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Burkhard Wilking ist leidenschaftlicher Mathematiker

Der Vechtaer forscht und lehrt an der Universität in Münster. Seine Tätigkeit führte ihn schon an viele Orte dieser Welt. Sein größter Erfolg: der Leibniz-Preis 2009.

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Der aus Vechta stammende Mathematik-Professor Burkhard Wilking hat derzeit den Lehrstuhl für Differentialgeometrie an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster inne.   Foto: Mathematics Münster

Der aus Vechta stammende Mathematik-Professor Burkhard Wilking hat derzeit den Lehrstuhl für Differentialgeometrie an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster inne.   Foto: Mathematics Münster

Von wegen Mathe ist langweilig: Durch seine Arbeit als Mathematik-Professor an der Universität Münster hat der gebürtige Vechtaer Professor Dr. Burkhard Wilking schon alle Kontinente bereisen können. Außerdem ist er seit 2009 Träger des renommierten Leibniz-Preises. In diesem Jahr kann er seiner Sammlung eine weitere Auszeichnung hinzufügen: Am 22. April wird ihm in Erlangen der Staudt-Preis verliehen.

Seine Begeisterung für Mathematik erkannte der heute 51-jährige schon in seiner Oberstufen-Zeit am Gymnasium Antonianum. "Ich hatte damals den Mathe-Leistungskurs bei Josef Hackmann", erinnert sich Wilking. Hackmann habe immer Wert darauf gelegt, dass mathematische Berechnungen auch bewiesen werden. "Das hat mir gelegen und Spaß gemacht." Gewappnet mit diesem Wissen, entschied sich Wilking nach dem Abitur im Jahr 1990 für das Mathematik-Studium an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU).

Wilking verbrachte 3 Jahre in den USA

Damit war der Grundstein für eine Karriere an der WWU gelegt; bis heute forscht und lehrt Wilking an der Münsterschen Uni. Nur nach seiner Promotion im Jahr 1998 verschlug es ihn in die USA, genauer gesagt an die University of Pennsylvania. "Ich hatte dort einen 3-Jahres-Vertrag und hätte danach auch dauerhaft dort bleiben können." Wissenschaftlich sei es dort "super" gewesen, er habe aber wieder zurück nach Deutschland gewollt. "Da kam Münster wieder ins Spiel – das ist eine der besten Adressen in Deutschland." Das sagt er nicht zu Unrecht: Die Universität Münster ist als "Exzellenzcluster Mathematik" ausgezeichnet.

Seit 2002 ist Wilking wieder an der WWU, momentan hat er den Lehrstuhl für Differentialgeometrie inne. "Das ist das Studium von geometrischen Formen, banal gesagt etwa die Oberfläche von einem Ei." Die Differentialgeometrie sei zum Beispiel die mathematische Grundlage für Einsteins Relativitätstheorie. Angesiedelt ist Wilking im Mathematischen Institut, dort leitet er die Arbeitsgruppe zur Differentialgeometrie. "In der Lehre betreue ich sowohl die reinen Mathematik-Studierenden als auch die angehenden Mathe-Gymnasiallehrer."

Der gebürtige Vechtaer besucht viele Fachkonferenzen

Neben seiner Arbeit an der WWU reist Wilking, zumindest vor der Pandemie, zu Konferenzen in aller Welt. "Die Hauptmotivation eines jeden Wissenschaftlers ist es, sein Renommee zu vermehren und Anerkennung zu gewinnen", beschreibt Wilking ehrlich. Dafür gebe es zwei Möglichkeiten: entweder wissenschaftliche Artikel schreiben oder Vorträge auf Fachkonferenzen halten. "Dadurch war ich schon auf allen Kontinenten – zum Beispiel in den Ländern China, Japan, Senegal, Australien, Brasilien, Argentinien, Mexiko, Kanada und in den USA." Er sei auch schon in vielen europäischen Ländern gewesen, führend auf seinem Gebiet seien aber die USA: "Die Konzentration an vielen tollen Wissenschaftlern ist dort schon höher als hier."

Fast nebenbei konnte Wilking, der seit 2019 auch Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina ist, viele renommierte Preise einheimsen, der wichtigste dürfte der mit 2,5 Millionen Euro dotierte Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis von der Deutschen Forschungsgemeinschaft für seine Forschungen in der Differentialgeometrie im Jahr 2009 gewesen sein. Der Preis gilt als die wichtigste nationale Auszeichnung. "Dafür wurde ich im April 2009 zusammen mit Harald zur Hausen, der den Nobelpreis für Medizin gewonnen hatte, im Vechtaer Rathaus empfangen."

Die OV vom 18. April 2009: Der damalige Bürgermeister Uwe Bartels (Mitte) empfing die beiden Preisträger Burkhard Wilking (links) und Harald zur Hausen.   Screenshot: OV-ArchivDie OV vom 18. April 2009: Der damalige Bürgermeister Uwe Bartels (Mitte) empfing die beiden Preisträger Burkhard Wilking (links) und Harald zur Hausen.   Screenshot: OV-Archiv

Darüber hinaus hat Wilking 2006 auf dem Internationalen Mathematikerkongress in Madrid gesprochen, wo alle 4 Jahre die "inoffiziellen" Nobelpreise der Mathematik verliehen werden. "Allein, dass ich dort einen Vortrag halten durfte, ist eine große Auszeichnung." Der Kontakt zu Vechta ist dem mit seiner Freundin in Münster lebenden Wilking indes nie verloren gegangen. "Ich komme von einem Bauernhof in Holtrup, dort leben meine Eltern auch noch." Vier bis fünf Mal im Jahr komme er nach Vechta, dabei dürfe – zur Saison – natürlich auch der Besuch des Stoppelmarktes nicht fehlen.

Nun steht für Wilking erstmal die Verleihung des Staudt-Preises an, eine hochrangige Auszeichnung für reine Mathematik im deutschen Raum, die mit 25.000 Euro dotiert ist. Und danach? "Ich werde mich einem mathematischen Problem widmen, wo ich vor 10 Jahren geglaubt habe, es gelöst zu haben, das aber nicht geklappt hat."

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