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Geflüchtete Ukrainer bleiben auf ihrem Bargeld sitzen

Weil der "Hrywna" nicht von Kreditinstituten gehandelt wird, kann die ukrainische Währung in Deutschland nicht eingetauscht werden. Das bereitet einigen Flüchtlingen Probleme.

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„Hrywna“: Die ukrainische Währung ist in Deutschland nicht gefragt, sie kann nicht eingetauscht werden. Foto: Möller

„Hrywna“: Die ukrainische Währung ist in Deutschland nicht gefragt, sie kann nicht eingetauscht werden. Foto: Möller

Vor vielen Herausforderungen stehen Ukrainer nach der Flucht aus ihrem Heimatland. Einiges ist offensichtlich, wie die Suche nach einer Unterkunft, andere Schwierigkeiten kommen hingegen erst später zutage. So berichten die Cloppenburger Andreas und Kristina Möller vom Problem zweier Ukrainerinnen, die zurzeit bei ihnen wohnen. 

Die Geflüchteten haben bislang vergeblich versucht, ihr Bargeld in Euro einzutauschen. "Der naive Versuch, das Geld einfach zu tauschen, endete in einer Odyssee", berichtet Andreas Möller. Die LzO in Cloppenburg habe ihn an die Zentrale in Oldenburg verwiesen, die wiederum hat ihn an die Bundesbank weitergeleitet. "Diese ist aber anscheinend seit Jahren dafür nicht mehr zuständig und die Reisebank hat die Annahme von russischer und ukrainischer Währung ebenfalls eingestellt", berichtet Möller. Auch in Polen sei ein Tausch in Zloty nicht möglich gewesen.

"Es ist ein sehr dynamischer Prozess."Pia van de Lageweg

"Es ist ein sehr dynamischer Prozess", erklärt Sprecherin Pia van de Lageweg von der VR-Bank in Südoldenburg. Wie dynamisch sich die Situation entwickeln kann, zeigte sich am Donnerstag. Ersten Mitteilungen der Reisebank zufolge sollte in den Hauptfilialen in Cloppenburg und Garrel ein Tausch möglich sein. Familie Möller wollte mit den beiden Ukrainerinnen die Chance nutzen, doch vor Ort war dies doch nicht möglich. Unterdessen verzeichne das Kreditinstitut vermehrt Anfragen, auch erste Konten wurden hier vor Ort bereits eröffnet. „Wir erwarten in der nächsten Zeit noch eine deutliche Zunahme. Wir wollen da auch schnell und unbürokratisch helfen“, so van de Lageweg.

Auf Nachfrage teilte die Reisebank als Partner der VR-Bank mit, dass sie den Hrywna bereits seit Jahren nicht mehr handele. "Wir haben keine Geschäftsbank auf der Gegenseite, die uns die ukrainische Währung abnehmen würde", so der Pressesprecher. Deshalb könne man keine Ankaufsmöglichkeit anbieten. Angesichts der drängenden Situation der Geflüchteten habe man mit allen Partner-Instituten im In- und Ausland weitere Möglichkeiten erörtert: "Bislang ohne Erfolg." Die Reisebank verzeichne an den Brennpunkten in den Bahnhöfen ein erhöhtes Transaktionsaufkommen – insbesondere in Berlin. Dies sei auf Serviceanfragen von Menschen aus der Ukraine zurückzuführen.

Keine Nachfrage nach ukrainischer Währung

Auch die Postbank teilte mit, dass sie bereits seit mehreren Jahren den Kauf oder Umtausch von Fremdwährungen nicht mehr anbietet. "Bargeldabhebungen von ukrainischen Konten mit Kredit-oder Kontokarte an Geldautomaten in Deutschland sind selbstverständlich möglich – sofern die betreffende Bank in der Ukraine ihren Geschäftsbetrieb nicht eingeschränkt hat oder möglicherweise von Sanktionen betroffen ist", so das Kreditinstitut. Dies gelte auch für den Kontozugriff über Online-Banking, da dies unabhängig vom Standort möglich ist.

Ähnlich sieht es bei der Commerzbank aus: "In der Vergangenheit hat die Commerzbank nie Hrywnja verkauft oder angekauft, da faktisch keine Nachfrage nach dieser Währung vorhanden war." Sofern sich eine stabile Lösung zur Verwertung der Währung finden sollte, sei man selbstverständlich bereit, umgehend zu unterstützen und das Portfolio zu erweitern. Der Zugriff der Menschen auf ihre ukrainischen Konten hänge in erster Linie von der Leistungsfähigkeit ukrainischer Banken ab: "Diese können wir nicht beurteilen."

Versuch, das Geld in den Niederlanden zu tauschen

Die Cloppenburger Familie ist also weiter auf der Suche, sie hatte sich in der vergangenen Woche bereit erklärt, Menschen aufzunehmen: "Wir haben unser Schlafzimmer geräumt, damit sie ein eigenes Zimmer für sich haben." Der Kontakt kam über eine Privatperson zustande. Alles, was die Geflüchteten aus der Ukraine mitbringen konnten, passt in zwei Koffer und besteht ansonsten aus ihren Papieren und zwei Monatsgehältern, was umgerechnet rund 500 Euro sind. Nun wollen sie versuchen, das Geld in den Niederlanden zu tauschen. 

Die Lösung mit dem Schlafzimmer sei selbstverständlich nur temporär, die Mutter und Tochter aus der Ukraine wollen und sollen auf eigenen Füßen stehen. Sie müssen sich nun offiziell anmelden, um überhaupt auf die Suche nach eigenen vier Wänden gehen zu können. Lob gab es von der Cloppenburger Familie für die Schulklasse des eigenen Sohnes. Die Gemeinschaft half sofort mit Sachspenden und einer kleinen Summe Bargeld aus.

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

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