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Bekenntnisschulen: Abstimmung erfolgt nach den Osterferien

Die Corona-Pandemie verzögert das Prozedere. Die Informationsveranstaltungen sind nun auf die Woche vom 12. bis 16. April terminiert. Vorab erhalten die Eltern diverse Unterlagen zum Thema.

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Votum nach Ostern: Die Eltern aller Lohner Grundschüler sollen darüber abstimmen, ob ihre Grundschule eine katholische Bekenntnisschule bleibt oder in eine Schule für alle Bekenntnisse umgewandelt wird. Foto: dpa/Reinhardt

Votum nach Ostern: Die Eltern aller Lohner Grundschüler sollen darüber abstimmen, ob ihre Grundschule eine katholische Bekenntnisschule bleibt oder in eine Schule für alle Bekenntnisse umgewandelt wird. Foto: dpa/Reinhardt

Der Zeitplan steht: Die Stadt Lohne hat gemeinsam mit den Leitungen der 6 Grundschulen, der niedersächsischen Landesschulbehörde und dem Bischöflich Münsterschen Offizialat in Vechta festgelegt, wann das Votum über die katholischen Bekenntnisschulen erfolgt. Die Eltern aller Lohner Grundschüler sollen nach den Osterferien darüber abstimmen, ob ihre Grundschule eine katholische Bekenntnisschule bleibt oder in eine Schule für alle Bekenntnisse umgewandelt wird.

Das Ergebnis könnte nach Angaben der Verwaltung voraussichtlich Ende April/Anfang Mai feststehen. Großer Unsicherheitsfaktor bei dem Prozedere ist und bleibt die Corona-Pandemie.

47,95 Prozent aller Grundschüler sind nicht katholisch

Zum Hintergrund: Die 6 Lohner Grundschulen sind katholische Bekenntnisschulen. Jede der Bildungseinrichtungen nimmt aber alle Schülerinnen und Schüler ihres Einzugsbereichs auf, unabhängig von deren Konfession. Das Aufnahmeverfahren wurde in Abstimmung mit allen Schulleitungen entwickelt.

Die gesellschaftliche Entwicklung der vergangenen Jahre führte dazu, dass im aktuellen Schuljahr 47,95 Prozent aller Lohner Grundschüler nicht katholisch sind. 5 der 6 Bildungseinrichtungen – einzig die Grundschule Kroge liegt mit 17,86 Prozent darunter – überschreiten die in der Aufnahmeverordnung des Niedersächsischen Schulgesetzes festgelegte Quote. Sie liegt bei 30 Prozent. Heißt umgekehrt: Mindestens 70 Prozent der Schülerinnen und Schüler sind katholisch getauft.

Um eine einheitliche Schullandschaft zu erhalten, hatte die Politik beschlossen, an allen 6 Grundschulen die gesetzlich vorgeschriebene Abstimmung durchzuführen.  Rein rechtlich muss das Votum im Schuljahr 2020/2021 stattfinden. Bei der Beurteilung sei aber die Entwicklung der Krise zu berücksichtigen, heißt es aus dem Rathaus.

Corona-Pandemie verzögert Prozedere

Ursprünglich hatte die Stadt beabsichtigt, Ende Januar 3 Informationsveranstaltungen für die Eltern auszurichten – je eine Veranstaltung für 2 Grundschulen. Danach sollte die Abstimmung stattfinden. Wäre es so gekommen, "hätten wir Mitte/Ende Februar ein Ergebnis gehabt", heißt es aus dem Rathaus.

Aufgrund des neuerlichen Teil-Lockdowns und der Corona-Beschränkungen verzögert sich jedoch der Ablauf des Verfahrens. Auf Anfrage teilt die Stadt mit, dass die Informationsveranstaltungen, die in Präsenz erfolgen sollen, auf die Woche nach den Osterferien (12. bis 16. April) verschoben wurde. "Wir hoffen natürlich, dass diese dann auch stattfinden können (...)."

Unterlagen werden in 10 Sprachen übersetzt

Die Abstimmungsunterlagen werden nach Angaben der Stadt vor den Informationsveranstaltungen versendet, "damit sich die Eltern schon vorab einmal mit dem Thema auseinandersetzen". Das Anschreiben dazu werde in 10 Sprachen übersetzt und könne bei Bedarf über die Internetseite der Stadt Lohne abgerufen werden. "Für die Infoveranstaltungen erhalten die Eltern rechtzeitig eine separate Einladung, danach können sie sich verbindlich anmelden", heißt es aus dem Lohner Rathaus.

Bei der heutigen Debatte nicht mehr von der Partie ist die 2003 von Wolfram Amelung und Kerstin Sommer angestoßene Elterninitiative, die die Gleichstellung aller Schüler und ein Konzept für christliche Gemeinschaftsschulen gefordert hatte. Wie die damaligen Initiatoren auf Nachfrage mitteilen, hat sich der Verein im vergangenen Jahr aufgelöst. Darum werde man auch keine Stellungnahme zur geplanten Abstimmung abgeben.

Elterninitiative hat sich 2020 aufgelöst

Sommer sagt: "Beratend stehen Herr Amelung und ich, zum Beispiel in Sachen Erklärungen zu den Regelungen, die das niedersächsische Schulgesetz zu der Abstimmung vorsieht, interessierten Eltern jedoch gern zu Verfügung." Ganz schweigen möchte Amelung jedoch nicht – zumal die Zahlen seiner persönlichen Meinung nach "noch eindeutiger als vor 5 Jahren" für eine Umwandlung sprechen.

Er sagt: "In einem überwiegend katholisch geprägten Umfeld hatten die öffentlichen Bekenntnisschulen in kommunaler Trägerschaft Lohnes ihren Platz und ihre Berechtigung. Die konfessionellen Verhältnisse an den Lohner Grundschulen haben sich seitdem jedoch deutlich verschoben."

Andernorts habe man an öffentlichen Schulen längst darauf verzichtet, Schülerschaften zu unterscheiden. Er nennt Papenburg als Beispiel. Dort sei unter Einbeziehung der Schulleitungen, der Eltern und der Kirchen ein "Umwandlungsprozess aller Bekenntnisschulen unabhängig von der Konfessionsstruktur in der jeweiligen Schülerschaft aktiv umgesetzt" worden. "Das ist von der Stadt Lohne als Schulträger der hiesigen Bekenntnisgrundschulen unverständlicherweise nicht gewollt."

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