Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Ex-Bürgermeister Muhle sicher: "Holdorf ist für die Zukunft bestens aufgestellt"

Beim 25. Neujahrsempfang erinnert sich der frühere Verwaltungschef an die Anfänge dieser Veranstaltung. Sein Nachfolger, Dr. Wolfgang Krug, präsentierte derweil einmal mehr einige Rekordzahlen.

Artikel teilen:
Blickte zurück: Festredner Gerd Muhle erzählte, wie die Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und Gewerbetreibenden intensiviert wurde. Dr. Wolfgang Krug hörte interessiert zu. Foto: Böckmann

Blickte zurück: Festredner Gerd Muhle erzählte, wie die Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und Gewerbetreibenden intensiviert wurde. Dr. Wolfgang Krug hörte interessiert zu. Foto: Böckmann

Der Bürgermeister gibt einen Rück- und Ausblick, ein Festredner hält einen Vortrag, dazu gibt es leckeres Essen und den Austausch unter den Gästen: Der Neujahrsempfang für die Gewerbetreibenden in Holdorf ist mittlerweile eine feste Institution. Am Montagabend hatte die Gemeinde zum 25. Mal zu ihrer Veranstaltung in das Hotel-Restaurant "Zur Post" eingeladen. Und wer wäre da als Festredner nicht besser geeignet gewesen als – genau – Gerd Muhle?

Denn der frühere Gemeindedirektor (Februar 1993 bis Oktober 2001) und erste hauptamtliche Bürgermeister (November 2001 bis Dezember 2003) hatte den 1. Neujahrsempfang 1997 zusammen mit dem Unternehmer Jürgen Rohn als Sprecher des Industriestammtisches und dem ehrenamtlichen Bürgermeister Bernard Echtermann ins Leben gerufen. Also erinnerte Gerd Muhle die 150 Gäste, darunter neben den Gewerbetreibenden auch weitere Gäste aus Politik und Gesellschaft, daran, wie die Zusammenarbeit zwischen der Verwaltung und den Unternehmen überhaupt intensiviert wurde.

Regelmäßiger Austausch mit Gewerbetreibenden seit 1993

Den regelmäßigen Austausch zwischen den beiden Akteuren gibt es nämlich erst seit 1993, sagte Gerd Muhle. Damals gründete sich der Industriestammtisch. Hintergrund waren die Planungen der Gemeinde, an der Fallenriede, also mitten im damaligen neuen Industriegebiet, ein Flüchtlingswohnheim zu errichten. Die Unternehmer fanden den Standort an der Industriestraße/Am Harpendorfer Weg, also dort, wo die Firma Gerwing jetzt ihrer Büroräume hat, besser. Dazu kam es schließlich auch. 

Am Treffen des Industriestammtisches nahm damals auch die Verwaltung teil (und tut es auch noch heute). Die Gespräche zwischen Unternehmer und Verwaltung wurden verstärkt, es gab auch ein Treffen im Rathaus mit "äußerst positiven Rückmeldungen" (Muhle). Weshalb sich die Verwaltung fragte, ob diese Art der Information und Kommunikation nicht etwas für alle Gewerbetreibenden sein könne. Gefragt, gesagt, getan.

Eine Veranstaltung "sollte allen Unternehmern die Möglichkeit geben, sich über aktuelle Entwicklungen, Vorhaben und Planungen der Gemeinde zu informieren, aber auch die Gelegenheit bieten, sich dazu zu äußern und Fragen zu stellen", erinnert sich Muhle. So wurde der Neujahrsempfang geboren. Für den heutigen Dammer ist er "eine Erfolgsgeschichte".

"2023 hat das Potenzial für ein Super-Streitjahr."Gerd Muhle

Die Anfänge sind nun mehr als 2,5 Jahrzehnte her. Doch die Aufgaben für die Kommunen sind seit 1997 nicht weniger herausfordernd, findet Gerd Muhle. 2023 habe wegen der gewaltigen Herausforderungen (Ukraine-Krieg, Energiekrise, Flüchtlingskrise, Wirtschaftskrise) "das Potenzial für ein Super-Streitjahr" – auch wegen der Spaltungstendenzen im Land, der zunehmenden Radikalisierung und der Besserwisser in sozialen Medien oder Leserbriefen. 

"Demokratie geht nicht ohne Streit und nicht ohne Konflikte", meint Gerd Muhle, "aber auch nicht ohne Zusammenhalt. In der Familie, in der Gesellschaft, in der Politik und in der Wirtschaft. Zusammenhalt ist das Ergebnis von Menschen, von Empathie, von Verantwortung und, ja, auch von Nächstenliebe." Beim Blick auf seine ehemalige Heimatgemeinde sei ihm aber nicht bange.

Denn sie verfüge mit dem Industriestammtisch, dem Wirtschaftsforum und dem Neujahrsempfang über ein Netzwerk, "wo Wirtschaft, Politik und Verwaltung zusammenkommen, vertrauensvoll zusammenarbeiten und wo über die Zukunft der Gemeinde Holdorf nicht nur gesprochen, sondern auch produktiv gestritten werden kann". Muhle erlebe in Holdorf den Zusammenhalt, "den wir in ganz Deutschland so dringend brauchen und den Sie sich hier in Holdorf unbedingt bewahren sollten". Daher konstatierte der Ex-Verwaltungschef: "Die Gemeinde Holdorf ist für die Zukunft bestens aufgestellt."

Holdorf hat so viele Einwohner wie nie zuvor

Diese Aussage griff indirekt dann auch Dr. Wolfgang Krug auf. Denn in seinem exakt 89 Minuten langen Vortrag präsentierte der Bürgermeister – wie gewohnt – launig allerlei Wissenswertes aus dem Gemeindeleben – natürlich garniert mit einigen statistischen Rekorden. "Die Gemeinde Holdorf ist nach der Pandemie und mit 195 Jahren lebendig wie nie zuvor", sagte Krug.

Die Einwohnerzahl hat zum Ende 2022 abermals einen neuen Rekordwert erreicht. 7672 Menschen haben ihren Erstwohnsitz in der Südkreiskommune. Das sind 150 mehr als noch 2021 (7512) und 1000 Bürger mehr als zum Beispiel 2013 (6617) – trotz rückläufiger Geburten und steigender Sterbefälle. Doch das Wanderungssaldo kompensierte dieses Defizit.

Holdorfs Altersdurchschnitt sinkt seit Jahren

Der Altersdurchschnitt der Holdorfer Bevölkerung liegt übrigens bei 41,1 Jahren – und damit unter den Vergleichsdaten von Landkreis, Land und Bund. Was Krug mit Freude registrierte. Denn vor rund 10 Jahren stand Holdorf noch am Ende der landkreisinternen Skala. Weshalb ein Demografie-Forscher die Gemeinde gewarnt hatte, sie könne mit zunehmender Alterung unattraktiv für Zuzüge und Unternehmen werden.

Was mit Blick auf die wirtschaftlichen Kenndaten nicht eingetreten ist. Im Gegenteil. Denn die Holdorfer Wirtschaft brummt und präsentiert weiterhin Rekordzahlen. Die Gemeinde nahm 2022 Gewerbesteuereinnahmen in Höhe von 7,33 Millionen Euro. Es gab Ende des vergangenen Jahres 3368 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte (plus 108), außerdem haben 745 Gewerbebetriebe (plus 24) ihren Sitz in Holdorf. Für 2023 plant die Gemeinde mit Investitionen von 9,2 Millionen Euro. Die meisten Gelder fließen in die Infrastruktur – nämlich in die Bildungseinrichtungen und die Industriestraße.

Sie kennen sich in Holdorf bestens aus: (von links) Bürgermeister Dr. Wolfgang Krug, Ex-Bürgermeister Gerd Muhle, der frühere ehrenamtliche Bürgermeister Bernard Echtermann, Ratsvorsitzender Mario Stickfort und Wirtschaftsförderer Thomas gr. Schlarmann. Foto: BöckmannSie kennen sich in Holdorf bestens aus: (von links) Bürgermeister Dr. Wolfgang Krug, Ex-Bürgermeister Gerd Muhle, der frühere ehrenamtliche Bürgermeister Bernard Echtermann, Ratsvorsitzender Mario Stickfort und Wirtschaftsförderer Thomas gr. Schlarmann. Foto: Böckmann

Es gibt allerdings nicht nur neue Rekordwerte. Die Zahl der Bauanträge ist 2022 auf 71 gesunken (minus 33). Grundstücke wurden nur 10 verkauft (minus 12). Der Schuldenstand ist auf 6,24 Millionen Euro gesunken, was einer Pro-Kopf-Verschuldung von 814 Euro entspricht. Dafür ist wiederum das Eigenkapital der Gemeinde hoch.

  • Info: Die Einwohnerversammlung findet am Mittwoch (18. Januar) ab 19 Uhr im Hotel-Restaurant „Zur Post“ statt. Bürgermeister Dr. Wolfgang Krug berichtet dann erneut über Zahlen, Daten, Fakten, Bemerkenswertes und Wissenswertes aus dem Gemeindeleben.

So verpassen sie nichts mehr. Mit unseren kostenlosen Newslettern informieren wir Sie über das Wichtigste aus dem Oldenburger Münsterland. Jetzt einfach für einen Newsletter anmelden!

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Ex-Bürgermeister Muhle sicher: "Holdorf ist für die Zukunft bestens aufgestellt" - OM online