Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Der Arzt, dem die Visbeker seit 50 Jahren vertrauen

Dr. Bernward Wefer ließ sich 1972 mit seiner eigenen Praxis in Visbek nieder. Zwar hat er die vor Jahren an seinen Nachfolger übergeben – aktiv ist der Mediziner aber bis heute.

Artikel teilen:
Setzt sich seit fünf Jahrzehnten für Patienten ein: Dr. Bernward Wefer ist Allgemeinmediziner in Visbek. Foto: C. Meyer

Setzt sich seit fünf Jahrzehnten für Patienten ein: Dr. Bernward Wefer ist Allgemeinmediziner in Visbek. Foto: C. Meyer

Dieses Jahr soll auch irgendwann Schluss sein, sagt Dr. Bernward Wefer und lächelt. Dann möchte der 79-Jährige wirklich nicht mehr arbeiten. Seit 50 Jahren ist der Mediziner schon in Visbek tätig. Am 6. Januar 1972 ließ er sich mit seiner eigenen Praxis nieder – mit 29 Jahren einer der damals jüngsten niedergelassenen Ärzte in Niedersachsen.

Dass Dr. Wefer schon fast 80 Jahre alt ist, mag man kaum glauben. Noch weniger, dass er weit über das Renteneintrittsalter hinaus noch arbeitet. Doch wer sich mit ihm über seinen Beruf unterhält, merkt, dass er für diesen brennt. „Medizin ist mein Leben“, sagt er selbst. Diese Liebe zum Beruf habe ihn noch so lange arbeiten lassen, übt er sich in Erklärungsversuchen. Er habe sich einfach noch dazu in der Lage gefühlt, lässt er pragmatisch wissen. Außerdem habe er Tobias Wacker, an den er 2009 die Praxis übergeben hatte, noch unterstützen wollen.

Hohe Arbeitsbelastung in den Anfangsjahren

Für den Visbeker stand schon früh fest, dass er Arzt werden möchte. Vermutlich haben ihn seine Eltern geprägt, erzählt Wefer. Sein Vater war damals Mediziner in Visbek, seine Mutter sozial sehr engagiert. Die Schule war dabei lediglich Mittel zum Zweck, wie er verschmitzt durchblicken lässt. „Einfach nur durchkommen“, sei da die Devise gewesen. Das hat offenbar funktioniert. 1962 legte er sein Abitur in Vechta ab. Darauf folgte das Medizinstudium – mit Stationen in Saarbrücken, Kiel und Innsbruck. Eine Art Plan B hatte Wefer ebenfalls im Hinterkopf: „Wenn ich durch das Examen gefallen wäre, wäre ich Sportjournalist geworden“, gibt er zu.

Aus der Journalismus-Karriere wurde jedoch nichts. Nach seiner Facharzt-Ausbildung zum Allgemeinmediziner eröffnete er die Praxis seines Vaters, der 1970 starb, 1972 wieder. Damals sei Visbek medizinisch nicht gut versorgt gewesen, erinnert sich Bernward Wefer. Das Arbeitspensum für den jungen Mediziner war dementsprechend enorm.

Ein Ausschnitt eines damaligen Arbeitstags: Morgens um 6 Uhr hielt er die sogenannte Revierstunde beim Bundeswehr-Standort in Wildeshausen ab. „Es gab einen Mangel an Medizinern bei der Bundeswehr“, begründet Wefer den Umstand. Um 8 Uhr ging es daraufhin zur Visite im damaligen Visbeker Krankenhaus. Dort war er als Belegarzt tätig. Danach konnte er sich um seine Praxis kümmern, hielt Sprechstunden ab und erledigte Hausbesuche. Notfälle liefen ebenfalls bei dem Mediziner auf. Selbst zu Verkehrsunfällen musste er ausrücken. Einen organisierten Rettungsdienst wie heute habe es damals noch nicht gegeben.

An Motivation mangelt es nicht

Da stellt sich automatisch die Frage: Wann hat der Arzt mal geschlafen? Er lacht. „Man hat wenig geschlafen“, sagt Dr. Bernward Wefer. Für die Familie war das durchaus belastend. 1971 heiratete er seine Frau Barbara, die in der Praxis mitarbeitete. 1974 kam der erste Sohn auf die Welt, 1977 der zweite. Ihren Vater haben die Jungen damals nur wenig gesehen, gesteht Wefer. „Heute würde man wohl von chronischer Überforderung sprechen“, sagt der Mediziner rückblickend. Heutzutage sei das zum Glück viel geregelter.

Dennoch habe er nie ein Problem damit gehabt, sich jeden Tag aufs Neue zu motivieren, sagt Wefer. Er habe immer den Anspruch gehabt, alle zwei Jahre etwas Neues zu machen. So hat er beispielsweise einige Zusatzausbildungen absolviert: Sportmedizin, Akupunktur, Ernährungsmedizin sowie der Applied Kinesiology. Außerdem schätzt der Mediziner den Kontakt zu seinen Patientinnen und Patienten. Als Hausarzt sei Empathie wichtig, so Wefer. An seinen ersten Patienten könne er sich sogar noch erinnern. „Ein kleiner, rundlicher Mann um die 50“, beschreibt Dr. Bernward Wefer ihn. Der Mann sei schon Patient bei seinem Vater gewesen und blieb dem Sohn bis zum Tod treu.

Ausgeprägtes ehrenamtliches Engagement

In seiner Laufbahn hat der Visbeker viele Assistentinnen und Assistenten zu Allgemeinmedizinern ausgebildet. „Und wenn es passt, mache ich jemanden zum Partner“, war die Überlegung von Dr. Bernward Wefer. 2002 passte es dann, die Gemeinschaftspraxis startete mit Tobias Wacker, bis Wefer sie 2009 schließlich komplett seinem Nachfolger überließ. Mittlerweile arbeitet der 79-Jährige dienstags und donnerstags am Nachmittag in der Praxis mit. Zusätzlich hilft er aktuell an Sonder-Impftagen samstags mit.

Doch nicht nur hauptberuflich kümmert sich der Visbeker um seine Mitmenschen. So hat Dr. Bernward Wefer 1984 die Rettungswache der Malteser im Ort gegründet und die Rettungssanitäter ausgebildet. Von 2002 bis 2015 war er Diözesanarzt bei den Maltesern im Offizialatsbezirk Oldenburg. Er war 2011 Mitbegründer der Initiative Fokus Mensch und beteiligte sich 2015 bei der Entwicklung und Gründung von Malteser Medizin für Menschen ohne Krankenversicherung (MMM) in Oldenburg, dessen ärztliche Leitung er übernahm. Im selben Jahr gründete sich der Förderverein Haus St. Benedikt Visbek unter dem Vorsitzenden Dr. Bernward Wefer. Darüber hinaus war er langjähriger Vorsitzender des Ärztevereins Vechta sowie Vorstandsmitglied der Ärztekammer Bezirksstelle Oldenburg. Seit 1983 ist der Arzt zudem Mitglied des Rotary-Clubs Diepholz-Vechta.

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Der Arzt, dem die Visbeker seit 50 Jahren vertrauen - OM online