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Die Werkstatt des Andreaswerks feiert 50-jähriges Bestehen

Mehr als 800 Menschen mit Beeinträchtigungen und 150 Mitarbeitende sind an mehreren Standorten der Einrichtung im Landkreis Vechta tätig.

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2003 im Herzen Vechtas eröffnet: Die Manufaktur wurde zuletzt 2020/2021 erweitert. Foto: Andreaswerk

2003 im Herzen Vechtas eröffnet: Die Manufaktur wurde zuletzt 2020/2021 erweitert. Foto: Andreaswerk

In der Tischlerei fliegen die Späne, aus der Industriemontage ist das Dröhnen großer Maschinen zu hören und in der Bäckerei duftet es nach frisch gebackenen Keksen: Arbeitsalltag in den Werkstätten des Andreaswerkes. Und doch liegt hier in diesen Tagen laut einer Pressemitteilung auch eine ganz besondere Stimmung in der Luft. Kein Wunder, schließlich feierte der Geschäftsbereich Werkstatt 2024 sein 50-jähriges Bestehen – unter anderem mit einer gemeinsamen Party auf dem Stoppelmarkt.

„Seit jetzt 50 Jahren ermöglicht die Werkstatt des Andreaswerkes Menschen mit Beeinträchtigungen, ihr Recht auf Arbeit wahrzunehmen“, betont der Vorstand des Andreaswerkes, bestehend aus Matthias Warnking und Dominik Fahlbusch. Zugleich fördere sie im Rahmen von Angeboten, wie der Manufaktur oder verschiedenen Außenarbeitsplätzen, und speziellen Aktionen, wie dem Kleinen Schützenfest oder der Teilnahme am „Schichtwechsel“, den Austausch und die Begegnung von Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen. Auf diese Weise, so die Vorstandsmitglieder, würden der Geschäftsbereich und seine Mitarbeitenden in besonderem Maße zur Erfüllung des wichtigsten Ziels des Andreaswerkes beitragen: die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigungen.

Wird von allen Menschen mit Beeinträchtigungen durchlaufen: der bereits 1979 eingeführte Berufsbildungsbereich (damals noch: Eingangs- und Arbeitstrainingsbereich). Foto: AndreaswerkWird von allen Menschen mit Beeinträchtigungen durchlaufen: der bereits 1979 eingeführte Berufsbildungsbereich (damals noch: Eingangs- und Arbeitstrainingsbereich). Foto: Andreaswerk

Gestartet war der inzwischen größte Geschäftsbereich des Andreaswerkes im Januar 1974 – 4 Jahre nach Gründung des Vereins – dabei in einem vergleichsweise kleinen Rahmen. Um den Schülerinnen und Schülern der bereits existierenden Tagesbildungsstätte eine berufliche Perspektive und weitere Förderung bieten zu können, nahm zunächst die Buchbinderei mit sieben Beschäftigten in einem umgebauten Bauernhaus an der Vechtaer Landwehrstraße die Arbeit auf. Nur wenige Monate später folgte ein zweiter Standort am Falkenweg. Ab Juli 1974 arbeiteten dort 30 Personen in den Bereichen Kleinteilmontage sowie Rupf- und Schleifarbeiten für zwei externe Auftraggeber.

Mit der Werkstatt Brägeler Ring in Lohne öffnete 1997 erstmals eine Werkstatt des Andreaswerkes außerhalb der Kreisstadt Vechta ihre Tore. Heute ist der Geschäftsbereich in drei Kommunen des Landkreises vertreten: mit der Werkstatt Landwehrstraße und der Werkstatt Am Sternbusch in Vechta, mit der Werkstatt an der Handorfer Straße in Steinfeld sowie mit den Werkstätten Brägeler Ring und Brägeler Forst, einer Fachwerkstatt speziell für psychisch kranke Menschen, in Lohne. Hinzu kommen die 2003 eröffnete Manufaktur und das 2019 in Lohne eingerichtete Werk A, ein niedrigschwelliges Beschäftigungsangebot für Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung.

Die Anzahl der im Andreaswerk beschäftigten Menschen mit Beeinträchtigungen wuchs in dieser Zeit von ursprünglich 37 auf rund 800. Tätig werden können sie in verschiedenen Arbeitsbereichen. Allen Beschäftigten einen Arbeitsplatz zu bieten, der ihren individuellen Fähigkeiten und Interessen bestmöglich entspricht – das ist eines der Ziele der Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) und ihrer rund 150 hauptamtlichen Mitarbeitenden.

„In der Werkstatt finden Menschen mit Beeinträchtigungen auf sie zugeschnittene Arbeitsplätze, aber auch persönliche wie berufliche Förderung“, erläutern die Geschäftsbereichsleiter Christine Gaschemann und Markus Ideler. Ein wichtiger Baustein der beruflichen Förderung ist der 27-monatige Berufsbildungsbereich, den alle Menschen mit Beeinträchtigungen in der Regel zu Beginn durchlaufen. Je nach Interesse lernen sie auf Grundlage von Qualifizierungsrahmenplänen Fähig- und Fertigkeiten in verschiedenen Bereichen.

Fachdienst unterstützt Wechsel auf den ersten Arbeitsmarkt

Bei einem Wechsel auf den ersten Arbeitsmarkt steht den Menschen mit Beeinträchtigungen der Fachdienst Qualifizierung und Vermittlung zur Seite. Dieser ist mit Qualifizierungen, Praktika, Außenarbeitsplätzen und Vermittlungen mit und ohne Förderung breit aufgestellt und vermittelt seit seiner Einführung im Jahr 2000 immer wieder mit Erfolg.

Ebenso erfolgreich entwickelte sich die Zusammenarbeit mit kleineren wie größeren regionalen Betrieben auf der Produktions- und Dienstleistungsebene. So können sich die Kooperationspartner aus Industrie und Gewerbe nicht zuletzt dank der Zertifizierung der Werkstätten des Andreaswerkes nach der DIN EN ISO 9001 auf einen hohen Qualitätsstandard verlassen. Ein weiterer Vorteil: Firmen, die dem Andreaswerk einen Auftrag erteilen, können auf diese Weise ihre Ausgleichsabgaben senken und dabei Arbeitsplätze für Menschen mit Beeinträchtigungen unterstützen und sichern.

Das sagen die Menschen mit Beeinträchtigung selbst über das Andreaswerk

Aber was sagen die Menschen mit Beeinträchtigungen selbst über ihre Arbeitsplätze und ihre Zeit im Andreaswerk? Als langjähriger Werkstattbeschäftigter hat Hans-Jürgen Dümeland viele Entwicklungen im Geschäftsbereich hautnah miterlebt – und konnte in diesem Jahr ebenfalls ein besonderes Jubiläum feiern. „Ich arbeite schon seit 1984, also 40 Jahre, in der Werkstatt“, berichtet er. Vor 25 Jahren wechselte er in die Gartenbauabteilung in Vechta. Besonders gefalle ihm dort die Abwechslung und die Arbeit an der frischen Luft, erzählt Hans-Jürgen Dümeland.

Fast ebenso lange dabei – und zufrieden mit ihrem Arbeitsplatz – ist Ute Rensen. „Seit 38 Jahren arbeite ich in der Werkstatt. Nach dem Berufsbildungsbereich bin ich direkt in der Wäscherei angefangen und seitdem in diesem Bereich tätig. Etwas anderes konnte ich mir nie vorstellen“, macht sie deutlich.

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