Pfarrer em. Heinz-Werner Bittner feiert am Samstag in Visbek sein Goldenes Priesterjubiläum. Im Gespräch mit der OV blickt der 76-Jährige auf seine Anfänge als Kaplan in der Gemeinde zurück.
Das „Dranklicken“ war erfolgreich: Pfarrer em. Heinz-Werner Bittner fühlt sich in Visbek Zuhause. Foto: Ferber
Wie werden Sie Ihr Goldenes Priesterjubiläum am Samstag feiern? Coronabedingt sicher anders als ursprünglich vorgesehen.
Es gibt einen Festgottesdienst ab 17.30 Uhr in St. Vitus. Eigentlich war alles größer geplant mit Kaffeetafel, Empfang und Abendessen mit dem Pfarrhausteam, Bekannten und Verwandten. Das fällt alles aus. Jetzt treffen wir uns abends im kleinen Kreis und feiern.
Ein Goldenes Priesterjubiläum bietet Gelegenheit für den einen oder anderen Rückblick – auch auf Ihre Anfänge als Kaplan 1970 in Visbek.
Ja, ich erinnere mich unter anderem an eine besondere Aufgabe. In der Zeit war ich für zwei Jahre Seelsorger in der Frauenhaftanstalt in Vechta, als junger Kaplan, ohne irgendeine Vorbereitung. Ein "Witz". Meine Kollegen waren flotter und hatten sich etwas anderes ausgesucht. Ich musste einmal in der Woche zur Bibelstunde hin und alle 14 Tage sonntagmittags Gottesdienst feiern. Die Frauen haben mir aber nichts getan (lacht).
Nach zahlreichen Stationen schloss sich 2013 der Kreis und Sie sind als Pfarrer em. in die Gemeinde Visbek zurückgekehrt. Warum?
Ich sage immer, es war eine "Rückkehr zur ersten Liebe". Ich konnte mir aussuchen, wo ich als Ruheständler hinwollte. Wenn man 70 Jahre alt ist, soll irgendwo neu anfangen und ist dort ganz fremd, fällt das schwer. Visbek war eine schöne Stelle, ich kannte die Gemeinde, wusste, dass hier noch Leben ist und dachte, da kannst du dich "dranklicken". Der damalige Weihbischof Heinrich Timmerevers war sofort einverstanden.
Als Kleinster musste der frisch geweihte Priester Bittner in die erste Fotoreihe. Er ist der Dritte von links. Foto: privat
Und Pastor Hermann Josef Lücker offenbar auch. Wie ist das Verhältnis?
Sehr gut, ich bin aber auch kein Streithammel. Ich kann gut einstecken und wenig austeilen. Ich habe noch keine Sekunde bereut, diesen Schritt nach Visbek gemacht zu haben. Seit 1982 habe ich eine Haushälterin, Elisabeth Riesenbeck aus Bokern, die mit mir immer umgezogen ist. Sie wollte erst gar nicht nach Visbek, aber jetzt fühlt sie sich hier auch sehr wohl.
Wie sind Sie ins Pfarrteam der Kirchengemeinde St. Vitus eingebunden?
Ich begleite Gottesdienste, predige, mache Beerdigungen, Geburtstags- und Krankenbesuche, Bibelgespräche und in der letzten Zeit, schon vor Corona, intensiver die Betreuung der Senioren. Dazu gehört auch die Begleitung unserer Seniorenreisen und Ausflüge. Die sind immer in Nullkommanix ausgebucht, da brauchen wir gar nicht viel Werbung zu machen. Wir haben zum Beispiel schon eine Donaukreuzfahrt gemacht oder waren auf Usedom.
Die "Fremde" ist Ihnen ja ohnehin nicht fremd.
Katholisches Leben habe ich eigentlich nur ganz selten erlebt. Ich habe praktisch immer in der Diaspora gearbeitet, bis auf meine Stellen in Visbek und Lastrup. Von daher habe ich keine Berührungsängste mit evangelischen Christen. Ich habe auch nie zu spüren bekommen, dass man uns gehänselt hätte als Katholiken.
Warum sind Sie überhaupt Pfarrer geworden? War es Fügung, gab es ein Vorbild?
Für mich war eigentlich immer klar, ich werde Pfarrer. Auch wenn es erst gar nicht danach aussah. Ich war sechs Jahre auf der Volksschule und ans Gymnasium war nicht zu denken. Dann hat ein Kaplan meinen Vater überredet und gesagt, "den Jungen kannst du nicht auf der Volksschule verschmoren lassen", der gehört aufs Gymnasium. Dort war selbstverständlich, dass ich als zweite Fremdsprache Latein genommen habe. Und ich hatte immer Spaß am Gottesdienst, bin Messdiener gewesen.
Wenn Sie zurückschauen, wie hat sich die katholische Kirche seit Ihren Anfängen verändert?
Wenn ich an meine Kinder- und Jugendzeit denke, wurde uns immer das Bild eines bösen, strafenden Gottes vermittelt. "Ein Auge ist, was alles sieht, auch was in dunkler Nacht geschieht." Gott war jemand, vor dem man Angst haben musste. Da habe ich mir zum Prinzip gemacht: Diese Höllenpredigten kommen dir nicht über die Lippen. Ich habe immer versucht, vom barmherzigen Gott zu reden.
Und wo sehen Sie in Zukunft die Herausforderungen der Kirche?
Was mir Sorgen macht ist, dass sich in Deutschland nicht mal mehr 50 Prozent der Menschen zum christlichen Glauben bekennen. Da frage ich mich, wie verändert sich unsere Gesellschaft insgesamt? Wenn 250.000 Menschen in einem Jahr aus der Kirche austreten, ist das schon bitter.
Welchen persönlichen Herausforderungen haben Sie sich in der Gemeinde Visbek gestellt?
Ich habe Plattdeutsch gelernt.
Wie gut sprechen Sie?
Man kann mich nicht verarschen, ohne dass ich es merke (lacht).
Zur Person
Name: Heinz-Werner Bittner
Alter: 76
Geboren: 1943 in Habelschwerdt (Grafschaft Glatz) in Schlesien, aufgewachsen ab 1946 in Nordenham (Landkreis Wesermarsch)
Werdegang: Abitur, ab 1964 Theologie-Studium in Münster und Freiburg, 1969 Diakonatsweihe in St. Marien Brake, Priesterweihe am 11. Juli 1970 in Münster von Bischof Heinrich Tenhumberg
Priesterstationen: ab August 1970 Kaplan in Visbek (unter anderem als Präses von Landjugend und Kolping), 1973 bis 1977 in Lastrup, 1977 bis 1982 in der Pfarrgemeinde St. Willehad in Oldenburg, 1982 bis 1996 Pfarrer in Lemwerder (Wesermarsch), 1996 bis 2012 Pfarrer in Ahlhorn/Großenkneten, danach Ruhestand und 2013 Rückkehr als Pfarrer em. nach Visbek
Bibelspruch zur Priesterweihe 1970: „Wenn durchs Wasser du ziehst/bin ich mit dir/durch die Ströme/sie überfluten dich nicht/denn ich bin dein Gott/der Heilige Israel ist dein Befreier.“ (Is 43).
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