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Für St.-Viktor-Pfarrgemeinde sind ihre Kindertagesstätten besondere Kirchorte

Nicole Reinke hat eine wichtige Aufgabe übernommen. Die Pastoralreferentin kümmert sich um die Kindergartenpastorale in acht Kitas in Damme und Neuenkirchen. Damit geht die Pfarrgemeinde neue Wege.

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Gemeinsam aktiv: Im Rahmen der Kindergartenpastorale kooperiert die Pastoralreferentin Nicole Reinke (Mitte) auch mit Karin Bolke (links) und Heike Bornhorst. Foto: Lammert

Gemeinsam aktiv: Im Rahmen der Kindergartenpastorale kooperiert die Pastoralreferentin Nicole Reinke (Mitte) auch mit Karin Bolke (links) und Heike Bornhorst. Foto: Lammert

Schon vor längerer Zeit hat Heiner Zumdohme, der heutige Dechant des Dekants Damme und Leitender Pfarrer der St.-Viktor-Kirchengemeinde mit den Kirchorten Damme, Osterfeine, Rüschendorf und Neuenkirchen, festgestellt: Wenn die Menschen nicht mehr zur Kirche kommen, dann muss die Kirche vermehrt dahin gehen, wo sich Menschen versammeln.

Deswegen hat sich der Geistliche dafür eingesetzt, die Kindergartenpastorale in den acht Kindertagesstätten, die sich in Trägerschaft der Pfarrgemeinde befinden und die er als Kirchorte versteht, noch deutlicher zu profilieren. Mit dieser Aufgabe hat die Pfarrgemeinde Pastoralreferentin Nicole Reinke betraut. 

Kindertagesstätten sollen katholisches Profil ausbauen

"Mir ist es wichtig, dass unsere Kindergärten auch angesichts der bevorstehenden pastoralen Räume ihr katholisches Profil weiter ausbauen", betont Heiner Zumdohme. Es sei eine große Herausforderung, in den multikonfessionellen Teams von Erzieherinnen und Erziehern in den Einrichtungen trotzdem das katholische Profil aufrechtzuerhalten.

Früher sei das deutlich leichter gefallen. Denn in den Pfarreien, die deutlich kleiner waren als heute und vor allem auch als die geplanten pastoralen Räume, einer Kooperation weiter selbstständiger Kirchengemeinden, sei der Bezug zwischen der Kirchengemeinde und dem jeweiligen Kindergarten wesentlich enger gewesen. 

Kontakt zwischen Pfarrgemeinde und Kitas muss kontinuierlich gepflegt werden

Um aber eine enge Verbindung zwischen der Pfarrgemeinde und den  Kindertagesstätten in ihrer Trägerschaft dauerhaft zu pflegen, bedarf es eben des kontinuierlichen Kontakts zwischen der Kirchengemeinde und den Einrichtungen. Er selber sei nicht in der Lage, diesen Kontakt so zu pflegen, wie es notwendig ist, räumt der Pfarrer ein. Deshalb habe er Nicole Reinke die Aufgabe übertragen. "Der Glaube braucht auch ein Gesicht", ergänzt der Geistliche. Und dieses Gesicht sei in den Kindertagestagesstätten nun die Pastoralreferentin.

Nicole Reinke stimmt mit dem Pfarrer in der Einschätzung der Kindertagesstätten als ganz besondere Kirchorte überein: "In keiner kirchlichen Einrichtung kommen so viele Generationen zusammen wie in den Kindertagesstätten." Sie seien Orte, in denen es eine Gemeinschaft gebe, die den Glauben ermögliche. Kurzum: "Die Kita ist ein Lebensort des Glaubens."

Kindertagesstätten sind eine Gesellschaft in klein

Aber: Die Kindertagesstätten in Trägerschaft der St.-Viktor-Kirchengemeinde besuchen nicht nur katholische Mädchen und Jungen. "Sie sind eine Gesellschaft in klein", beschreibt Heike Bornhorst, Leiterin des Kindergartens Sonnenland in Neuenkirchen, den Ist-Zustand. Deswegen gebe es einen "religionssensiblen" Umgang mit Kindern, die einer anderen Religion angehören. "Alle sind eingeladen, den Glauben der anderen kennenzulernen. Wir sind offen für alle Religionen", betont Karin Bolke, die Leiterin des Kindergartens St. Benedikt in der Wienerei in Damme.

Dennoch sollen und wollen die Kindertagesstätten ihre katholische Identität bewahren. Das zeigt sich auch an Dingen, die manchem vielleicht marginal erscheinen: Aber so heißt der St.-Martins-Umzug immer noch und ganz bewusst St.-Martins-Umzug und eben nicht nur Laternenumzug; und die Einrichtungen feiern den Namenstag ihres Patrons beziehungsweise ihrer Patronin.

Familien sind in religionspädagogische Arbeit eingebunden

Ganz wichtig aber ist Heike Bornhorst, die Familien der Kinder mit in die religionspädagogische Arbeit im Sonnenland einzubinden, wenn sie es denn wünschen. "Wir machen ihnen das Angebot, sich mit dem Glauben zu beschäftigen." In dieser Adventszeit etwa konnten sich Eltern und ihre Kinder mit der Geschichte "Mit Rica durch den Advent" mit der Geburt Jesu befassen.

Karin Bolke berichtet von durchweg guten Erfahrungen, die sie und ihre Kolleginnen in St. Benedikt mit Gottesdiensten der Einrichtung gemacht haben und machen. Wesentlich dazu beitragen dürfte, dass die Gottesdienste ganz bewusst in anderen Räumen als in der Kirche stattfinden, zum Beispiel auch auf der Streuobstwiese in der Nähe der Kindertagesstätte.

Viele nähmen die Kindertagesstätten der St.-Vitkor-Kirchengemeinde als pastoralen Raum für die ganze Familie wahr, sähen sie losgelöst von der "Gehorsamskirche", ergänzt Heike Bornhorst. Und Nicole Reinke unterscheidet da zwischen der "Verfassten Kirche", also der Kirche als Institution, und der Kirche als Gemeinschaft der Glaubenden, wie sie sich auch in den Kindertagesstätten dokumentiert.

Religiöse Feiern sind ein Angebot an Kinder und Eltern

Da sehen die beiden Leiterinnen Bolke und Bornhorst in der neuen Kindergartenpastorale einen fundamentalen Unterschied zur Arbeit in katholischen Kindergärten in vergangenen Jahrzehnten. So seien  religiöse Feiern heute ein Angebot an die Kinder und deren Eltern und nicht wie früher verordnet. "Da war der Druck ein ganz anderer", befindet Karin Bolke. Zudem überlegten sich die Erzieherinnen und Erzieher heute viel mehr, wie die Gemeinde Anteil daran nehmen kann, was in den Einrichtungen geschieht.

Auch dabei soll Nicole Reinke die Kindertagesstätten unterstützen. Doch damit ist ihr Aufgabengebiet nicht umfassend beschrieben. Denn als Kindertagesstätten-Seelsorgerin soll sie ferner eine Ansprechpartnerin sein, an die sich die Erzieherinnen und Erzieher, aber auch die Eltern und Kinder mit Sorgen und Problemen wenden können. Dazu sagt Karin Bolke: Je präsenter Nicole Reinke in den Kindertagesstätten sei, desto geringer werde die Hemmschwelle bei den Eltern, Kindern sowie Erzieherinnen und Erziehern sein, sie anzusprechen.

Reinke ist die Schnittstelle zwischen Kitas und Pfarrgemeinde

Zudem versteht die Pastoralreferentin ihre Aufgabe als Schnittstelle zwischen den Kindertagesstätten und der Kirchengemeinde. Deswegen nimmt sie an den Runden der Leiterinnen der Einrichtungen teil, trägt einerseits deren Anliegen bei den zuständigen Stellen in der Pfarrgemeinde vor und bietet anderseits den Einrichtungen die Unterstützung bei Projekten an. 

Ferner berät sie die Erzieherinnen und Erzieher in religiösen Themen: "Ich möchte sie sprach- und auskunftsfähig machen." Denn neben dem Auftrag der Betreuung, Erziehung und Bildung gebe es in den acht Kindertagesstätten der St.-Viktor-Kirchengemeinde auch die religiöse Bildung: "Sie soll ein Teil des Alltages sein."


Fakten:

  • Nicole Reinke nahm als Vorbereitung ihrer Tätigkeit in der Kindergartenpastorale an Fortbildungen im Rahmen des Programms "Kita – Lebensort des Glaubens" des Bistums Münster teil.
  • Die Kindertagesstätten der St.-Viktor-Kirchengemeinde besuchen rund 780 Mädchen und Jungen. Die Zahl der pädagogischen Kräfte beläuft sich auf rund 150.

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