminar explizit für Flüchtlinge an der Akademie veranstaltet. Aufgrund der Entwicklungen in den vergangenen Monaten wurde das Programm dann für die Menschen aus der Ukraine ausgelegt. Die kirchliche Bildungseinrichtung schrieb die Kommunen diesbezüglich an, und so kamen jetzt Ukrainer zusammen, die aktuell in den Landkreisen Vechta und Cloppenburg sowie in Quakenbrück untergekommen sind.

Unter der Leitung von Dozent Heinrich Siefer kamen an den verschiedenen Tagen Referenten in die Runde, um Fragen zu beantworten und wichtige Themen zu erklären. So sprach Maria Siefer-Meyer, Rektorin der St.-Augustinus-Grundschule in Cloppenburg, zum Thema Bildung. Yaroslav Savchak, seines Zeichens Arzt am St.-Josefs-Hospital, erklärte die medizinische Versorgung in Deutschland. Ein großes Thema hierbei waren auch Impfungen. Als Vorstandsvorsitzende der Cloppenburger Integrationslotsen stellte Mina Amiry die Möglichkeiten der Unterstützung für die Geflüchteten dar. Von der ukrainischen Gemeinde Bielefeld Osnabrück kam Pfarrer Myon Molczko dazu. Hier gab es viel Gesprächsbedarf, erzählt Heinrich Siefer: "Sehr viele der Teilnehmer suchen seelsorgerischen Halt."

Viele Probleme aus der alten Heimat und dem neuen Wohnort haben die Teilnehmer gemein

Aber auch der Austausch untereinander war von großer Bedeutung. Zwar bringen alle Familien ihre persönlichen Schicksale mit, doch haben alle gemeinsam, dass sie durch den Krieg ihre Heimat verlassen mussten und jetzt in der Region leben. Viele Probleme aus der alten Heimat und dem neuen Wohnort sind identisch. Das größte Problem, da waren sich alle einig, ist die Sprache. Ohne fundierte Deutschkenntnisse findet man keine Arbeit. Außerdem finden Viele keine Betreuungsplätze, was wiederum die Teilnahme an Sprachkursen erschwert. Außerdem sind die Behördengänge für viele ein Problem. Auch hier spielt die schwierige Verständigung eine große Rolle. 

Trotz all der Schwierigkeiten erzählen viele der Seminarteilnehmer, wie herzlich sie von vorher teils komplett fremden Menschen aus der Region aufgenommen wurden. "Wir hatten nichts mehr, sind nur mit einer Plastiktüte nach Deutschland gekommen.  Hier haben wir Essen, Kleidung und sogar Fahrräder bekommen", so eine Frau. Verwundert zeigen sich aber viele der Geflüchteten über die mangelnde Digitalisierung in Deutschland. Das kennen sie aus ihrer Heimat, wo man alles per Smartphone erledigen kann, anders. 

Zum Abschied überreichten die teilnehmenden Familien eine Ukraine-Flagge mit Dankesbotschaften an die Mitarbeiter der Katholischen Akademie Stapelfeld.  Foto: DickerhoffZum Abschied überreichten die teilnehmenden Familien eine Ukraine-Flagge mit Dankesbotschaften an die Mitarbeiter der Katholischen Akademie Stapelfeld.  Foto: Dickerhoff

Es gab während des Seminars aber auch Möglichkeiten, einfach mal abzuschalten. Sei es beim Stockbrotbacken,  gemeinsamen Spielerunden oder auch im Museumsdorf, wohin mit Unterstützung des Bürgervereins und durch geringe Eintrittspreise ein Ausflug ermöglicht wurde. Für die Kinder gab es während der Vorträge für die Erwachsenen ein separates Programm. Dabei waren die fünf Betreuerinnen überrascht, wie gut die Kommunikation geklappt hat. Mit einfachen Worten und viel Gestik ließ sich alles regeln. Und wenn es mal sprachlich nicht weiterging – ob mit den Kindern oder Erwachsenen –, stand der in Lastrup lebende Ukrainer Juri Brischten immer als Dolmetscher vor Ort parat. Und so konnte er uns auch das Fazit der Seminarteilnehmer übersetzen: "Solche Treffen brauchen wir öfter."

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