Frühere Hofstelle Küstermeyer als Brücke zur Fußgängerzone
Die Umgestaltung und Öffnung des Areals und könnte dem Lohner Famila-Großprojekt den entscheidenden Kick geben – und Supermarkt und Innenstadt verbinden.
Andreas Timphaus | 09.09.2020
Die Umgestaltung und Öffnung des Areals und könnte dem Lohner Famila-Großprojekt den entscheidenden Kick geben – und Supermarkt und Innenstadt verbinden.
Andreas Timphaus | 09.09.2020
Die frühere Hofstelle Küstermeyer: Die Einbindung des historischen Bauwerks und seiner Umgebung könnte der entscheidende Baustein für ein Gelingen des Famila-Projektes sein. Foto: Timphaus
Das Vorhaben der Bünting-Unternehmensgruppe, auf Teilen der früheren Hofstelle Küstermeyer in der Lohner Innenstadt einen neuen Famila-Supermarkt mit integrierter „dm“-Drogerie zu errichten, hat die nächste Hürde genommen. Mit den Stimmen der Mitglieder der CDU-Fraktion hat der Bauausschuss am Dienstag der Abwägung zu den während der Beteiligung der Öffentlichkeit und den Behörden vorgetragenen Stellungnahmen zugestimmt. Zudem wurde der Auslegungsbeschluss gefasst. Der politische Schlagabtausch, den möglicherweise einige der 30 Zuschauer – die Stadt hatte die Besucherzahl aufgrund der Corona-Pandemie limitiert – in der Aula der Realschule erwartet hatten, blieb aus. „Im Grunde sind die Argumente ausgetauscht“, sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende Eckhard Knospe. Später äußerte sich auch sein CDU-Pendant Norbert Hinzke in ähnlicher Form. Mit etwa zehn Personen nahmen die Vertreter von Bünting sowie der an den Planungen beteiligten Fachbüros teil. Die imposante Anzahl von Experten sollte wohl Geschlossenheit signalisieren, war aber auch der Komplexität und Brisanz des Bauvorhabens geschuldet. Das Handelsunternehmen aus Leer, zu dem Famila gehört, plant ein SB-Warenhaus mit 4.000 Quadratmetern Verkaufsfläche sowie eine integrierte „dm“-Drogerie mit 700 Quadratmetern. Bünting will nach eigenen Angaben 13 Millionen Euro in die Realisierung des Großprojektes in der Innenstadt investieren. Die Neuigkeit des Abends war, dass die frühere Hofstelle deutlich stärker als bisher bekannt in die Umsetzung eingebunden werden soll. Der „Masterplan“, den die Landschaftsarchitekten Horeis + Blatt aus Bremen erstellt haben, sieht eine Wegachse vor, die den neuen Famila-Markt mit der Fußgängerzone verbindet. Der Hofgarten könnte, in Abstimmung mit dem Denkmalschutz, in eine öffentliche Grünanlage mit Aufenthalts- und Spielangeboten umgestaltet werden. Weitere Bausteine der Idee wären ein Café, das das frühere Backhaus ersetzt, sowie eine Gastronomie im nördlichen Teil des Gebäudes. Bernd Ludwig Küstermeyer als Vertreter der Eigentümer sprach von einer „hochattraktiven Geschichte“ und warb für das Gesamtprojekt. Der neue Famila-Markt – „eingebettet in viel Grün und angedockt an die Fußgängerzone“ – werde die Innenstadt stark aufwerten, gab er sich überzeugt. Er bat darum, Lohne als Ganzes zu betrachten und sagte mit Blick auf das Großprojekt: „Diese Chance kommt so schnell nicht wieder.“ Vor Sitzungsbeginn hatte eine Abordnung der Bürgerinitiative „Pro Wald“ vor dem Eingang zur Realschule gegen die Abholzung von Teilen des Hofgehölzes protestiert. Dass das Fällen zahlreicher Bäume wohl ohnehin unabwendbar wäre, machte Diplom-Forstwirt Nils Tornow deutlich. Der von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige für Baumpflege, Verkehrssicherheit von Bäumen und Baumwertermittlung sagte eingangs seiner Ausführungen: „Meine Ergebnisse müssen niemandem gefallen, sie müssen stimmen.“ Tornow erläuterte, dass er 156 Bäume untersucht habe. Das Ergebnis: 45 Gehölze sind krank oder bereits abgestorben und müssen entnommen werden. Dies reiße Lücken in den Bestand, der häufig eine Einheit bilde, weshalb weitere 65 Bäume nicht zu halten seien. Überdies seien viele Gehölze wohl von einem Pilz befallen. Die Folgen zeigten sich teilweise erst Jahrzehnte später. Küstermeyer berichtete, dass in der Vergangenheit bereits einige größere Bäume urplötzlich umgestürzt seien. Dies stelle ein „ernst zu nehmendes Sicherheitsproblem“ dar. „Uns obliegt die Verkehrssicherungspflicht.“ Dr. Lutz Neubauer (parteilos) zweifelte die Systematik des Gutachtens an. Tornow verteidigte sich und bot an, die Originaldateien seiner Fotoaufnahmen zur Verfügung zu stellen. Manfred Ramm, Geschäftsführer des Planungsbüros IPW aus Wallenhorst, stellte die Ergebnisse des Verkehrsgutachtens vor. Er nannte die zu erwartende Verkehrszunahme durch die Famila-Ansiedlung an der Meyerhofstraße/Keetstraße „moderat und verträglich“. Der Diplom-Ingenieur empfahl die Anbindung über eine zweite Ein- und Ausfahrt auf Höhe der Falkenbergstraße, durch die der Verkehr entzerrt werde. Niels Blatt (Horeis + Blatt) informierte über den „Masterplan“. Er betonte, dass die Hofstelle bewahrt werden müsse. „Das ist etwas Besonderes.“ Blatt ging dezidiert auf die Neuanpflanzungen ein. „Wir wollen kein Alibi-Grün, sondern richtige Laubbäume.“ Die Weiterentwicklung der Hofstelle werde für „mehr Aufenthaltsqualität und mehr Belebung“ sorgen. Matthias Knopf (Projektentwicklungsgesellschaft Beyer, Freitag und Zeh aus Emden) erläuterte, dass sich das geplante SB-Warenhaus hinsichtlich der Gebäudehöhe, Wegebeziehungen und Funktionen in die Umgebung einfügen werde. Matthias Adler, Leiter Standortentwicklung Nord der Bünting-Gruppe, sprach von circa 240 Parkplätzen, die im Zuge des Projekts zusätzlich entstehen. Das Unternehmen werde etwa 100 Bäume direkt am Standort neu pflanzen und weitere 100 im Innenstadtbereich. Als Mehrwerte für Lohne nannte er: Es sei eine Chance zur Stärkung der City, Angebotslücken würden beseitigt, die Aufenthaltsqualität im Umfeld der früheren Hofstelle werde gesteigert, Arbeitsplätze geschaffen und städtebauliche Missstände beseitigt. In der Debatte führte Knospe an, dass der „Coup Famila“ von langer Hand geplant worden sei. Als Beleg nannte er unter anderem die Erweiterung des Zentralen Versorgungsbereichs um den nördlichen Teil der früheren Hofstelle Küstermeyer. Der SPD-Fraktionsvorsitzende meldete überdies große Zweifel an der Verkehrsprognose an. Hinzke nannte die Famila-Pläne einen „Glücksfall für Lohne“. Neubauer entgegnete, es sei wohl eher von einem Trauerfall zu sprechen. Bürgermeister Tobias Gerdesmeyer zeigte Verständnis für Belange des Naturschutzes, meinte aber auch: „Wenn wir die Hofstelle wieder erlebbar machen, ist das auch ein Wert, der für Lohne wichtig ist.“Café und Restaurant auf der früheren Hofstelle?
Proteste von Naturschützern gegen Abholzung
Verkehrsprognose sieht wenige Probleme
Bünting-Gruppe will etwa 200 Bäume anpflanzen
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