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Ermittlern gelingt empfindlicher Schlag gegen falsche Polizeibeamte

Die Drahtzieher selbst sind weiter auf freiem Fuß. Aber: Bei der groß angelegten Aktion wurden mehrere Männer festgenommen, die als Geldboten die Betrügereien vollendet haben sollen.

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Symbolfoto: dpa

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Sie tauchen immer wieder in den Polizeiberichten auf: Betrüger, die sich am Telefon als Beamte ausgeben, um den Opfern Geld und Wertgegenstände abzunehmen. Ermittlern der Staatsanwaltschaft Osnabrück und der Polizei Osnabrück ist nun offenbar ein empfindlicher Schlag gelungen. Der richtet sich zwar nicht direkt gegen die Drahtzieher, sondern gegen die sogenannte „Abholer-Zelle“. Damit gemeint sind die Komplizen, die den Betrug damit vollenden, indem sie die Beute abholen und damit verschwinden.

Bei einer groß angelegten Aktion in Ostfriesland wurden am Mittwoch mehrere Verdächtige festgenommen. Das berichtet die Staatsanwaltschaft Osnabrück am Mittwochnachmittag. Ein 27-jähriger Mann wurde in Emden wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen und bandenmäßigen Betrugs verhaftet und dem Haftrichter vorgeführt. Die Fahndung nach einem weiteren 25-jährigen Verdächtigen läuft noch. Ein anderer Verdächtiger versuchte, durch einen Sprung aus einem Fenster zu flüchten, wurde jedoch vorläufig festgenommen.

Derzeit können elf Betrugsfälle zugeordnet werden – es dürften deutlich mehr sein

Die betroffene „Abholer-Zelle“ soll für mindestens elf Betrugsfälle in Niedersachsen verantwortlich sein, darunter in Osnabrück, Sögel, Hannover und Oldenburg. Der Gesamtschaden beläuft sich auf rund 180.000 Euro. In einem Fall in Moormerland legte eine über 85-jährige Frau Schmuck im Wert von 100.000 Euro vor ihre Haustür, den die Betrüger abholten. In einem anderen Fall in Blomberg wurde eine 84-jährige Frau dazu gebracht, Bargeld und Wertgegenstände im Wert von 2000 Euro in einen Kochtopf zu legen und vor die Tür zu stellen.

An der Aktion waren über 50 Polizeibeamte, Polizeihunde und Festnahmeeinheiten beteiligt. Es wurden fünf Wohnungen in Südbrookmerland und Emden durchsucht. Dabei sicherten die Beamten elektronische Datenträger, Bargeld, Schmuck und weitere Beweismittel. Auch ein Schlagring, ein Faustmesser und eine Pistole wurden beschlagnahmt. Die Ermittlungen dauern an, um herauszufinden, ob die Gruppe für weitere Taten in Niedersachsen verantwortlich ist.

Deshalb ist es so schwer, an die Drahtzieher heranzukommen

An die Drahtzieher der Betrugsmasche heranzukommen, gestaltet sich indes schwer. Denn die Anrufe, mit denen die angeblichen Polizeibeamten den Erstkontakt mit den Opfern knüpfen, erfolgen oft durch Callcenter, die sich im Ausland befinden. Diese Callcenter-Agenten versuchen, die Angerufenen mittels einer Legende davon zu überzeugen, dass ihr Geld beziehungsweise ihre Wertgegenstände durch Diebe oder Einbrecher bedroht sind. Das schützenswerte Eigentum solle an vermeintliche Polizeibeamte ausgehändigt werden, um sie angeblich zu sichern. Gelingt es den Anrufern, die Geschädigten zur Herausgabe von Vermögensgegenständen zu veranlassen, werden Abholer aktiviert, um die Beute entgegenzunehmen und deren Transport ins Ausland sicherzustellen.

Die Folgen der Taten für die betroffenen älteren Menschen sind häufig gravierend. Sie verlieren nicht nur erhebliche Geldbeträge und Wertgegenstände, sondern werden von den Anrufern häufig über mehrere Stunden oder sogar Tage unter Druck gesetzt und überwacht. Viele Betroffene leiden daher auch später noch unter Angstzuständen oder anderen psychischen Belastungen, berichtet die Staatsanwaltschaft.

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