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Freizeitpark schlägt ein wie eine Bombe

Die Schausteller stoßen mit ihren Plänen auf großes Interesse. Mit dem gewohnten Ausmaß des Stoppelmarktes ist die Aktion in Vechta aber nicht vergleichbar.

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Fahrspaß für die ganze Familie auf der Westerheide: Der Break Dancer sowie viele weitere Karussells und Buden sollen die Besucher ab dem 10. September auf das Stoppelmarktgelände in Vechta locken. Foto: M. Niehues

Fahrspaß für die ganze Familie auf der Westerheide: Der Break Dancer sowie viele weitere Karussells und Buden sollen die Besucher ab dem 10. September auf das Stoppelmarktgelände in Vechta locken. Foto: M. Niehues

Die Nachricht hat eingeschlagen wie eine Bombe: Mehrere Zehntausend Facebook-Nutzer registrierten innerhalb kürzester Zeit, dass sich noch in diesem Jahr die Karussells in Vechta drehen. Doch eingefleischte Stoppelmarkt-Freunde sollten ihre Erwartungen nicht zu hochschrauben. Im Vergleich zu dem alljährlichen Trubel auf der Westerheide ist der geplante Freizeit- und Kirmespark nur eine Mini-Ausgabe.

Mit dem alljährlichen Markttreiben kann und will sich der Verein reisender Schausteller Vechta nicht messen, wenngleich die Mitgliedsbetriebe für die Veranstaltung vom 10. September bis zum 4. Oktober fast 40 Fahrgeschäfte und Buden auf dem Stoppelmarktgelände auffahren wollen. "Das ist schon eine ordentliche Größe", erklärt Vereinsvorsitzender Jürgen Meyer nicht ohne Stolz.

Die aktuelle Planung sieht eine Nutzfläche von 24.000 Quadratmetern vor. Zur Einordnung: Der Stoppelmarkt ist etwa viermal so groß und wird von rund 500 Schaustellern beschickt. Auch die Fläche wird normalerweise viel intensiver genutzt. Das ist bei diesem Freizeit- und Kirmespark kaum möglich, denn die Abstände zwischen den einzelnen Fahrgeschäften, Buden und Gassen müssen aufgrund der Corona-Verordnung deutlich größer sein.

Bürgermeister Kristian Kater unterstützt die gewerbliche Initiative, stellt im gleichen Atemzug aber auch den Unterschied zum traditionellen Marktgeschehen der Stadt Vechta heraus. "Ein solcher Freizeitpark ist kein Ersatz für unseren Stoppelmarkt. Es ist auch kein kleiner Stoppelmarkt. Es ist ein Freizeitpark mit einem eigenen Konzept, organisiert und betrieben von den Schaustellern in Eigenregie, nicht von der Stadt Vechta", unterstreicht der Verwaltungschef.

Die Stadt Vechta stellt das Gelände kostenlos zur Verfügung. Voraussetzung dafür ist, dass die Schausteller ein umfangreiches Hygiene- und Infektionsschutzkonzept umsetzen. Dieses habe der Landkreis Vechta "zustimmend zur Kenntnis genommen", wie es Erster Kreisrat Hartmut Heinen formuliert. Einer Genehmigung bedürfe es nicht. Die Schausteller könnten die Veranstaltung auf Basis der landesweiten Verordnung ohne Zustimmung des Landkreises Vechta durchführen.

"Die Regeln sind recht streng. Das wird auch kontrolliert.“Erster Kreisrat Hartmut Heinen

Die Behörde habe Vertrauen in die Veranstalter, dass das Geschehen geordnet und gesittet abläuft, so Heinen weiter. Der Erlass des Landes Niedersachsen lasse temporäre Freizeitparks zu, dann müssten Schausteller vor Ort auch solche Möglichkeiten in Anspruch nehmen können. Neben dem Erlebnischarakter für die Besucher müsse selbstverständlich der Infektionsschutz gewährleistet sein. "Die Regeln sind recht streng. Das wird auch kontrolliert", betont der Erste Kreisrat.

Ein wichtiger Bestandteil des Konzeptes sind die eingeschränkten Öffnungszeiten. Es gibt keinen täglichen Betrieb, sondern nur verlängerte Wochenenden. Die Pforten sind von donnerstags bis sonntags, jeweils von 14 bis 22 Uhr, geöffnet. Bis in die Puppen sollen die Besucher also nicht feiern. In erster Linie sollen Familien mit Kindern ihren Spaß haben.

Bei der Laufzeit des Freizeit- und Kirmesparks gibt es allerdings noch Klärungsbedarf. Der anvisierte Zeitraum des Vechtaer Schaustellervereins umfasst dreieinhalb Wochen. Das Land gibt jedoch einen Richtwert von mindestens 4 Wochen an. Eine Einhaltung dieser Vorgabe fordert auch der Landkreis, wie Erster Kreisrat Hartmut Heinen am Mittwoch auf Anfrage bekräftigt: "Unter 4 Wochen machen wir es nicht. Das ist eine Grundvoraussetzung."

Schausteller müssen Zeitraum verlängern

In diesem Punkt werden die Schausteller wohl noch nachbessern, sprich einige Tage draufpacken müssen. Es sei bereits ein Antrag auf Verlängerung geplant, teilt Vorsitzender Meyer auf Anfrage mit. Wenn die Veranstaltung gut laufe, könne er sich ohnehin zusätzliche Tage vorstellen. Für ihn und seine Kollegen geht es nun darum, die letzten Details zu klären. Der Aufbau auf der Westerheide soll zeitnah beginnen. Die Grünflächen sind bereits gemäht, einzelne Standplätze abgesteckt. Im Innenbereich des eingezäunten Geländes sollen mehrere Aufenthaltsbereiche für die Gastronomie entstehen. Zelte sind nicht vorgesehen.

Die Vereinigung der Stoppelmarkt-Wirte wird sich an der Veranstaltung übrigens nicht beteiligen. Interesse sei schon vorhanden, berichtet Vorsitzender Ludger Emken, aber die Schausteller hätten bei der Vorstellung des Konzeptes plausibel erklärt, dass sie das Projekt in Eigenregie durchführen würden. In Kooperation mit Gastronom Alfons Stratmann werde seine Firma, die Otto Kühling GmbH, lediglich einen Biergarten beisteuern, so Emken.

Das Interesse an den Plänen der Schausteller ist groß. In der Bevölkerung kommt die Ankündigung des Freizeit- und Kirmesparks überwiegend positiv an, wie die Kommentare in den sozialen Netzwerken und auch eine aktuelle Straßenumfrage zeigen. Viele Bürger freuen sich auf das zusätzliche Freizeitangebot und zeigen vor allem Verständnis für die Situation der Schausteller.

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