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Bunte Eier: Der Osterhase muss ein Kneheimer sein

Die Färbereien haben jetzt eine kurze Hochkonjunktur. Hermann Waden (75) ist seit 50 Jahren im Geschäft. Den Preis für seine Eier lässt er sich vom Handel nicht diktieren.

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Stapelweise Ostereier: Die Färberei in Kneheim hat in jedem Frühjahr eine kurze Hochkonjunktur. Foto: Meyer

Stapelweise Ostereier: Die Färberei in Kneheim hat in jedem Frühjahr eine kurze Hochkonjunktur. Foto: Meyer

Gut drei Wochen vor Ostern läuft die Produktion in der Eierfärberei Waden auf Hochtouren. Rund 1,4 Millionen bunte Eier werden von Kneheim aus ihren Weg in die Osternester finden. Erst am Gründonnerstag wird Hermann Waden die Maschine für dieses Jahr abstellen.

Der Chef hat die Produktion gegenüber den Vorjahren allerdings gedrosselt. Gefärbt wird an fünf Tagen in der Woche täglich acht Stunden lang. Dem 75-Jährigen reicht das. Eigentlich hatte Waden vergangenes Jahr aufhören wollen. Die Suche nach einem Nachfolger blieb aber ohne Ergebnis. „Es hat sich niemand gemeldet.“ Also beschloss er einfach, weiterzumachen. „Es macht mir ja auch nach wie vor Spaß.“ Weil die Saison kurz ist - Waden öffnete den Betrieb im Januar - ist der zeitliche Aufwand überschaubar. Und ohnehin versteht keiner mehr vom Färben als der hellwache Senior. „Ich bin ja auch schon seit 50 Jahren im Geschäft.“

Gefärbte Eier halten wochenlang frisch

Unterstützt wird Hermann Waden erneut von einer kleinen Schar Mitarbeiter. Sie kommen allesamt aus der Region, man kennt sich seit Jahren. Wegen der Coronaauflagen muss der Betrieb besondere Hygieneauflagen einhalten. Da sich immer nur wenige Helfer gleichzeitig in der Produktionshalle aufhielten, sei das aber kein Problem, erklärt Waden. Am Montag wird er auch seinen Firmenshop an der Dorfstraße öffnen. Den Großteil seiner Ware verkauft der Unternehmer jedoch an Markthändler und kleinere Laden- sowie Kioskbesitzer. Den Lebensmitteleinzelhandel meidet er dagegen. „Ich möchte mir die Preise nicht diktieren lassen.“ Die Qualität  sei ihm wichtiger. Die Eier selbst kauft er bei regionalen Hennenhaltern ein. Vor dem Färben müssen sie erst gekocht werden. Weil die bunte Farbe nicht nur schön anzusehen ist, sondern auch sämtliche Poren der Schale luftdicht abschließt, sind die Eier wochenlang haltbar. Um sie besser pellen zu können, sollten sie 14 Tage lang lagern.  

Gut sortiert: Rund 1,4 Millionen Eier verlassen den Betrieb bis Gründonnerstag. Foto: MeyerGut sortiert: Rund 1,4 Millionen Eier verlassen den Betrieb bis Gründonnerstag. Foto: Meyer

Während der Coronapandemie haben die Deutschen übrigens mehr Appetit auf Eier. Laut der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) nahmen die Haushaltseinkäufe gegenüber 2019 um elf Prozent auf fast neun Milliarden Stück zu. Dabei hätten die Verbraucher verstärkt zu Bioeiern gegriffen, deren Absatz um 17 Prozent zulegte. Bei Freilandware seien es 13 Prozent und bei Bodenhaltungseiern acht Prozent gewesen.

„Osterhase“ Hermann Waden dürfte also auch in Zukunft gut zu tun behalten. Für ihn sei die Färberei aber mehr als ein Job, betont er. „Ich treffe hier alte Bekannte, wechsel ein Wort mit ihnen. Das tut mir einfach gut.“ Und so könne es ruhig noch eine ganze Weile weitergehen. Das Osterfest 2022 hat Waden jedenfalls schon fest im Blick.

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