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Cloppenburger finden im "Azubiwohnen" ein Zuhause

3 Cloppenburger machten die gleiche Erfahrung: Den Ausbildungsplatz in Oldenburg sicher, aber keine Wohnung in Sicht. Das "Azubiwohnen" bietet ihnen ein Zimmer inklusive pädagogischer Begleitung.

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Kickern ist mit Spuckschutz wieder möglich: Die pädagogische Mitarbeiterin Joana Rieken (hinten links) und die Einrichtungsleiterin Mechthild Hoffhaus (hinten rechts) testeten es mit den Bewohnern Benedikt Grüß (vorne links) und Bajo Yankuba (vorne rechts) gleich aus. Foto: Hahn

Kickern ist mit Spuckschutz wieder möglich: Die pädagogische Mitarbeiterin Joana Rieken (hinten links) und die Einrichtungsleiterin Mechthild Hoffhaus (hinten rechts) testeten es mit den Bewohnern Benedikt Grüß (vorne links) und Bajo Yankuba (vorne rechts) gleich aus. Foto: Hahn

"Mehr als nur ein Zimmer mit Bett..." – das bietet das "Azubiwohnen" des Trägers "Kolping Jugendwohnen Oldenburg" an. Auch 3 junge Männer aus Cloppenburg haben dort ein Zuhause gefunden.

Nach dem Schulabschluss in Cloppenburg fanden sie einen Ausbildungsplatz in Oldenburg – aber keine Wohnung. Da kam das "Azubiwohnen" ins Spiel: Die Einrichtung bietet Lehrlingen einen Ort zum Wohnen inklusive pädagogischer Betreuung an. "Bezahlbar, bunt und offen", lautet die Selbstbeschreibung. 

Nach einem Tag kam die Zusage zum Einziehen

Benedikt Grüß ist einer der aktuell 38 Bewohner. Er ist 23 Jahre alt und lebt seit 2 Jahren im "Azubiwohnen". Er habe nach einer Ausbildung im Bürobereich im ganzen Umland gesucht – gefunden hat er eine Azubistelle als Kaufmann im Dialogmarketing in Oldenburg. "Anfangs bin ich mit dem Zug gependelt, aber das war immer sehr knapp", berichtete Grüß. Dann habe seine Mutter das "Azubiwohnen" auf Facebook entdeckt: wenige später hatte der heute 23-Jährige einen Besichtigungstermin. 

Yusupha Manjang ist 20 Jahre alt und macht eine Ausbildung zum Verkäufer. "Ich wollte eine eigene Wohnung in Oldenburg, habe aber nichts gefunden", erzählte er. Über einen Freund hörte er von der Einrichtung. Dann ging alles ganz schnell: Nach einem Tag hatte er bereits die Rückmeldung, dass er einziehen könne. Im August tat Manjang das und lebt nun in der Oldenburger Innenstadt.

Pädagogische Mitarbeiter sind auch Bezugspersonen

Auch Bajo Yankuba, 21 Jahre alt, wohnte vor seiner Ausbildung in Cloppenburg. Nach der Schule wird er nun in der Oldenburger Jugendherberge zum Koch ausgebildet. Von einem Freund hörte von dem Wohnangebot der Kolpiner. Seine Schulsozialhelferin half ihm den Kontakt herzustellen. 

Standard in dem großen; mehrstöckigen Haus: Die Zimmer sind möbliert und haben ein Bad. Zudem gibt es mehrere Gemeinschaftsküchen und Aufenthaltsräume. Ordentlich ist es überall. Das funktioniere sogar ohne Putzplan. "Jeder räumt hinter sich auf", erzählt Grüß. Und falls dieser Zustand doch mal kippen droht, greifen die Mitarbeiter ein. Also eigentlich wie im "Hotel Mama" – und so soll es laut der pädagogischen Mitarbeiterin Joana Rieken auch sein: "Wir sind immer da, wenn Hilfe benötigt wird."

"Jede Religion, Herkunft und Sexualität ist bei uns willkommen."Mechthild Hoffhaus, Einrichtungsleiterin

Gerade die Sauberkeit begeistert Manjang: "Das ist ein Grund, warum ich mich hier sehr wohlfühle – es ist wie zu Hause." Grüß sieht auch die sozialen Kontakte als Vorteil: "Hier wohnen viele im selben Alter. Dann findet man schnell Anschluss." Die anderen Bewohner treffe man vor allem bei Aktionen am Abend: Gemeinsam werde die EM geschaut oder gekocht. Werden die Hausaufgaben aus der Berufsschule zum Problem, gibt es Hilfe. Wobei es auch okay ist, wenn ein Bewohner für sich bleiben möchte, sagt Einrichtungsleiterin Mechthild Hoffhaus.

Ein wichtiges Anliegen der Sozialpädagogen ist die Aufklärungsarbeit. "Jede Religion, Herkunft und Sexualität ist bei uns willkommen", sagt Hoffhaus. Deswegen werden zu diesen Themen auch Vorträge angeboten. 

Für die Azubis ist das Wohnangebot auch eine Möglichkeit, Geld zu sparen. Bekommen sie Berufsausbildungsbeihilfe, zahlen sie maximal 300 Euro im Monat.

Auch die Corona-Pandemie beschäftigte die jungen Menschen. Aber mittlerweile laufen auch die gemeinsamen Aktionen wieder, so können die Bewohner jetzt wieder kickern – mit Spuckschutz zwischen sich, aber immerhin.


Fakten:

  • Wer einen betrieblichen Ausbildungsplatz gefunden hat und nicht aus Oldenburg kommt, kann beim "Azubiwohnen" unterkommen. 
  • Das Angebot ist für junge Menschen zwischen 18 und 27 Jahren gedacht. Aktuell gibt es wieder freie Zimmer.
  • Bei der Erstausbildung kann eine Finanzierung bei der Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) beantragt werden.
  • Als Selbstzahler können auch Studenten, Soldaten, Praktikanten oder andere Bedürftige kurzfristig eine Unterkunft bekommen.

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