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Diese Triker fahren mit Herz gegen den Krebs

Die "Trike trifft Trike"-Fahrgemeinschaft aus ganz Deutschland kamen für eine Benefiz-Tour in den Nordwesten. Über 70 Fahrzeuge röhrten für krebskranke Patienten durch die Region.

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„Trike trifft Trike“-Gemeinschaft fuhr für „Auszeit für die Seele“, um Krebskranke zu unterstützen. Foto: Röttgers

„Trike trifft Trike“-Gemeinschaft fuhr für „Auszeit für die Seele“, um Krebskranke zu unterstützen. Foto: Röttgers

Da mussten Anita Kuijpers und August Vollmer aus Badbergen nicht lange überlegen, ob sie mit ihren Trikes „Gutes tun“ würden bei der Benefiz-Biker-Tour von „Auszeitseele“, um Krebspatienten zu unterstützen. „Das ist für uns eine Ehrensache!“, erklärte das Ehepaar unisono gegenüber OM-Online. „Wir fahren schon seit über 30 Jahren als „alte Säcke“ zusammen“, erklärte Vollmer die eingeschworene Gemeinschaft der dreirädrigen Motorradfahrer. Ihrem wohltätigen Aufruf zum Schützenhaus nach Badbergen folgten rund 150 Personen mit 70 Fahrzeugen praktisch aus dem ganzen Bundesgebiet.

Sie alle fuhren gemeinsam eine rund 70 Kilometer lange Tour durch die Samtgemeinde Artland. Im Konvoi ging es so von Badbergen über Nortrup, Ankum und Alfhausen schließlich nach Badbergen zurück. Überall war der 70 Fahrzeuge zählende lange Tross ein Hingucker, denn die Fahrer mit ihren standesgemäßen Kutten und die chromverzierten Fahrzeuge mit ihren teils dröhnenden Motoren sorgten allerorten für Aufsehen.

Markus Steffens war für die gemeinsame Ausfahrt auf seinem funkelnagelneuen „Mustang“ des Herstellers Boom aus dem Baujahr 2021 ganz aus Trier angereist. Mit 400 Kilometern hatte Steffens die weiteste Anfahrt. „Wir sind Genießer, keine Raser!“, erklärte Steffens, für den es „einfach ein Muss“ gewesen sei, dabei sein zu können. „Für uns ist es das Feeling beim Fahren, es ist sehr gemütlich. Uns kommt es nicht auf die hohen Geschwindigkeiten an, wir genießen die Ausfahrt und Landschaft“, gab Jost Habben Einblicke in die Triker-Gemeinschaft, bei der es „keine Chefs und Vorgesetzten“ gäbe.

Anita Kuijpers und August Vollmer luden zur wohltätigen Ausfahrt nach Badbergen ein, 70 Triker folgten ihrem Aufruf. Foto: RöttgersAnita Kuijpers und August Vollmer luden zur wohltätigen Ausfahrt nach Badbergen ein, 70 Triker folgten ihrem Aufruf. Foto: Röttgers

Bundesweite Gemeinschaft hat mehr als 4000 Mitglieder

Der selbständige Handelsvertreter und Versicherungsfachmann aus Rheine betreibt die Facebook-Seite „Trike trifft Trike“ und hält mit rund 4200 Gruppenmitgliedern damit die Fahrergemeinschaft bundesweit locker zusammen. Denn „Trike trifft Trike“ sei „eine eingeschworene Gemeinschaft – da ist der Name tatsächlich Programm!“, begeistert sich Habben. „Wer hat nicht auch Spaß daran, sich spontan mit Gleichgesinnten einer Region zu treffen oder sich auszutauschen? Wo sind die wirklich schönen Strecken? Wer kennt die besten Ausflugsziele? Welcher Triker-Treff ist für ein lockeres Beziehungsgespräch oder einen gemeinsamen Kaffee bestens geeignet. Kurz: Wann fährt wer wohin?“ – darüber informiere sein Auftritt in den Sozialen Medien.

Bei den bundesweit stattfindenden Benefiz-Touren werde pro teilnehmender Maschine um eine Startspende in Höhe von 20 Euro gebeten. Das Geld kommt Krebspatienten zu Gute. Die erste Benefiz-Tour dieses Jahres startete im April in Arnsberg, die bis zum bekannten Treffpunkt Geronimo am Möhnesee führte. Bis Oktober seien noch viele weitere Touren im gesamten deutschsprachigen Raum geplant.

Verein will Krebskranken eine Reise ermöglichen

Die Idee, Schwerstkranke wieder etwas glücklicher zu machen, kam Annemarie Hunecke, als sie im Wartezimmer beim Augenarzt saß. Die Rentnerin aus dem westfälischen Bönen, die jetzt in Altfunnixsiel in Ostfriesland wohnt, blätterte beim Warten in einer Zeitschrift und las einen Artikel über eine Initiative in Israel, die Ferienreisen für Krebskranke vermittele. „Warum gibt es so etwas nicht auch in Deutschland?“, fragte sich Hunecke, deren Vater im Jahre 1971 mit 51 Jahren an Zungenkrebs verstarb. Ihr erster Mann war später mit nur 56 Jahren an Leukämie gestorben. Zusätzlich pflegte Annemarie Hunecke fast 12 Jahre lang ihre im Wachkoma liegende Mutter im eigenen Haus. Im Dezember 2017 gründete sie den Verein „Auszeit für die Seele“, der seither europaweit im deutschsprachigen Raum Ferienwohnungen für Patienten vermittelt, die Vermieter kostenlos zur Verfügung stellen.

„Jemand, der Lungenkrebs hat, kann an der See endlich mal durchatmen“, erklärte die 69 Jahre alte Vorsitzende, die neben dem Verein gleich noch eine weitere Initiative ins Leben rief. Mit den Benefiz-Bikern organisieren sie und ihr zweiter Mann Reinhard Motorradfahrten, bei denen die Teilnehmer für „Auszeit für die Seele“ spenden. Jeder Biker spendet einen kleinen Beitrag, in der Regel sind das 20 Euro. Mit dem Erlös werden die Nebenkosten der Ferien für die Krebspatienten finanziert. Die „verrücktesten Vermieter“ stellten Hunecke für ihren Verein übrigens eine „fette Finca auf Mallorca“ oder sogar ein Gartenhaus in Thailand zur Verfügung. Bundesweit fahren bei den Benefiz-Biker-Touren für „Auszeit für die Seele“ sozial engagierte Biker, die teilweise Krebserkrankungen aus den eigenen Familien kennen.

Patienten, die eine solche „Auszeit für die Seele“ antreten möchten, oder Fahrgemeinschaften, die auch eine solche Benefiz-Fahrt ausrufen möchten, können sich mit dem Verein unter der Telefonnummer 04464 / 8699473 oder per Mail an vorstand@auszeitseele.de in Verbindung setzen.

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

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