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Für eine bessere berufliche Orientierung: Die Handelslehranstalten Lohne beteiligen sich am Innovationsvorhaben

Die Bildungseinrichtung führt zum Schuljahr 2023/24 die Berufsfachschule dual ein. Eine Besonderheit sind Coaching- und Beratungsangebote, die bereits vor Schuljahresbeginn starten.

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Coaching und Beratung: An der Berufsfachschule dual sollen Schüler durch eine kontinuierliche Hilfestellung der Pädagogen eine breit angelegte berufliche Grundbildung erwerben und zielgerichtet auf eine zukünftige Berufswahl vorbereitet werden. Foto: dpa

Coaching und Beratung: An der Berufsfachschule dual sollen Schüler durch eine kontinuierliche Hilfestellung der Pädagogen eine breit angelegte berufliche Grundbildung erwerben und zielgerichtet auf eine zukünftige Berufswahl vorbereitet werden. Foto: dpa

Die Handelslehranstalten (HLA) in Lohne gehen neue Wege. Die kaufmännische Berufsschule beteiligt sich als eine von landesweit acht Bildungseinrichtungen an einem Innovationsvorhaben des niedersächsischen Kultusministeriums. Zum Schuljahr 2023/24 führen die HLA die Berufsfachschule dual ein. Die neue Schulform löst die Höhere Handelsschule und die Klasse 11 der Fachoberschule ab.

HLA-Schulleiter Ernst Escher hat als Mitglied der zuständigen Kommission an der Konzeption der neuen Schulform mitgewirkt, die das Land ab 2025 flächendeckend einführen möchte. Intention ist es nach seinen Angaben, dass die Schüler eine breit angelegte berufliche Grundbildung erwerben und zielgerichtet auf eine zukünftige Berufswahl vorbereitet werden. 

Escher sagt, dass mancher Schüler bisher in Klasse 11 der Fachoberschule in eine Sackgasse geschickt werde. So sei oft schon früh erkennbar, dass es vielleicht besser wäre, eine duale Berufsausbildung anzustreben. Für diese Schüler bestehe die Gefahr, die Klasse 12 ohne Abschluss zu verlassen. Um dieses Scheitern zu verhindern, geht es laut Escher darum, den Schülern realistische Perspektiven aufzuzeigen. "Wir möchten sie aktiv begleiten." Dies soll unter anderem durch Coaching- und Beratungsangebote gelingen.

Neue Schulform soll dem Fachkräftemangel entgegenwirken

Der HLA-Schulleiter lobt das Kollegium, welches sich nicht vor Innovationen scheue. Die Umstellung bedeute einen erhöhten Arbeitsaufwand, beispielsweise aufgrund neuer Curricula und neuer Stundenpläne. Auch in puncto Digitalisierung sei die Berufsschule führend, urteilt der Gehrder selbstbewusst und verspricht, diese Entwicklung weiter voranzutreiben.

Die neue Schulform ist aus seiner Sicht positiv für die Betriebe vor Ort, weil die jungen Menschen eine bessere berufliche Orientierung erhalten. "So wirken wir dem Fachkräftemangel aktiv entgegen."

Sie begrüßen die Neuausrichtung: HLA-Schulleiter Ernst Escher (rechts) und Andreas Nuxoll, Koordinator Berufsfachschulen und Fachoberschulen, informieren über die neue Schulform. Foto: Timphaus Sie begrüßen die Neuausrichtung: HLA-Schulleiter Ernst Escher (rechts) und Andreas Nuxoll, Koordinator Berufsfachschulen und Fachoberschulen, informieren über die neue Schulform. Foto: Timphaus 

Andreas Nuxoll geht ebenfalls auf die Ausgangslage ein. Für den Koordinator Berufsfachschulen und Fachoberschulen war die Klasse 11 der Fachoberschule bisher ein "krankes Kind". Auch er weiß um den Bedarf an Fachkräften. "Studieren ist gut, aber nicht um jeden Preis." Die Option, ein Studium zu ergreifen, für die sich die Schüler bei einem erfolgreichen Abschluss der Klasse 12 der Fachoberschule qualifizieren, sei nun einmal nicht allen jungen Menschen gegeben.

Im 1. Halbjahr werden künftig alle Schüler zusammen unterrichtet. Sie absolvieren ein 2-wöchiges Praktikum und nehmen bereits vor dem Schulstart an ersten Beratungsgesprächen teil. Das Coaching zieht sich über das gesamte Schuljahr. Zum 2. Halbjahr erfolgt dann getreu dem Y-Modell eine Aufteilung in einen F- und einen B-Zweig. Nuxoll betont, dass die Klassenkonferenz über die Einordnung der Schüler entscheide, nicht die jungen Menschen selbst. 

Im F-Zweig absolvieren die Schüler an 3 Tagen pro Woche ein Praktikum mit einem Umfang von mindestens 440 Stunden. Anschließend sind eine Bewerbung für die Klasse 12 der Fachoberschule, eine duale Ausbildung oder eine Bewerbung für die Klasse 11 des Beruflichen Gymnasiums möglich. Nuxoll sagt: "Es ist kein Automatismus mehr, dass die Schüler in die Klasse 12 der Fachoberschule kommen." Der Notenschnitt muss stimmen. Auch dem erhöhten Niveau des Mathematikunterrichts ist Rechnung zu tragen.

Berufsfachschule dual soll künftig digital arbeiten

Der B-Zweig vermittelt wie bisher berufsbezogene Qualifikationen und bereitet vor allem auf eine Ausbildung vor. Es ist ein 4-wöchiges Blockpraktikum vor den Sommerferien vorgesehen. Laut Escher könne dies auch als "Probearbeiten" eingestuft werden. In beiden Zweigen kann unter bestimmten Voraussetzungen der Erweiterte Sekundarabschluss I erworben werden.

Laut Nuxoll sollen die Schüler in der Berufsfachschule dual künftig mit ihren eigenen digitalen Endgeräten arbeiten (BYOD-Prinzip). Dies erfordere besonders von den Eltern einen Umdenkprozess, sagt der Oberstudienrat. 

"Der Landkreis Vechta begrüßt das neue Angebot der Handelslehranstalten Lohne."Hartmut Heinen, Erster Kreisrat des Landkreises Vechta

Nach seinen Angaben besuchen derzeit etwa 200 Schüler die Höhere Handelsschule und die 11. Klasse der Fachoberschule. Die Berufsfachschule dual komme künftig pro Schuljahr für mindestens 1000 Schüler theoretisch in Frage.

Der Landkreis Vechta als Schulträger befürwortet die Einführung der Berufsfachschule dual. Der Erste Kreisrat Hartmut Heinen teilt auf Anfrage mit: "Konzepte, die Theorie und Praxis sinnvoll miteinander verknüpfen, ist in der beruflichen Bildung sehr wichtig. Deshalb begrüßt der Landkreis Vechta das neue Angebot an den Handelslehranstalten Lohne."

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