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#Corsezeichen – All Inclusive im Hochrisikogebiet

Kolumne: Das Leben als Ernstfall – Ich habe der Insel Korsika einen Besuch abgestattet. Und soviel sei vorab verraten: Dabei wären Nahkampfausbildung und Survival-Training durchaus hilfreich gewesen.

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Unzucht brachte dem römischen Philosophen Seneca einst eine mehrjährige Verbannung auf Korsika ein. Ich habe dem Nordwesten der französischen Mittelmeerinsel, die im Süden nur eine Spaghettilänge von Sardinien entfernt ist, jetzt (freiwillig) einen einwöchigen Besuch abgestattet – und bin, soviel sei vorab verraten, nicht in die dort stationierte Fremdenlegion eingetreten.

Dabei wären Nahkampfausbildung und Survival-Training durchaus hilfreich gewesen. Am Hotelbuffet zum Beispiel. Dort fehlte mir und meinem Reisebegleiter die All-Inclusive-Erfahrung. So viel zu essen und zu trinken, wie man will, will gelernt sein. Da sind die geübten Fleisch- und Frittenwegatmer auch in der 4. Fresswelle noch deutlich schneller unterwegs – wenn vor ihnen nicht gerade die überschminkte Meckerziege Amok läuft, weil das Rührei noch nicht nachgeladen wurde, oder es statt glasierten Baby-Pak-Choi wieder nur Krautsalat gibt. Bloß dieses Big-Brother-Gefühl ab dem 3. Teller ließ sich irgendwie nie abstellen.

"Den Aus-Knopf beim Barkeeper aus dem Elsass zu finden, war ebenfalls ein Ding der Unmöglichkeit."Florian Ferber

Den Aus-Knopf beim Barkeeper aus dem Elsass zu finden, war ebenfalls ein Ding der Unmöglichkeit. Als großer Freddie-Mercury-Fan ging er besonders am 75. Geburtstag des ehemaligen Queen-Sängers steil. Da war nicht nur das Radio Ga Ga. Ich versuchte mich derweil an die Vorfahrtsregeln im Swimmingpool zu erinnern. Wie war das noch, Tiefgang vor Kraulvolumen? Behaarung schlägt Rettungsringe? Im Chlorrausch soll noch einer den Durchblick behalten. Da nützt auch die Sonnenbrille mit Extratönung nichts.

Gleiches gilt für den Strand, wo man als Beachboy aus dem Oldenburger Münsterland natürlich genau in seinem Element ist. Immer wieder faszinierend, die dort zu beobachtenden Farbenspiele. Auf der einen Seite das bürotypische Ganzkörper-Kalkweiß, oft mit einer Nuance Hüftgold veredelt, auf der anderen Seite das einheimische Chorizobraun, zuweilen ins Ledrige changierend. Sonnengarstufe gut durch. „ZZ Top“ vom Nachbartisch haben wir übrigens nie am Meer gesehen. Hatte wohl keine Lust, sich den Bart einzucremen.

Natürlich haben wir auch das Hotel verlassen und die Heimatinsel von Napoleon Bonaparte erkundet – unter anderem mit dem jungen Busfahrer Arnaud, dessen Können hinterm Steuer mir allergrößten Respekt abnötigte.

Sein Gefährt so locker über serpentinenreiche, enge Küsten- und Bergstraßen am Steilabgrund entlang zu manövrieren, an Stellen vorbei, wo für jeden Leihwagenfahrer Gegenverkehr zur existenziellen Bedrohung wird, das muss man erst mal hinkriegen. Als Insasse wirst du out of civilization, dort, wo der (wilde) Pfeffer wächst und sich niemals ein Amazon-Kurier hinverirrt, mit Bucht- und Gebirgspanoramen für die Ewigkeit belohnt. Augenblicklich sind die zu weiche Matratze, das schlechte W-Lan und das Gespräch der Ü70-Damen vom Vorabend übers Oben-Ohne-Baden vergessen.

Und irgendwann bist du dann auch als Nicht-Asiate soweit, jeden Felsen, der dir vors Kameraobjektiv kommt, zu fotografieren. Könnte ja Seneca drauf gesessen haben.


Zur Person:

  • Florian Ferber ist Redakteur der OM Medien.
  • Den Autor erreichen Sie unter redaktion@om-medien.de.

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