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Darum ist das „Café Apfelblüte“ für viele wie der Himmel

Das „Café Apfelblüte“ im Haus Bethanien in Cloppenburg ist ein besonderer Ort. Und wegen des besonderen Engagements bekam die Einrichtung eine Auszeichnung.

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Leben für ihr Café und sind wie Familie: Barbara Schwarz (von links), Gerd Niehaus und Monika Büter. Foto: Kattinger

Leben für ihr Café und sind wie Familie: Barbara Schwarz (von links), Gerd Niehaus und Monika Büter. Foto: Kattinger

Von außen wirkt es unscheinbar, das „Haus Bethanien“. Alles andere als ein schicker Neubau. Doch drinnen ist es für viele der Himmel: das „Café Apfelblüte“ für jedermann, besonders für Einsame und seelisch Verwundete.

„Kann ich noch zwei halbe Brötchen haben und einen Kaffee?“, fragt ein wenig fordernd eine Endfünfzigerin. Und das, obwohl es kurz vor 12 Uhr ist. Dann macht die Kontaktstelle „Café Apfelblüte“ erst mal Mittagspause bis 16 Uhr. Beim Arzt sei sie gewesen, ganz in der Nähe, sagt die Frau. Dann schaue sie immer hier vorbei. Sie, die Kopftuch und Mantel anbehält, während sie hastig isst und trinkt. Sonst sei sie bei der „Calo“ in Friesoythe, einer betreuten Werkstatt, erzählt sie.

Mehr Männer als Frauen nutzen das Angebot

Der Himmel ist dieses Café mit zwei durch einen Flur getrennten Räumen auch für die acht Männer, die heute im neu renovierten Hauptraum mit Blick auf die Theke über Gott und die Welt sprechen. In bequemen Vintage-Sesseln sitzend. „Bis zu 30 Gäste haben wir jeden Tag“, berichtet Gerd Niehaus, früherer Chef einer 20 Mitarbeiter starken Steuerkanzlei in Cloppenburg.

Mehr Männer als Frauen kämen über die Türschwelle. Die meisten aus der Kreisstadt stammend und vom Alter her 50 plus. Die sich mit dem Rad oder zu Fuß auf den Weg machen. Ein Auto habe kaum einer. Manche kommen, um hier im Sitzen zu schlafen, erzählt der gebürtige Peheimer. „Hier finden sie Ruhe.“ Das störe keinen der anderen Besucher.

„Weil wir hier eine Familie sind.“

Gerd Niehaus

Die insgesamt rund 70 Gäste kennen sich, sagt Niehaus, der seit 12 Jahren die Millionen-Zahlen von früher gegen die heutigen Bilanzen des Trägervereins eingetauscht hat. Warum? „Weil wir hier eine Familie sind“, sagt er und breitet seine Arme einladend aus. So, als sei die Antwort doch zu sehen.

Zur Familie gehört auch Barbara Schwarz. „Der Donnerstagnachmittag ist meiner“, verteidigt sie ihre Schicht. Sie, die seit 18 Jahren hier Kaffee kocht, zwischen 16 und 19 Uhr auch Hotdogs und überbackenen Toast serviert. Oder Monika Büter, eine von zwölf Ehrenamtlichen, die das Café für jedermann derzeit an 364 Tagen im Jahr offenhalten, auch Ostern, Weihnachten und Silvester. Nur am 1. Mai ist dicht.

Café Apfelblüte gewann den Caritas-Sozialpreis

Auch, weil der Verein am Wochenende zusätzlich einen telefonischen Krisendienst wuppt, standen sie beim letzten Sozialpreis des Landes-Caritasverbandes für Oldenburg ganz oben auf dem Treppchen. Bekamen dafür 3000 Euro. Weitere 10.000 Euro kamen von einem privaten Spender, als dieser von der rein ehrenamtlich getragenen Initiative in der Zeitung las.

Unterstützung kam auch von der „Stiftung Eheleute Taphorn“ sowie der „Karl-Heinrich-Linde-Stiftung“, beide unter dem Dach der Caritas-Gemeinschafts-Stiftung. Geld, mit dem der Hauptraum renoviert wurde, „um unseren Gästen die Wertschätzung entgegenzubringen, die sie verdient haben“, sagt Niehaus. Zwar brauchen sie wie immer Spenden. Aber im Moment sei es fast schwieriger, alle Schichten mit Ehrenamtlichen zu besetzen. Darum suchen sie Verstärkung.

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