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Das Stoppelmarkt-Bier wird deutlich teurer

Das 0,2-Glas soll zwischen 2 und 2,50 Euro kosten. Einige Wirte wollen sogar eine neue 0,25-Liter-Variante anbieten.  Hier sollen dann sogar 3 Euro fällig werden. Das sorgt für heiße Diskussionen.

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Fassanstich zur Eröffnung: Spätestens wenn der Bürgermeister auf diese Weise den Stoppelmarkt eröffnet, werden auch die Preise für das helle Blonde bekannt gegeben. Archiv-Foto: M. Niehues

Fassanstich zur Eröffnung: Spätestens wenn der Bürgermeister auf diese Weise den Stoppelmarkt eröffnet, werden auch die Preise für das helle Blonde bekannt gegeben. Archiv-Foto: M. Niehues

Noch dauert es rund 7 Wochen, bis der Stoppelmarkt in Vechta endlich wieder beginnt. Nach 2 Jahren Pandemie-Unterbrechung ist der dann zu erwartende Bierpreis aber jetzt schon das Top-Gesprächsthema. Wird das frisch gezapfte Blonde sich genauso verteuern, wie derzeit alle Dinge des Lebens? Und wird sich der inflationsgebeutelte Besucher das Ausgeben von Runden im Freundeskreis dann noch leisten können, fragen sich viele Bürger der Kreisstadt. Der zu erwartende Bierpreis wurde jetzt selbst in Berlin unter den Gästen heiß diskutiert, als dort am vergangenen Wochenende die Stadt Vechta zum sogenannten kleinen Stoppelmarkt in die niedersächsische Landesvertretung eingeladen hatte.

Wenn in der Kreisstadt die 5. Jahreszeit gefeiert wird, steht der Genuss des Gerstensaftes im Mittelpunkt des Volksfestes. Dann wird während so viel Pils vertilgt, dass jede Nacht mit vielen Lkw-Ladungen unzählige neue Fässer in die Festzelte geschafft werden müssen. Und während beim Münchner Oktoberfestes jedes Jahr die Hektoliterzahlen des Bierkonsums bekannt gegeben werden, wird daraus in Vechta ein großes Geheimnis gemacht.

Getränkepreise 2019: Am Familientag gab es tagsüber auch solche Sonderangebote. Foto: M. NiehuesGetränkepreise 2019: Am Familientag gab es tagsüber auch solche Sonderangebote. Foto: M. Niehues

2019, beim letzten Stoppelmarkt vor der Pandemie, kratzte der Preis jedenfalls an der 2 Euro-Grenze fürs handliche 0,2 Liter-Glas. Die meisten Wirte verlangten 1,80 oder 1,90 Euro. Wer gleich 10 oder mehr Bier bestellte, erhielt bei einigen Anbietern ein Sonderangebot.

In diesem Jahr wollen Wirte bis zu 2,50 Euro für das Bier verlangen, bestätigen einige Zeltbetreiber. Im Gespräch steht zudem die Einführung eines 0,25 Liter-Glases, das dann möglicherweise sogar für 3 Euro verkauft werden soll. In der Öffentlichkeit werden diese Preise bereits als gesetzt betrachtet. Haben sich die Wirte tatsächlich darauf verständigt?

Wirte klagen über Kostensteigerungen von rund 30 Prozent

"Wir dürfen uns überhaupt nicht auf einen Preis verständigen", sagt Stefan Surmann aus Lutten als Betreiber des Zeltes Picker's . Einheitliche Preise seien nicht zu erwarten, erklärt das Vorstandsmitglied der Vereinigung der Stoppelmarktswirte. Das größte Problem, so berichtet er, seien die gestiegenen Kosten der Wirte. Die für das Personal seien um fast 40 Prozent gestiegen, der Zeltverleiher verlange rund 20 Prozent mehr. In der Summe würden die Mehrkosten bei rund 30 Prozent liegen. Und dies, betont Surmann, obwohl die Stadt Vechta in diesem Jahr das Platzgeld für jeden Beschicker des Marktes um die Hälfte reduziert habe, um den Neustart nach Corona zu erleichtern.

Oli P. in Kühlings Niedersachsenhalle: Er tritt dieses Jahr wieder am Donnerstagabend auf. Montagabend kommt Mickie Krause. Der Eintritt ist frei. Die Gagen der Stars werde über den Getränkeverkauf mitbezahlt. Foto: M. NiehuesOli P. in Kühlings Niedersachsenhalle: Er tritt dieses Jahr wieder am Donnerstagabend auf. Montagabend kommt Mickie Krause. Der Eintritt ist frei. Die Gagen der Stars werde über den Getränkeverkauf mitbezahlt. Foto: M. Niehues

Surmann kalkuliert deshalb mit einem Bierpreis, der zwischen 2,30 und 2,50 Euro liegt. Genauer kann er es noch nicht sagen. Aber bei der Lutter Birse habe er noch einen Bierpreis von 2 Euro halten können. Aber nur, betont er, weil er mit dem Handels- und Gewerbeverein vereinbart hatte, dass ab 22 Uhr ein Eintritt von 2 Euro genommen werden durfte. Wer zu spät kam, hat also zahlen müssen. Der frühe Konsum sei so gefördert worden und habe insgesamt einen günstigeren Preis gewährleistet, so Surmann.

Besucher, die erst gegen Mitternacht zum Markt kommen, tragen zu höheren Getränkepreisen bei

Der Stoppelmarkt leide darunter, beklagt er, dass viele junge Besucher vorgeglüht erst gegen Mitternacht eintreffen würden. Bis 1 Uhr nachts würden  volle Busse noch vollere Besucher auf den Platz fahren. Das müsse nicht sein, so der Festwirt. Das sei schädlich für den Stoppelmarkt und treibe auch Kosten und somit die Preise nach oben. "Wenn um 20 Uhr der Platz voll ist, haben wir keine Probleme", sagt er.

Und mit dem Verkauf des Bieres, rechnet er vor, müsse auch teure Technik bezahlt werden. Musikanlage, Security und teure DJs gehen demnach ins Geld. "Wir nehmen keinen Eintritt, alles wird über den Verkauf des Bieres bezahlt", gibt er zu bedenken. "Der Besucher kriegt volles Programm, richtig was geboten", sagt er. Deshalb müsse er die Getränkepreise auch anders kalkulieren als jemand, der einfach einen Bierwagen aufstelle und dann nur zapfen müsse.

Neuerung bei einigen Wirten: Spülmaschinen sorgen für hygienisch einwandfreie Gläser

Und das Zelt Picker's fährt mit einer neuen Gläser-Spülmaschine auf, die Surmann zusammen mit dem Wirtevorsitzendem Ludger Emken eigens entwickelt hat, um beste hygienische Bedingungen bieten. Mit der Maschine, die auf einem großen Anhänger installiert ist, kann er 5000 Gläser vollautomatisch spülen.

An seiner neuen Gläser-Spülmaschine: Stefan Surmann will hygienisch einwandfrei gereinigte Biergläser anbieten. Foto: M. NiehuesAn seiner neuen Gläser-Spülmaschine: Stefan Surmann will hygienisch einwandfrei gereinigte Biergläser anbieten. Foto: M. Niehues

Eine solche Maschine wird auch in der Niedersachsenhalle, dem größten Festzelt auf dem Stoppelmarkt im Einsatz sein. Betreiberin Elke Kühling-Emken beklagt ebenfalls die hohen Kostensteigerungen in allen Bereichen, vor allem auch beim Personal. Sie findet es "sehr gut, dass die Stadt die Standkosten halbiert" hat. Dies sei auch nötig, weil ihr Zelt mit Oli P. am Donnerstagabend und Mickie Krause bekannte Stars als Highlights für den Stoppelmarkt biete - ganz ohne Eintritt, finanziert allein über den Getränkeverkauf.

Wirt und Schausteller-Vorsitzender plädieren für Augenmaß bei der Preisfindung

Ludger Fischer, eine ebenfalls bekannte Größe auf dem Stoppelmarkt, verkauft neben Schinkenbrot und Bratwurst auch Getränke. "Noch", sagt er, "habe ich nicht eine Sekunde über den Bierpreis nachgedacht". Der werde sich aber irgendwo zwischen 2 Euro und 2,50 einpendeln. Die Preisfindung sei von den Kosten abhängig. "Wir können aber nicht so viel nehmen", ist er überzeugt. "Sonst boykottieren die Leute das, die machen das nicht mit."

Für Augenmaß bei der Preisfindung plädiert auch Jürgen Meyer als Vorsitzender des Vereins der reisenden Schausteller Vechta. "Es ist immer ein Spagat zwischen Kosten und Zumutbarkeit", sagt er. Gewollt seien bürgerliche Preise. Wichtig sei es, das Gemeinschaftliche eines Volksfestes wie den Stoppelmarkt zu stärken. "Die Preise", betont er, "müssen wirtschaftlich vertretbar und auch für das Publikum zumutbar sein."

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