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Eltern wehren sich gegen Umzug der Grundschulen

Die Vechtaer Stadtverwaltung will die Martin-Luther-Schule und die Alexanderschule während der Bauarbeiten schließen. Statt Container sind anderweitige Ausweichstandorte vorgesehen

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Zentralisierter Schulbetrieb: Die Kinder der Martin-Luther-Schule und der Alexanderschule sollen vorübergehend den Standort wechseln. In den Gebäuden der Liobaschule und im D-Trakt der Geschwister-Scholl-Oberschule stünden ausreichend Kapazitäten zur Verfügung. Skizze: Stadt Vechta

Zentralisierter Schulbetrieb: Die Kinder der Martin-Luther-Schule und der Alexanderschule sollen vorübergehend den Standort wechseln. In den Gebäuden der Liobaschule und im D-Trakt der Geschwister-Scholl-Oberschule stünden ausreichend Kapazitäten zur Verfügung. Skizze: Stadt Vechta

Die Stadt Vechta will mehr als 5 Millionen Euro in die Hand nehmen, um die Erweiterungs- und Sanierungspläne in der Martin-Luther-Schule und der Alexanderschule umzusetzen. An der Notwendigkeit der Maßnahmen bestehen in Verwaltung und Politik keine Zweifel, doch es regt sich massiver Widerstand. Bei Eltern stößt die beabsichtigte Vorgehensweise auf Kritik. Sie haben große Bedenken bei einer vorübergehenden Unterbringung der Grundschüler an anderen Schulstandorten während der Bauphase.

"Das, was die Stadt Vechta da plant, ist ein großer Affront gegen die Elternschaft", sagt Sandra Nortmann. Ihr Kind wäre von den Plänen direkt betroffen und müsste sich – wie insgesamt etwa 300 Jungen und Mädchen aus beiden Schulen – auf gravierende Veränderungen ab dem neuen Schuljahr einstellen. Darum kommt die besorgte Elternvertreterin der Klasse 2b an der Alexanderschule Vechta zu dem Schluss: "Der Umzug ist eine rücksichtslose Hauruck-Aktion."

Verlagerung ist schon für den Sommer geplant

Die Stadtverwaltung hat bereits in der jüngsten Sitzung des Schulausschusses durchblicken lassen, wie sie sich in Zusammenarbeit mit dem beauftragten Architekturbüro die Bauabläufe für die Projekte vorstellt. Sie favorisiert einen vorübergehenden Umzug der betroffenen Grundschulen im Stadtgebiet. Lehrer und Kinder sollen bereits ab dem Sommer in mehreren Gebäuden der Liobaschule und der Geschwister-Scholl-Oberschule untergebracht werden.

"Dort sind ausreichend freie Kapazitäten vorhanden, es können sehr gute Lernbedingungen geschaffen werden", teilt Pressesprecher Volker Kläne mit. Voraussichtlich würde die Bauzeit auf dem Gelände der Alexanderschule und der Martin-Luther-Schule bei dieser Variante anderthalb Jahre betragen, sodass die Betroffenen schon im Winter 2022/23 an ihre fertig sanierten und erneuerten Standorte zurückziehen könnten.

Die Alternative wäre, dass die Schulen am Standort bleiben und die Baurbeiten in mehreren Etappen stattfinden. In diesem Fall würde der Unterricht zum Großteil in Containern erfolgen, wie die Verwaltung erläutert: "Die Bauarbeiten würden den Unterricht beeinträchtigen. Die erforderliche Absicherung des Baufeldes und die Unterrichts-Container würden einen Großteil des Pausenhofes einnehmen. Die Bauzeit würde sich um mindestens ein weiteres Jahr verlängern."

Bauzeit und Container verursachen Mehrausgaben

Der finanzielle Aspekt könne insbesondere in Corona-Zeiten ebenfalls nicht außer Acht gelassen werden, so die Verwaltung weiter. Eine Verlängerung der Bauzeit sowie die Anmietung von Containern würde Mehrausgaben in Höhe von etwa 440.000 Euro verursachen. Eingerechnet seien hier schon die Kosten für einen möglichen Umzug an den alternativen Schulstandort sowie Ausstattungs- und Sanierungskosten.

Die Klassen- und Fachräume der Liobaschule sowie der ehemalige D-Trakt der Geschwister-Scholl-Oberschule würde die Stadt technisch aufrüsten, ihnen einen frischen Anstrich verleihen, Böden und Fenster gegebenenfalls erneuern und sämtliche Klassenräume mit W-Lan und interaktiven Displays ausstatten. Diese Hardware stünde nach Abschluss der Baumaßnahmen weiter zur Verfügung.

Der Schulhof würde von der Oberschule räumlich getrennt, sodass keine Begegnung zwischen Grund- und Oberschülern möglich wäre. Toiletten sind in der Liobaschule vorhanden, hinzu käme ein Toilettencontainer für den D-Trakt. Sport- und Schwimmhalle stünden vor Ort zur Verfügung, dazu wäre in Abstimmung mit der Universität Vechta eine Nutzung des Leichtathletik- und Fußballbereichs möglich.

Eltern fordern Verschiebung der Baumaßnahme

Über die Vor- und Nachteile der beiden Alternativen hat die Stadtverwaltung die Schulvertreter in der vergangenen Woche in 2  Videokonferenzen informiert. Die Lehrerkollegien beider Schulen würden in einem Umzug die beste Alternative sehen, berichtet der Pressesprecher. Die Elternvertreter seien anderer Auffassung. Sie hätten eine Verschiebung der gesamten Baumaßnahme angeregt.

Nach Ansicht der Eltern sollten die Kinder wegen der Corona-Pandemie und den damit einhergehenden Einschränkungen in einem gewohnten Umfeld unterrichtet werden, anstatt zusätzliche Veränderungen hinnehmen zu müssen. So müssten sich die meisten Schüler auch auf einen neuen, teilweise längeren Schulweg einstellen, wenngleich die Stadt hier eine Anpassung der Beförderung in Aussicht stellt.

"Ich kann das Argument von Eltern nachvollziehen, dass ihre Kinder in der Pandemie nicht zur Ruhe kommen und dass manche mit dem neuen Schulweg und der Umgewöhnung ein Problem haben."Marion kleine Arkenau, Elternratsvorsitzende der Alexanderschule

"Ich kann das Argument von Eltern nachvollziehen, dass ihre Kinder in der Pandemie nicht zur Ruhe kommen und dass manche mit dem neuen Schulweg und der Umgewöhnung ein Problem haben", erklärt Marion kleine Arkenau, Elternratsvorsitzende der Alexanderschule, auf Anfrage. Sie habe aber auch Rückmeldungen von Eltern erhalten, die einen Umzug gut finden würden, weil sie nicht wollten, dass ihre Kinder auf einer Baustelle zur Schule gehen.

Womit die Elternvertreterin der Alexanderschule nicht einverstanden ist, ist die Informationspolitik der Stadtverwaltung bei diesem wichtigen Thema: "Man hätte uns früher ins Boot holen sollen, um die Dinge zu besprechen", sagt die Mutter. In der Videokonferenz sei der Eindruck entstanden, der Umzug sei schon beschlossen und die Container-Lösung nur halbherzig bedacht und vorgestellt worden.

Nachdem bereits vor den Osterferien eine Mitteilung durch die Schulleitung erfolgt ist, hat sich die Verwaltung in der vergangenen Woche in einem ausführlichen Schreiben an die Eltern gewandt. Darin werden die Bau- und Umzugspläne erläutert. Zudem wird darauf hingewiesen, dass sich die Betroffenen mit Fragen, Anregungen und Bedenken an die Verwaltung wenden können.

CDU fordert bessere Einbindung der Eltern

Der CDU-Stadtverband Vechta greift die Äußerungen aus der Elternschaft auf und fordert in einer Pressemitteilung, "dass Bürgermeister Kater schnellstmöglich alles Erforderliche in die Wege leitet, um die Eltern an den betroffenen Schulen besser einzubinden und umfassend zu informieren. Ebenso sollten Vorschläge aus der Elternschaft einer ernsthafteren Prüfung unterzogen werden."

Laut kleine Arkenau wollten sich die Elternvertreter sämtlicher Klassen beider Schulen am Montagabend in einer gemeinsamen Videokonferenz beraten. Das Ergebnis soll in einer Stellungnahme an die Stadt Vechta münden. An diesem Dienstag tagt der Verwaltungsausschuss und entscheidet abschließend über die Bauvorhaben an den beiden Grundschulen.

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