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Corona hat die Arbeit der Ehe-, Familien- und Lebensberatung verändert

Der Fachdienst im Bistum Münster hat den Jahresbericht für das Offizialat Vechta vorgestellt. Eine Erkenntnis der Krise: Die Probleme verändern sich nicht, aber es ist mehr Flexibilität gefragt.

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Sie haben den EFL-Jahresbericht für das Bistum Münster im niedersächsischen Teil vorgestellt: (von links) Carsten Bösing, Ruth Rießelmann, Heribert Mählmann, Bernd Rakel, Christine Themann und Ulrich Strickling. Foto: Timphaus

Sie haben den EFL-Jahresbericht für das Bistum Münster im niedersächsischen Teil vorgestellt: (von links) Carsten Bösing, Ruth Rießelmann, Heribert Mählmann, Bernd Rakel, Christine Themann und Ulrich Strickling. Foto: Timphaus

2020 war für viele Menschen ein Jahr des hohen Drucks und der hohen Belastungen. Das belegt die Statistik der Ehe-, Familien- und Lebensberatung (EFL) im Bistum Münster, die jüngst für den niedersächsischen Teil – das Offizialat Vechta – vorgestellt wurde. Das Caritas-Sozialwerk (CSW) St. Elisabeth in Lohne ist Träger der 6 EFL-Beratungsstellen im Offizialatsbezirk.

Die wichtigsten Kennzahlen des Jahresberichts des psychologischen Beratungsfachdienstes präsentierte Christine Themann. Bei ihrem letzten Auftritt als Bereichsleiterin – Themann wechselt auf eigenen Wunsch in die Erziehungsberatung in Vechta zurück, ihre Nachfolgerin heißt Ruth Rießelmann – berichtete sie von 1.204 Beratungsfällen im Offizialat, davon 744 Neuanmeldungen. 

Ein Blick aufs Bistum: Die Zahl der Beratungsgespräche ist mit 38.001 (Vorjahr: 40.531) nahezu gleich geblieben, trotz der Krise und der Lockdowns. 8.665 Beratungsfälle wurden registriert, im Vorjahr waren es 9.766.

„Corona ist ein Verstärker. Das Gute blüht auf – aber das Unbewältigte auch.“Christine Themann, Bereichsleiterin der Ehe-, Familien- und Lebensberatung beim Caritas-Sozialwerk St. Elisabeth Lohne

Die Pandemie hat nach den Worten Themanns den Beratungsalltag nachhaltig verändert. „Corona hat uns gezeigt, dass es gut ist, einen Plan zu haben – aber noch besser, flexibel zu sein", sagte sie. Bereiche wie die telefonische oder E-Mail/Online-Beratung seien auf- und ausgebaut worden. Die EFL bietet mittlerweile auch Videoberatungen und Chatgespräche an.

Mit zunehmender Dauer der Krise hat sich laut Themann gezeigt: Brüchige Beziehungen werden noch brüchiger, instabile Persönlichkeiten noch instabiler. Aufgrund ihrer Erfahrungen sagt die Bereichsleiterin: "Corona ist ein Verstärker. Das Gute blüht auf – aber das Unbewältigte auch."

Psychologischer Beratungsfachdienst war immer da

Diese Einschätzung bestätigten die 3 Stellenleiter Ulrich Strickling (EFL Cloppenburg/Vechta), Carsten Bösing (EFL Oldenburg) und Bernd Rakel (EFL Nord), die bei dem Pressegespräch ebenfalls anwesend waren. 

Strickling sagte: "Corona hat wie ein Brennglas gewirkt." Aufgrund der monatelangen Einschränkungen seien für viele Menschen die Möglichkeiten zur Konfliktbewältigung weggefallen. "Umso wichtiger war es, dass die EFL nicht ausgefallen ist."

Diesen Aspekt betonte auch der CSW-Vorstandsvorsitzende Heribert Mählmann. "Wir waren da – und zwar die ganze Zeit." Er sei stolz auf die Leistung der Mitarbeiter, sagte der Vechtaer, und hob das persönliche Engagement der Beraterinnen und Berater hervor, das zur Entlastung der Menschen beigetragen habe.

2020 waren mehr als 23 Prozent der Ratsuchenden ohne Religionszugehörigkeit

Auch Themann sagte angesichts der Kritik an der Rolle der Kirchen während der Pandemie: "Dieser Arm der Kirche war immer da." Sie klärte darüber auf, dass die Finanzierung der Ehe-, Familien- und Lebensberatung in Niedersachsen noch zu 100 Prozent von der katholischen und evangelischen Kirche getragen werde, anders als beispielsweise in Nordrhein-Westfalen.

Die Bereichsleiterin informierte: „Die EFL steht allen Ratsuchenden offen." Sie wies darauf hin, dass 2020 mehr als 23 Prozent ohne Religionszugehörigkeit gewesen seien. Mehr als 12 Prozent der Ratsuchenden hatten einen Migrationshintergrund. Mählmann ergänzte, dass die Beratung hochwertig, diskret und kostenlos sei. 

„Die Paare, die zu uns kommen, wollen sich nicht leichtfertig trennen.“Ulrich Strickling, EFL-Stellenleiter Cloppenburg/Vechta

Laut Themann wenden sich Menschen mit unterschiedlichen Themen an den psychologischen Beratungsfachdienst. Oft drehe es sich um Selbstwertproblematik, kritische Lebensereignisse, Depressionen sowie Ängste und Zwänge. Das wichtigste Standbein sei aber die Eheberatung – bei der Weiterentwicklung einer Partnerschaft, in Krisen oder bei Trennungen beziehungsweise Scheidungen.

Strickling sagte: "Die Paare, die zu uns kommen, wollen sich nicht leichtfertig trennen." Die EFL arbeite immer ergebnisoffen. Eine Trennung werde allzu oft als Scheitern wahrgenommen, auch wenn die Beziehung persönliche Entwicklung behindere.

Mählmann gab an, dass mit der EFL bei einer Trennung zumindest die Basis für einen vernünftigen Umgang miteinander gelegt werde – vielfach zum Wohle der Kinder. Die Heranwachsenden seien oft mindestens mittelbar betroffen. Aus diesem Grund, so der CSW-Vorstandsvorsitzende, bestehe eine "hohe Affinität" zwischen der EFL und der Erziehungsberatung, die das Caritas-Sozialwerk ebenfalls anbiete.

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