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Bis zu 80 Prozent der Aufträge brechen weg

Die Taxiunternehmen im Kreis haben kaum noch Arbeit für ihre Fahrer. Die Umsatzeinbrüche sind überall hoch. Das Nachtgeschäft fällt für die Firmen fast völlig aus.

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Kaum ein Fahrgast steigt ein: An der Mobilitätsstation am Vechtaer Bahnhof versammeln sich zu den Ankunftszeiten der NordWestBahn die wenigen Taxifahrer, die derzeit noch im Nordkreis unterwegs sind. Da aber auch die Bahn nur wenige Fahrgäste befördert, sind auch die Taxikunden rar. Foto: Kühn

Kaum ein Fahrgast steigt ein: An der Mobilitätsstation am Vechtaer Bahnhof versammeln sich zu den Ankunftszeiten der NordWestBahn die wenigen Taxifahrer, die derzeit noch im Nordkreis unterwegs sind. Da aber auch die Bahn nur wenige Fahrgäste befördert, sind auch die Taxikunden rar. Foto: Kühn

Das Bild am Bahnhof Vechta wiederholt sich. Pünktlich zu den Ankunftszeiten der NordWestBahn versammeln sich die wenigen Taxen, die derzeit noch im Nordkreis unterwegs sind. Dabei ist klar: Hier wird kaum ein Fahrer einen Fahrgast bekommen, steigen doch nur wenige Menschen aus dem kaum besetzten Zug und verlangen nach Weiterbeförderung. „Momentan ist das alles ein großes Zuschussgeschäft für uns Taxiunternehmer“, sagt der Inhaber von City-Taxi Vechta, Andreas Dunkelberg. Die Coronavirus-Pandemie und die damit einhergehenden Beschränkungen der sozialen Kontakte kosten ihn viel Geld: „Das Tagesgeschäft ist um 60 Prozent eingebrochen, das Nachtgeschäft existiert fast nicht mehr – über 90 Prozent Umsatz weniger“, sagt der 50-Jährige.

Seit 29 Jahren fährt Dunkelberg jetzt Taxi. Jetzt hält er sich, wie viele seiner Kollegen, damit über Wasser, dass er nur noch in halber Besetzung fahren lässt. Elf Fahrer beschäftigt er zu normalen Zeiten. Vormittags sind üblicherweise sechs Fahrer unterwegs, jetzt sind es nur noch drei. Die Aushilfsfahrer sind schon lange Zuhause. Kurzarbeit hat er noch nicht angemeldet. Die Fahrer bauen Minusstunden auf. „60 Prozent Kurzarbeitergeld wäre beim Verdienst eines Taxifahrers nicht viel, da fahren wir lieber Minusstunden. Noch geht das.“ Sagt es und blickt mit Sorgenfalten auf der Stirn auf den nahenden Mai.

Kurierfahrten, der Transport von Dialysepatienten oder andere Krankenfahrten – das ist Dunkelberg als Geschäft geblieben. Ein wenig profitiere man auch davon, dass der Vechtaer Stadtbus nicht mehr fahre, sagt Dunkelberg. Aber das fange die „brutalen“ Umsatzeinbrüche nicht auf. Nachts sei jetzt gar nichts mehr los. Ohne die Feiern und öffentlichen Veranstaltungen oder offene Gaststätten fehle den Taxiunternehmen ein Großteil ihres Umsatzes. „Ab 20 Uhr ist Vechta jetzt tot.“

Auch der Restumsatz lässt sich nur mit zusätzlichem Aufwand halten. Die Taxen werden jetzt häufiger desinfiziert, Fahrer tragen Handschuhe und/oder Mundschutz. Man müsse die Situation mit dem Coronavirus mit großem Respekt betrachten, aber nicht hysterisch, sagt Dunkelberg, der weiß, dass sich Abstandsregeln bei der Fahrgastbeförderung mitunter nicht einhalten lassen.

Die Fahraufträge fehlen jetzt: Thorsten Krampe. Foto: SchmutteDie Fahraufträge fehlen jetzt: Thorsten Krampe. Foto: Schmutte

Für Frank Kolbeck sind sonst täglich 30 Taxifahrer unterwegs. Seit dem 16. März gibt es im Unternehmen Kurzarbeit. Vormittags fahren noch sechs, nachmittags vier, nachts nur noch ein Chauffeur. Nachts gebe es mitunter nur noch zwei Anrufe. Im Wesentlichen gebe es noch Kranken- und Dialysefahrten oder Kurier-/Laborfahrten. Rund 80 Prozent des Umsatzes sind Kolbeck weggebrochen. Schüler- und Behindertenbeförderungen oder Flughafentransfers fallen komplett weg.

Um noch „einigermaßen wirtschaftlich zu bleiben“ mussten in allen Bereichen des Lohner Taxiunternehmens die Kosten reduziert werden. Deshalb gibt es nicht nur Kurzarbeit, sondern etwa auch Fahrzeugstilllegungen, erläutert Kolbeck: „Von 30 Autos auf dem Hof haben nur noch sechs ein Kennzeichen.“

Den 24-Stunden-Betrieb hält Thorsten Krampe noch aufrecht. Der Inhaber von Taxi Finkemeyer in Damme beschäftigt sieben Fahrer in Vollzeit, zu „normalen“ Zeiten insgesamt 36 Mitarbeiter. Jetzt fährt tagsüber und nachts jeweils nur noch einer. Die übrigen Fahrer befinden sich in Kurzarbeit, die Aushilfsfahrer stehen auf Abruf. Auch Krampes Fahrer befördern nur noch Kranke oder Einkäufe, für das Krankenhaus werden außerdem zum Beispiel Blutproben transportiert. Weitere Aufträge müsse man sich suchen sagt Krampe. So hätte er vor Kurzem die Patienten einer zu räumenden Rehaklinik in Thüringen nach Hause gefahren.

Den jetzigen finanziellen Ausfällen begegne er „tiefenentspannt“, erklärt der 49-Jährige. Wenn man immer gute Zahlen geliefert habe, dann würde auch die Hausbank an der Seite des Unternehmers stehen, berichtet er. „Meine wird mich nicht hängen lassen, das ist vereinbart.“

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