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Cloppenburgs neuer Bürgermeister hat "Bock"

Gästebuch: Neidhard Varnhorn hat es mit seinem Wahlslogan "Bock auf Cloppenburg" zum neuen Rathauschef der Kreisstadt geschafft. Nicht, dass er am Ende noch zum Sündenbock wird...

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Endlich sind die Bundestags-Wahlplakate im Müll gelandet. Was bedrängte uns nicht alles von den Laternenmasten oder aus den Baumkronen: Wir sollten soziale Gerechtigkeit wählen und gemeinsam für ein modernes Deutschland kämpfen. Wichtig seien Zuhören und Zutrauen; denn es gebe ja nie mehr zu tun als heute. Was wir wollten sei Deutschland; aber bitte normal.

Wolfgang Wiese als "easy rider“

So lauteten die Wahlslogans zum Deutschen Bundestag. Nun wird sondiert und koaliert. Wer weiß, was werden wird. Aber so wie es war, kann es ja nicht weitergehen. Das hat sogar unsere CDU-Direktkandidatin Silvia Breher erkannt und plädiert – O Gott, o Gott – für eine Doppelspitze bei der CDU. Das klingt gefährlich nach grün. Aber wir leben ja in einer Zeitenwende, sagt man, sogar in Cloppenburg. Schauen wir mal.

Aber es wurde ja nicht nur im Bund gewählt. In Cloppenburg ging es auch um einen neuen Bürgermeister. Schließlich hatte sich der bisherige Amtsinhaber eine andere Zukunft vorgestellt, als sich noch länger mit den Cloppenburgern herumzuschlagen. Dass er ein bekennender Weinliebhaber ist, das wussten wir schon länger. Aber dass sich dahinter auch ein Motorradfan verbirgt, ist neu. So viel "easy rider“ hätten wir dem Wolfgang Wiese gar nicht zugetraut. Während seiner Amtszeit hielt er sich da noch zurück und gab sich bieder, brav und bürgerlich. Ähnlich wie der Politiker, der einräumte, Haschisch geraucht, aber nicht inhaliert zu haben. Nun weht ihm der frische Wind der Freiheit um die Nase.

"So viel Jugendlichkeit war lange nicht mehr. Smarter und salopp sind angesagt."Otto Höffmann

Sein Nachfolger machte auch Wahlkampf, ähnlich wie die großen Parteien. Daher brauchte er auch Wahlslogans. Oder doch zumindest einen, der zog. Und damit sind wir schon bei dem neuen Bürgermeister, also bei Neidhard Varnhorn. Der hat nicht nur einen Vornamen, den nicht jeder hat. Auch sein Wahlslogan hatte so nichts von "Mehr Demokratie wagen“ oder "Keine Experimente“. Sein Slogan lautete "Bock auf Cloppenburg“. Darauf muss man erst mal kommen. So viel Jugendlichkeit war lange nicht mehr. Smarter und salopp sind angesagt. Bei seinem Vorgänger Bernd Thonemann hätte das wohl etwas verwirrend gewirkt.

"Bock“ stammt nämlich aus der Jugendsprache, entstanden etwa Ende der 1970er Jahre. "Bock haben“ meint demnach Lust auf etwas zu haben, darauf zu brennen, etwas zu tun. Ein Bedürfnis, ein Wunsch oder großes Interesse. Bockig zu sein, bedeutet aber auch, störrisch oder ein sturer Bock zu sein. Des Bürgermeisters Wahlslogan entstammt nämlich der "Null-Bock-Generation“. Mit seinem "Bock auf Cloppenburg“ ist er aber mit großem Erfolg der erste Mann in unserer Kreisstadt geworden. So gesehen alles richtig gemacht, Herr Varnhorn. Hoffentlich bewahrt er sich die positive Bedeutung seines Slogans. Damit er nicht irgendwann keinen Bock mehr hat und man ihn dann zum Sündenbock stempelt, weil man glaubt, man habe den Bock zum Gärtner gemacht. Dann kann sogar ein Bürgermeister bockig werden.


Zur Person

  • Otto Höffmann ist Rechtsanwalt in Cloppenburg.
  • Den Autor erreichen Sie unter der E-Mail-Adresse redaktion@om-medien.de.

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