Eine Maschinenhalle in Hemmelte: Hier hat die Lastruper Ukraine-Hilfe ihr Quartier aufgeschlagen. Zwischen Hoflader und Erntewagen stapeln sich Pappkartons und Konservenbüchsen. Pavlo Rybchynuk steuert seinen roten Transporter rückwärts bis zum Eingang. Es ist Ladetag.
Wie immer waren die Aktiven wochenlang unterwegs, um das Warenlager aufzufüllen. Das Meiste davon haben sie direkt bei den Herstellern gekauft. Klassiker wie Bockwurst und Gulaschsuppe fehlen nie. Aber Auch Mehl, Nudeln und andere Grundnahrungsmittel sind Standard. Diesmal wird Rybchynuk außerdem einen elektrisch betriebenen Mahlstein auf die mehr als 1600 Kilometer lange Reise mitnehmen. Die schwere Maschine liegt schon auseinandergebaut im Wagen.
Seit fast 2 Jahren rüstet die Ukraine-Hilfe die Transporte aus. 21 Fahrten kamen bislang zustande. Unterstützt wird eine christliche Gemeinde im Zentrum des geschundenen Landes. Sie verteilt seit Kriegsbeginn Verpflegungspakete an Menschen, die in den vom Krieg verwüsteten Gebieten zurückgeblieben sind. Versorgt werden aber auch Soldaten direkt an der Front. Die Gerichte werden auf traditionelle Weise eingekocht, was sie länger haltbar macht. Tausende von Gläsern konnten die Ukrainer dank der Hilfe aus dem Landkreis Cloppenburg befüllen und weitergeben. "Jedes einzelne trägt dazu bei, dass die Menschen die Hoffnung nicht verlieren", sagt Fritz Diekgerdes.
Menschen in der Ukraine sind erschöpft
Denn die Stimmung in der Ukraine war in den vergangenen beiden Kriegsjahren noch nie so schlecht wie jetzt. Militärisch sind die Verteidiger inzwischen in der Defensive, der kürzlich vollzogene Rückzug aus der Frontstadt Awdijiwka könnte nicht der Letzte gewesen sein. Der Armee gehen Soldaten und Munition aus. Zugleich leidet die Bevölkerung unter den russischen Angriffen auf die Infrastruktur. Die Menschen seien erschöpft, weiß Diekgerdes. Er selbst ist es manchmal auch. Als der Krieg begann, stand für den ehemaligen Unternehmer fest, dass er etwas tun musste. Er aktivierte alte Kontakte, knüpfte neue Bande und hatte schon bald genügend Güter für den ersten Hilfstransport zusammen.
Den Kontakt in die Ukraine stellte Diekgerdes Freund Juri Brischten her. Der Molberger ist in der Region Wynnizja aufgewachsen und war schon wenige Tage nach Kriegsbeginn mit seinem Campingwagen an die polnisch-ukrainische Grenze gefahren, um Geflüchtete zu versorgen und sie nach Deutschland mitzunehmen. Dass es die Hilfstransporte nach weit über 700 Tagen Krieg immer noch gibt, macht ihn stolz und traurig zugleich. Entmutigt ist er aber nicht. "Wir werden so lange durchhalten, bis wir gewonnen haben."
Der Transporter ist jetzt fast voll. Pavlo Rybchynuk begutachtet die Reifen. Er schaut leicht besorgt. Überladen darf er das Fahrzeug nicht. Zumindest in Deutschland wird das streng kontrolliert. Bei leichten Überschreitungen drücke die Polizei aber ein Auge zu, erzählt Juri Brischten. Einmal rettete er die Weiterfahrt nur mit einem beherzten Anruf bei der zuständigen Dienststelle. Den Deutschen sei er für ihre Hilfe ewig dankbar, betont er.
Nächster Transport ist kurz vor Ostern geplant
Am nächsten Morgen bricht Pavlo Rybchynuk mit Hunderten Kilogramm Lebensmitteln und einem Mahlstein an Bord auf. Die Fahrt führt ihn durch Polen und Lemberg rund 500 Kilometer ins Landesinnere. Mehr als zehnmal hat der Ukrainer die Tour schon unternommen. Machen kann er sie nur, weil er Vater von drei Kindern ist. Ansonsten wäre ihm wie allen Männern im wehrfähigen Alter die Ausreise verboten. Knapp 20 Stunden später wird er sich aus der Kleinstadt Bar melden. "Alles gut gegangen." Die Helfer können durchatmen.
Und weitersammeln. Am 25. März wollen sie den nächsten Transport losschicken. Diesmal möchte Fritz Diekgerdes auch den Kindern zu Ostern eine Freude bereiten. Der Krieg wird das Fest bereits zum dritten Mal überschatten. Ein Ende ist nicht in Sicht.
Info:
- Wer die Aktion unterstützen möchte, kann dies auch mit Geld tun. Die katholische Pfarrgemeinde Lastrup stellt Spendenquittungen aus. Kirchengemeinde Lastrup IBAN: DE 08 2806 7257 0012 1088 12 BIC: GENODEF1LAP Stichwort Ukraine Hilfe Fritz.
- Fragen zu den Transporten beantwortet Fritz Diekgerdes unter Telefon 0170/3022500.