Extreme Glätte im Oldenburger Münsterland: Bisher mehr als 100 Unfälle
Die Polizei stuft die Situation als „kritisch“ ein. In beiden Landkreisen kommt es zu erheblichen Verkehrsbehinderungen.
Julian Röben | 23.01.2026
Die Polizei stuft die Situation als „kritisch“ ein. In beiden Landkreisen kommt es zu erheblichen Verkehrsbehinderungen.
Julian Röben | 23.01.2026

Symbolfoto: dpa
Im gesamten Oldenburger Münsterland kommt es wegen der extremen Glätte derzeit zu zahlreichen Unfällen. Das berichtet die Polizei. Den Angaben zufolge ereigneten sich seit 5 Uhr 122 Verkehrsunfälle (Stand 11:35 Uhr). 51 davon im Landkreis Cloppenburg, 71 im Landkreis Vechta. Bislang blieb es den Angaben zufolge in den meisten Fällen bei Blechschäden. In fünf Fällen wurden Personen leicht verletzt. Die Situation in beiden Landkreisen ist weiterhin als kritisch einzustufen, so die Polizei Bei einem Verkehrsunfall im Raum Lohne kollidierten zwei Fahrzeuge gegen 6 Uhr auf der Steinfelder Straße/Ecke Gesenweg. Ein Auto rutschte dabei in einen Straßengraben. Der Fahrer erlitt schwere Verletzungen. Um 6.40 Uhr fuhr ein 40-Jähriger aus Wildeshausen mit seinem Sattelzug auf der Autobahn 1 in Fahrtrichtung Osnabrück, als er auf Höhe Emstek glättebedingt ins Schleudern geriet und auf die Seite kippte. Ein dahinter fahrender 60-Jähriger Autofahrer aus Meschede konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen und rutschte gegen den quer über die Fahrbahn auf der Seite liegenden Sattelzug. Der entstandene Sachschaden wurde auf 120.000 Euro geschätzt. Der Sattelzug und der Pkw waren nicht mehr fahrbereit. Der Unfall und die Bergung des Sattelzuges zogen eine stundenlange Sperrung der Autobahn 1 nach sich. Es kommt weiterhin in beiden Landkreisen zu etlichen Verkehrsbehinderungen aufgrund liegen gebliebener Fahrzeuge. Insbesondere der Schwerlastverkehr ist von den winterlichen Verhältnissen betroffen. Auch die Autobahnen in den Landkreisen Cloppenburg und Vechta sind demnach von der Glätte betroffen. Die Polizei bittet die Bevölkerung darum, nach Möglichkeit zu Hause zu bleiben. Das Glatteis bringt auch die Krankenhäuser in der Region an ihre Grenzen. Das Friesoyther St.-Marien-Hospital meldet um 12 Uhr über 20 Neuzugänge in der Chirurgie – allesamt glättebedingte Sturzverletzungen. In der Zentralen Notaufnahme des Cloppenburger Krankenhauses gab es ein deutlich erhöhtes Patienten-Aufkommen durch viele Verkehrsunfälle und zahlreiche Stürze. Hauptsächlich seien es Patienten mit Knochenbrüchen. Mitarbeiter aus dem gesamten Haus unterstützen, dank dieses Engagements habe man alles gut im Griff, sagte Chefärztin Dr. Sonja Römer. In Vechta gibt es ebenfalls ein extremes Patienten-Aufkommen: viele Stürze mit Frakturen, darunter oft schwerwiegende Verletzungen. Bis zum Mittag wurden bereits so viele Patienten behandelt, wie sonst am gesamten Tag. Auch in Vechta haben die ZNA-Mitarbeitenden alles im Griff. Es funktioniere sehr reibungslos, so Johannes Ziemens, Chefarzt Zentrale Notaufnahme. Alle ziehen an einem Strang. Die Einsatzkräfte von Feuerwehr und Polizei sind im Dauereinsatz. Zusätzliche Einschränkungen ergeben sich durch Aufräumarbeiten nach Glätteunfällen. Der Deutsche Wetterdienst hat am Freitagmorgen kurzfristig vor extremer Glätte im Oldenburger Münsterland gewarnt. Bis circa 11 Uhr bestand demnach eine amtliche Warnung der Stufe 2 vor markanter Glätte im gesamten Landkreis Vechta. Im Großteil des Landkreises Cloppenburg gab es bis circa 11 Uhr eine amtliche Unwetterwarnung der Stufe 3 vor Glatteis an. Die Glättegefahr besteht demnach durch gefrierenden Regen und Eisansatz. Auch für die Nachbarlandkreise Leer, Oldenburg, Emsland, Diepholz und Osnabrück gibt es Warnungen. Im Landkreis Vechta fällt deshalb der Präsenzunterricht an allen allgemein- und berufsbildenden Schulen aus. Das teilte der Landkreis Vechta am Freitagmorgen mit. Den Angaben zufolge erfolgt zudem keine Schülerbeförderung. Wegen der extremen Wetterbedingungen wird zudem das für morgen im Kreishaus geplante „Spieltakel“ auf den 18. April (Samstag) verschoben. Das teilte der Landkreis am Mittag mit. Den Organisatoren aus dem Jugendamt des Landkreises sei die Entscheidung nicht leichtgefallen, die Sicherheit der Gäste stehe aber an erster Stelle. Im Landkreis Cloppenburg findet der Unterricht allerdings statt. Der Landkreis weist darauf hin, dass bei extremen Witterungsverhältnissen, wie beispielsweise starker Glätte, Eltern selbst entscheiden können, ob der Schulweg ihrer Kinder zu gefährlich ist. Das gelte unabhängig davon, ob es einen offiziellen Schulausfall gibt. In den sozialen Netzwerken sorgt dieser Hinweis größtenteils für Unverständnis und Kritik. Der Schulleiter der Liebfrauenschule in Cloppenburg bittet die Eltern indes, ihre Kinder zu Hause zu lassen. Wie der Landkreis Cloppenburg auf Nachfrage mitteilt, würden laufend die Wetterdaten des Deutschen Wetterdienstes ausgewertet so wie auch Informationen zur Lage auf den Straßen von der Polizei und den Straßenmeistereien eingeholt. „Auch mit den Nachbarlandkreisen wird Kontakt aufgenommen“, so Sascha Sebastian Rühl. Die Entscheidung über Schulausfälle sollte seinen Angaben zufolge möglichst schon am Vorabend bis circa 22 Uhr, spätestens bis zum frühen Morgen des jeweiligen Schultages gefällt und bekannt gegeben werden. „Diese Informationen werden über die Internetseite des Landkreises und die Social-Media-Kanäle, wie auch über die Warnapp BIWAPP und über den Hörfunk verbreitet“, so Rühl, der zur heutigen Situation mit Eisglätte ein weiteres Statement im Laufe des Freitages angekündigt hat. Auch der Busverkehr leidet unter den Witterungsverhältnissen. Die Busfahrer im Landkreis Cloppenburg sind stinksauer. Am Busbahnhof in Friesoythe sind zahlreiche Busse gestrandet, deren Fahrer die Weiterfahrt für zu gefährlich halten. „Der Landkreis muss da doch viel schneller reagieren“, sagt einer von ihnen, der mit drei Kollegen in einem Gelenkbus wartet. „Andere schaffen es ja auch.“Bei Möglichkeit zu Hause bleiben
Deutlich erhöhtes Patienten-Aufkommen
Schule im Landkreis Cloppenburg findet statt
Eingeschränkter ÖPNV
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