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Flacher Kiesel wird zur kleinen Leinwand

Sonja Schmidt lässt auf Steinen kleine Kunstwerke entstehen. Im Urlaub auf Föhr hat sie die Motive "ausgewildert" und schon eine Rückmeldung bekommen.

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Idyllisch und niedlich: Sonja Schmidt beherrscht verschiedene Stilrichtungen für ihre Bilder. Foto: Thomas Vorwerk

Idyllisch und niedlich: Sonja Schmidt beherrscht verschiedene Stilrichtungen für ihre Bilder. Foto: Thomas Vorwerk

Die Rückmeldung hat nicht lange auf sich warten lassen. Der kunstvoll bemalte Stein, den Sonja Schmidt vor wenigen Tagen am Hafen von Wyk auf Föhr versteckt hat, wurde entdeckt und, wie auf der Rückseite erbeten, auf Facebook in der Gruppe "Garreler Steine" veröffentlicht. Wenn die Garrelerin solche Nachrichten hört, dann freut es sie, denn dann hat sie ihr Ziel erreicht: "Finden, freuen, auf Facebook posten."

Leuchtturm von Olhörn dauert fünf Stunden

Kreativ war die 45-Jährige schon immer, doch Steine bemalt sie erst seit ein paar Monaten, denn Bilder sind ihr zu groß. "Ich male gerne, aber was macht man damit? Wo soll man damit hin? Ein Stein geht fix und vielleicht bereitet man damit anderen eine Freude." Fix - dieser Begriff lässt Interpretationsspielraum zu. Wenn es ganz filigran wird, dann gehen auch mal fünf Stunden ins Land, bis der Leuchtturm Olhörn auf dem sechs Zentimeter großen Kiesel verewigt ist.

Zurückgelassen: Diese neun Steine hat Sonja Schmidt während ihres jüngsten Urlaubs ausgewildert. Foto: Sonja SchmidtZurückgelassen: Diese neun Steine hat Sonja Schmidt während ihres jüngsten Urlaubs "ausgewildert". Foto: Sonja Schmidt

Bemalte Steine, die hat man in den vergangenen Wochen rund um die Rathäuser und Kirchen gesehen, doch da war Sonja Schmidt schon längst diesem Hobby verfallen. Genauso wie der See und deshalb wundert es auch nicht, dass die maritimen Motive überwiegen.

Wenn sie in ihrem kleine Atelier zu den Acryl-Stiften greift, dann steigert das auch die Vorfreude auf den Urlaub. Mit neun Motiven im Gepäck, ihrem Partner an der Seite und ihren Eltern ist sie an die Nordsee gefahren. Die Steine hat sie dort "ausgewildert", wie sie es nennt. Nie wirklich versteckt, "aber man muss schon mit offenen Augen durch die Welt gehen, um sie zu finden".

Hin und wieder gibt es auch "Auftragsarbeiten" im Freundes- und Bekanntenkreis, wenn eine besondere Aufmerksamkeit zum Geburtstag benötigt wird oder zur Einschulung. Ansonsten arbeitet sie frei und findet ihre Inspiration meist im Internet. So sind auch der grimmig schauende Igel entstanden und das überraschte Eichhörnchen. Beide liegt auf ihrem Arbeitstisch gleich neben ein paar besonders kleinen Exemplaren, die einen Schmetterling, eine Biene und eine Libelle zeigen. Mit der ruhigen Hand eines Herzchirurgen zieht sie die ganz feinen Striche, die nur 0,2 Millimeter breit sind. Eine Lupe braucht sie nicht.

Passende Objekte findet man nicht einfach am Strand

An "Leinwänden" sollte es nicht mangeln, könnte man meinen. Doch die Anforderungen sind speziell, denn die Steine müssen besonders glatt sein und eine bestimmte Größe haben. "So etwas findet man nicht so einfach, auch nicht im Baumarkt. Deshalb bestelle ich mir die Steine im Internet", erklärt Schmidt.

Auf Qualität legt sich auch bei den Farben wert. Zwar gibt es günstigere Stifte, doch mit denen muss man die Striche mehrfach ziehen, bis die Farbe deckt. Ist alles getrocknet, wird der Stein mit Klarlack versiegelt, damit die Finder möglichst lange Freude an den Unikaten haben oder sie noch oft neu verstecken können. Im Herbst steht die Chance für Inselbesucher gut, Beute zu machen. Schon fünfmal war Sonja Schmidt in den vergangenen Jahren auf Föhr und der sechste Besuch lässt nicht mehr lange auf sich warten. In neun Wochen wird sie wieder am Nordseestrand spazieren gehen und natürlich an bestimmten Punkten wieder Steine auswildern. Mit dem Malen hat sie dafür bereits begonnen.

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