Friesoythe: Michael Borth nimmt „Abschied mit Hoffnung“
Auch ein von Christa Anneken gemaltes Bild zu Kirche und Corona begleitet ihn nach Essen. Die Bedrohung deutlich, aber Glaube und Hoffnung bleiben die bestehenden Größen, auf die der Pfarrer vertraut.
Erleichtert: Michael Borth (Zweiter von links) kurz vor dem Auszug mit Pfarrer Joachim Prunzel, Diakon Heinz Wübben und Pfarrer Ulrich Bahlmann (von links).Fotos: cl
Ein letztes Mal stieg er die Stufen zur Kanzel hinauf. Ein letztes Mal erhöht aber nicht abgehoben nahm er seine Gemeinde in den Blick und widmete ihr nach 24 Jahren seine letzte Predigt. Michael Borths Abschied vor imposanter Kulisse musste krisenbedingt ausfallen, den Ausklang bestimmten bis auf volles Geläut eher leise Töne, die der Intensität jedoch keinen Abbruch taten.
Die Gefühle des Pfarrers bewegten sich zwischen „Wehmut und Dankbarkeit, Trauer und Aufbruchstimmung.“ Bewusst bescheiden formulierte er seine finalen Worte, hielt sich in einer berührenden aber auch von Leichtigkeit geprägten Messe mit persönlichen Empfindungen zurück und konzentrierte sich weniger auf das „Ich“,sondern vielmehr auf das „Ihr“ und „Wir“. Nicht zuletzt, weil „keiner sich für zu wichtig und entscheidend halten sollte, wir alle zwar an einer konkreten Geschichte teilnehmen, aber darin allenfalls nur eine Episode sind und ein Kapitel eines noch viel Größeren bleiben.“ Glauben zu nähren und zu leben, hat er sich zur wichtigsten und schönsten Aufgabe gemacht. Denn ob ein Pfarrer gut war oder nicht, bemisst sich nicht an notwendigen Neubauten und Renovierungen. Doch Borths erste Baumaßnahme 1997 war für ihn wahrsten Sinne wegweisend: die Erneuerung des Wetterhahns, der sich im Wind dreht und sich seiner Zeit anpasse, aber „der kräht, wenn wir Jesus verraten, verleugnen oder vergessen.“
Königsaufgabe ist für den Dechanten bis heute die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Und der fehlende Nachwuchs bei den jungen Geistlichen und im Pastoralteam bereiteten ihm Sorgen und er plädiert dafür, Laien zu qualifizieren und den kirchlichen Dienst durch multiprofessionelle Teams zu stärken. „Verliert die Kirche ihre Kinder und Jugendlichen, kann sie keine Zukunft haben“, sagte der 60-Jährige.
Zum letzten Mal: die letzte Predigt von der Kanzel. Diese Tradition hat Michael Borth vor 24 Jahren wieder aufleben lassen.
Michael Borth dankte all seinen Mitstreitern, beruflichen und privaten Weggefährten und Freunden, seinem Pastoralteam, den Institutionen, Vereinen, Verbänden sowie „einem Heer“ von Ehrenamtlichen.„Ohne euch hätte ich niemals bestehen können.“
Die Fusion ein Prozess, der vielfach von Misstrauen, menschlichen Enttäuschungen und mangelnder Loyalität auch aus den eigenen Reihen geprägt war. Doch wo es gelang, die sechs Gemeindeteile in ein großes Ganzes einzubringen, „da blitzte immer etwas auch vom übergroßen Reichtum dieser faszinierenden Pfarrei auf, die so viele Menschen guten Willens hat.“
Spätestens in 15 Jahren, sofern es die Lebensumstände zulassen und er bis zu seinem 75. Lebensjahr im Amt bleiben möchte, wird er in diese Pfarrei als Emeritus zurückkehren. Diese Aussicht verbunden mit dem vom Pfarrer selbst geäußerten Wunsch, weniger Trubel und Termine zu haben und endlich wieder mehr Seelsorger sein zu wollen, „lässt uns deinen Abschied ertragen“, betonte Pfarreiratsvorsitzende Dr. Annette Gründing. Borth habe mit seiner eigenen, unverwechselbaren, authentischen Art die Herzen berührt. „Du hast getröstet und Hoffnung gegeben und sehr viele Menschen haben eine persönliche Geschichte mit dir“, dankte sie einem „großartigen Seelsorger und besonderen Wegbegleiter.“
Dr. Annette Gründing, Pfarreiratsvorsitzende
Das Geschenk der Gemeinde: Ein Video, an dem unzählige Mitglieder mitgewirkt und auf unterschiedliche Weise „Auf Wiedersehen“ gesagt haben. Das Präsent des Pfarreirates: Ein hölzerner Wanderstab, der stützt und trägt und „dich auf deinen neuen Wegen geleiten soll.“
Borths evangelischer Mitbruder Joachim Prunzel beglückwünschte St.-Bartholomäus Essen zu ihrem neuen Pfarrer und dankte ihm für eine ökumenische und freundschaftliche Zusammenarbeit. Einen guten Tropfen überreichte
„Sehr viele Menschen haben eine persönliche Geschichte mit dir.“
Dr. Annette Gründing, Pfarreiratsvorsitzende
Pfarrer Ludger Becker „an einem für die Pfarrei traurigen Tag“ als stellvertretender Dechant und für Pfarrhaus-Team und dienstältester Mitarbeiter erinnerte Josef Averbeck an die Leistungen eines Chefs, der auch menschlich immer überzeugt habe. Wie in Friesoythe hat sich Michael Borth zuvor auch in allen Ortsteilen verabschiedet, dabei die Besonderheiten und charakteristischen Eigenschaften der Menschen und Strukturen hervorgehoben und durfte sich über Gesten, gute Worte, Wünsche aber über eines seiner Lieblingslieder freuen: „Nehmt Abschied Brüder“ erklang in Thüle als Trompetensolo, in Friesoythe intonierte für den Fan schottischer Weisen ein Dudelsackspieler.“
Nach seinem Abschied werde nun einiges anders werden, sagte Borth. „In meinem Leben und sicher auch in der Pfarrei.“ Doch wenn Zusammenhalt, Hoffnung und Solidarität erfahrbare Größen blieben, „dann werden sie unserem Leben Sinn und Erfüllung schenken.“