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Geburtenrekord im Corona-Jahr: 2671 Neugeborene im Kreis Vechta

Rein rechnerisch kamen 2020 in den Kliniken in Damme, Lohne und Vechta jeden Tag weit mehr als 7 Kinder auf die Welt. Höher war dieser Wert noch nie.

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Eine von vielen: Insgesamt 2671 Mädchen und Jungen erblickten im vergangenen Jahr im Kreis Vechta das Licht der Welt. Foto: dpa/Burgi

Eine von vielen: Insgesamt 2671 Mädchen und Jungen erblickten im vergangenen Jahr im Kreis Vechta das Licht der Welt. Foto: dpa/Burgi

Im Zuge der Corona-Pandemie stehen die Krankenhäuser aktuell häufig im Fokus, weil dort Covid-19 das Leben vieler schwerkranker Patienten beendet. Trotzdem sind die Kliniken aber auch weiterhin Orte, in denen jede Menge neues Leben erscheint - im Kreis Vechta sogar mehr als jemals zuvor. Denn im soeben abgelaufenen Jahr 2020 erblickten in den 3 Geburtskliniken in Vechta, Lohne und Damme insgesamt 2671 Säuglinge das Licht der Welt, wie eine Datenabfrage von OM online ergab.

Das entspricht gegenüber dem bisherigen Rekordjahr 2019 noch einmal einem Zuwachs von 79 Neugeborenen (+ 3,0 Prozent). 2020 wurden damit kreisweit rein rechnerisch an jedem Tag fast 7,5 Kinder geboren.

Spitzenreiter unter den hiesigen Krankenhäusern bleibt das St. Marienhospital in Vechta. Allein dort wurden im vergangenen Jahr 1727 neue Erdenbürger geboren – fast 100 mehr als 2019 (+ 5,9 Prozent). Darunter befanden sich nach eigenen Angaben auch 54 Zwillingsgeburten. „Wir freuen uns sehr, dass wir erstmals in der Geschichte mehr als 1600 Geburten und mehr als 1700 Neugeborene hatten“, sagt Geschäftsführer Aloys Muhle auf Anfrage.

Unterschiedlich verlief die Entwicklung in den beiden weiteren Geburtshilfeeinrichtungen im Landkreis Vechta. Im Lohner St. Franziskus-Hospital stieg die Babyzahl im Vergleich zu 2019 von 468 auf 483 (+ 3,2 Prozent), im Krankenhaus St. Elisabeth in Damme erblickten im Vorjahresvergleich dagegen weniger Kinder das Licht der Welt. Die Zahl ging von 495 auf 461 und damit auf das Niveau von 2018 zurück (- 6,9 Prozent).

Die kreisweite Zahl von 2671 Klinikgeburten ist derweil nicht nur im Langzeitvergleich einzigartig, sie ist auch beim Blick auf die jüngere Vergangenheit bemerkenswert: Lange Zeit pendelte die Zahl der Neugeborenen nämlich etwas ober- oder unterhalb der 2000er Marke, erst seit 2013 geht es fast kontinuierlich aufwärts (siehe Grafik). 

In den Kreißsälen vor Ort herrschte im vergangenen Jahr also quasi Dauerbetrieb. Während das eigentlich der Normalzustand ist, kamen diesmal jedoch viele außergewöhnliche Einschnitte hinzu.

Geburtshilfe: Corona verändert vieles

Denn die Corona-Pandemie erforderte ausgedehnte Hygiene- und Abstandsregeln sowie Kontaktsperren und Besuchsverbote. Das wiederum brachte bei der Betreuung der Schwangeren, Mütter, Eltern und Säuglinge zahlreiche Veränderungen mit sich, sowohl auf der Geburts- und Wochenstation, im Kreißsaal, als auch - bezogen auf das St. Marienhospital Vechta - der neonatologischen Intensivstation (Behandlung von Neu- und Frühgeborenen) und der Kinderstation.  

Ein Überblick: „Wir finden es schade, dass die Schwangeren bei Kontrolluntersuchungen in der Zeit vor der Entbindung ihren Partner leider nicht mit ins Krankenhaus bringen können“, sagt der Geschäftsführer des St. Marienhospitals in Vechta, Aloys Muhle. Und weiter: „Zudem würden wir Schwangeren gerne unseren Kreißsaal schon vor der Geburt vorstellen. Leider können Kreißsaalführungen und Informationsveranstaltungen momentan nicht stattfinden.“  

"Die auffälligste Veränderung ist aber wohl, dass es insgesamt deutlich ruhiger ist."Aloys Muhle, Geschäftsführer des St. Marienkrankenhauses Vechta, zur Lage auf der Geburts- und Wochenstation

Eine weitere Veränderung ist, dass alle Schwangeren, die zur Entbindung in die Vechtaer Klinik kommen, per Schnelltest auf eine Infektion mit Covid-19 getestet werden. Mitunter gibt es auch positive Testergebnisse: „Wir hatten im vergangenen Jahr nur sehr vereinzelt betroffene Frauen, die jedoch ohne weitere Probleme entbunden haben“, so Muhle. Nach der üblichen Verweilzeit im Krankenhaus konnten sie - unter isolierten Bedingungen - nach Hause entlassen werden.  

Auffälligste Veränderung ist aber laut Muhle, „dass es in den genannten Bereichen insgesamt deutlich ruhiger ist, weil nur die Lebenspartner der Schwangeren und der Wöchnerinnen als Besucher zugelassen sind“. Diese Situation werde gerade von den Wöchnerinnen „durchgängig als sehr angenehm empfunden, da sie sich ohne Unterbrechungen voll und ganz dem Neugeborenen widmen können“.

Jede Menge coronabedingte Einschnitte gibt es ebenfalls im St. Franziskus-Hospital Lohne - aber auch Ausnahmen. „Wir gestatten es den werdenden Vätern, ihre Partnerin während des Aufenthaltes zu begleiten“, erklärt der dortige Geschäftsführer Thomas Meyer. Dabei handele es sich um „eine von der geltenden Verordnung abgedeckte und vertretbare Ausnahme“. Darüber hinaus werde den Wöchnerinnen in der Regel die Unterbringung in einem Familienzimmer angeboten. Meyer: „Hier ist es den Vätern gestattet, durchgängig bei ihren Ehefrauen zu sein.“

Einschränkungen stoßen in Lohne auf hohe Akzeptanz

Zur Sicherheit der Wöchnerinnen und des Personals werde bei Aufnahme der Schwangeren sowie ihrer Partner allerdings ein Covid-19-Schnelltest durchgeführt. Denn über allem stehe auch in der Geburtshilfe die Vorgabe, zum Schutz aller Patientinnen und Patienten möglichst wenig externe Infektionsquellen ins Krankenhaus zu bringen. Und diese notwendigen Einschränkungen „finden eine hohe Akzeptanz bei den Wöchnerinnen und bei den Partnern“.

Damit die hohe Akzeptanz der 3 Geburtskliniken im Kreis Vechta auch weiterhin hoch bleibt, wird nicht nur viel in Sicherheit und Hygiene investiert, sondern auch in bauliche und technische Verbesserungen. Nach Eröffnung der neuen Kinderklinik im vergangenen Jahr am St. Marienhospital in Vechta stehen dort 2021 eine umfassende Renovierung und Erweiterung des Kreißsaals an. In Verbindung damit ist auch die Errichtung eines neuen OP-Saals für Notfalleingriffe, etwa Entbindungen per Kaiserschnitt, geplant. „Wir gehen davon aus, dass die Maßnahmen im vierten Quartal diesen Jahres abgeschlossen sind“, erklärt Geschäftsführer Muhle.

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