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Emsteker Organist ist Herr über 1726 Pfeifen und 24 Register

Landesmusikräte aus zwölf Bundesländern haben die Orgel zum Musikinstrument 2021 gewählt. Die Entscheidung fiel zu Recht, findet der in Vechta lebende Emsteker Organist Thorsten Meyer.

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In seinem Element: Thorsten Meyer hat schon als Teenager an der Orgel gesessen. Foto: Thomas Vorwerk

In seinem Element: Thorsten Meyer hat schon als Teenager an der Orgel gesessen. Foto: Thomas Vorwerk

Organisten sind in dieser Zeit dankbare Musiker. „Wir können immerhin noch vor Publikum spielen“, sagt Thorsten Meyer. Und dies am „Instrument des Jahres 2021“. Die Landesmusikräte von zwölf Bundesländern haben diese Wahl getroffen und die Entscheidung fiel zu Recht, wie der Emsteker Organist findet. Schließlich hat sogar die UNESCO die Orgelmusik und den Orgelbau als Immaterielles Kulturerbe anerkannt.

Für den Laien ist es unvorstellbar, wie man ein Instrument mit zahlreichen Registern, hunderten Pfeifen, zwei Manualen und Pedal beherrschen kann. Übung macht auch in diesem Fall den Meister und Meyer ist bereits in jungen Jahren ans Klavier herangeführt worden. „Meinen Eltern war es wichtig, dass ihre Kinder ein Instrument erlernen und so haben meine drei Geschwister und ich Klavierunterricht bekommen. Für meinen Bruder und mich gab es später dann auch Stunden an der Orgel.“

Das Instrument verlang dem Organisten viel ab

Leidenschaft muss man schon mitbringen und das Wort „Leiden“ ist nicht ohne Grund Teil des Begriffs. Viel Übungsfleiß und frühes Aufstehen, wenn die erste Messe am Sonntag begleitet wird. Und in Meyers Fall sogar der Verzicht auf die Abschlussfahrt seines Abiturjahrgangs nach Prag, weil genau in diese Zeit die Abschlussprüfung fiel. Gerade in der Anfangsphase ist eine hohe Frustrationstoleranz gefragt.

Foto: Thomas VorwerkFoto: Thomas Vorwerk

Den Unterricht gab es zumeist in der Emsteker Pfarrkirche oder später auch in St. Josef, Cloppenburg. „Das war toll, weil diese Orgel für hiesige Verhältnisse recht groß ist.“ Dort hat er auch seinen ersten Auftritt vor Publikum gehabt, denn als Schüler der Liebfrauenschule durfte er die Schulgottesdienste begleiten.

Was die Musikrichtungen und Komponisten betrifft, war man damals – Mitte der 90er Jahre – stark dem Musiklehrer ausgeliefert. Allenfalls in seinem Studium in Osnabrück und München gab es Musikalienhändler mit entsprechendem Fachmaterial. „Heute gibt es unzählige Inspirationen im Internet. Auf Youtube werden die Stücke präsentiert und es gibt regelrechte Nerds, die ihre Orgeln dort bis ins Detail vorstellen. Wenn man dafür Interesse hat, ist das hoch interessant.“

Spektrum reicht von höchsten Tönen bis zu tiefsten Klängen

Die digitalen Möglichkeiten alleine sorgen aber noch nicht für einen großen Ansturm an Nachwuchsmusikern, obwohl die C-Prüfung als Kirchenmusiker quasi vor der Haustür gemacht werden kann. Das Offizialat in Vechta bietet in Zusammenarbeit mit der dortigen Universität das Studium über vier Semester an. „In Emstek wüsste ich momentan aber niemanden, der dies macht.“

Dabei gebe es viele gute Gründe, die „Königin der Instrumente“ zu erlernen. „Die Orgel ist ein äußerst vielfältiges Instrument mit zahlreichen Klangfarben und Registern. Die Pfeifen sind aus Holz und aus Metall und in Emstek steckt auch sehr viel handwerkliche Technik dahinter, weil es eine vollmechanische Orgel ist.“ Kein anderes Instrument hat eine derartige Bandbreite, die von kaum wahrnehmbaren höchsten Tönen bis zu den tiefen Klängen der 16 Fuß langen Pfeifen reicht. Fuß ist ein altes und heute noch im Orgelbau gültiges Längenmaß. Ein Fuß entspricht circa 30 Zentimeter.

Orgel klingt an jeder Stelle der Kirche anders

Und jede Orgel ist individuell auf den jeweiligen Raum abgestimmt. „Je nachdem, wo man in der Kirche steht, klingt sie anders. Das haben auch jüngst bei der Generalüberholung die Orgelbauer festgestellt.“ Wie unterschiedlich die Instrumente sind, das erlebt Meyer auch immer bei seinen Gastspielen. In der Region hat er so gut wie in jedem katholischen Gotteshaus bereits an den Manualen gesessen und auf Reisen auch schon mal bei den evangelischen Kollegen, wie einst auf einer Radtour, die ihn und einige Freunde nach Varrel im Landkreis Diepholz führte.

Orgel in Notre-Dame wird nach Brand gereinigt 

Wünsche gibt es aber noch einige. „Ich habe noch nie an einer schönen französischen Orgel gesessen, wie einer Cavaillé-Coll“, schwärmt der 45-Jährige vom Orgelbaumeister Aristide Cavaillé-Coll aus Montpellier. Der hat unter anderem die Orgel von Notre-Dame in Paris erbaut, die nach dem Brand 2019 grundlegend gereinigt werden muss und bis 2024 restauriert sein soll.

Dort spielen zu dürfen, wird sich aber wahrscheinlich schwierig gestalten. Die 24 Register und 1726 Pfeifen in Emstek werden dem Studiendirektor also vorerst reichen müssen. Sehr zur Freude der Kirchenbesucher, die trotz Corona Woche für Woche Live-Musik zu hören bekommen.

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