Bei den Planungen für einen Neubau des Bakumer Rathauses ist die Gemeinde einen entscheidenden Schritt weiter: Das Preisgericht hat am Freitag in einer etwa siebenstündigen Marathonsitzung einen klaren Sieger des Architektenwettbewerbs benannt. Gewonnen hat der Entwurf des Hamburger Büros APB. Die Jury einigte sich einstimmig darauf, den eingereichten Entwurf mit 8.000 Euro zu prämieren.
Wie deutlich das Siegermodell die Fachjury überzeugt hat, lässt sich auch daran erkennen, dass kein zweiter Platz vergeben wurde. Stattdessen wurden zwei Entwürfe mit dem dritten Platz und einem Preisgeld in Höhe von 4.750 Euro ausgezeichnet. Ein weiterer Entwurf wurde mit dem vierten Platz (Preisgeld: 4.000 Euro) und eine Einreichung mit einem Anerkennungspreis in Höhe von 2.000 Euro ausgezeichnet.
Zur Jury gehörten neben Bürgermeister Tobias Averbeck und dem Vorsitzenden des Gemeinderates, Franz Hölscher, drei Architekten: Maria Pfitzner, Professor Dr. Volker Droste und Professor Dr. Jörg Friedrich.
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Passt in den Kontext: Der siegreiche Entwurf, eingepasst in die Umgebung an der Bakumer Kirchstraße. Foto: Ebert
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Vom Sieger überzeugt: Ratsvorsitzender Franz Hölscher (links) und Bürgermeister Tobias Averbeck vor einer Grafik des erstplatzierten Entwurfes. Fotos: Ebert
Als Juryvorsitzender lobte Friedrich wiederholt den „Mut“ der Bakumer Politik, einen offenen Architektenwettbewerb für den Rathausneubau durchzuführen. Das sei „selbst bei Großstädten nicht normal“, meinte Friedrich. Der Architektur-Professor hat selbst etwa die Erfurter Oper und das Theater in Gütersloh entworfen. Zur Zeit arbeitet er an der der Sanierung des Frankfurter Schauspielhauses. Friedrich lobte die „faire und feine Atmosphäre“ während der Beratungen am Freitag.
Neben den stimmberechtigten Jurymitgliedern hatten auch nicht stimmberechtigte Stellvertreter von Landkreis und Gemeindeverwaltung sowie Bakums Pfarrer Bernd Holtkamp und Denkmalpfleger Bernd Ammerich an den Beratungen teilgenommen.
Rohstoffe wachsen nach, Design soll Energieverbrauch senken
Etwa 50 Büros hätten sich für eine Teilnahme an dem Wettbewerb beworben, gab Averbeck an. 20 hätten schlussendlich am Wettbewerb teilnehmen können. In mehreren Runden minimierte die Jury dann am Freitag die für eine Ehrung in Frage kommenden Entwürfe.
Der Juryvorsitzende Friedrich lobte die spitze Dachform des Siegers, die sich von den üblichen Flachdächern vieler Funktionsbauten abhebe. Durch die Holzrahmenbauweise und die Verwendung vieler nachwachsender Rohstoffe sei der Siegerentwurf regelrecht ein „Ökoprojekt“, scherzte der Architekt. Durch die Raumgestaltung und den Innenhof kämen viel Licht und frische Luft in alle Teile des Gebäudes, so dass an künstlichem Licht und Belüftung gespart werden könne.
Die von den Bürgern häufig frequentierten Bereiche der Verwaltung wären in dem Siegerentwurf in der Nähe des Eingangs angeordnet. Der Ratssaal werde in dem Entwurf im Obergeschoss platziert, würde aber durch seine Beleuchtung und die Positionierung hin zur Kirchstraße deutlich einsehbar sein – auch durch die vorgeschlagenen Holzlamellen hindurch, erklärte Averbeck.
Die Bauentscheidung trifft der Gemeinderat
Das Gebäude könnte nach Vorstellung der Architekten in zwei Abschnitten gebaut werden, so dass keine Interimslösung für Rat und Verwaltung benötigt würde.
Auch Hölscher lobte den Sieger. Er habe sich von dem Modell „überzeugen lassen“, sei nun aber auch „begeistert“, erklärte der Ratsvorsitzende.
Ab Dienstag (7. Juli) werden alle 20 Entwürfe und Modelle im Rathaus für die Öffentlichkeit ausgestellt. Der Ratssaal ist während der Öffnungszeiten der Gemeindeverwaltung für Ausstellungsbesucher geöffnet. Zusätzlich sollen die fünf ausgezeichneten Entwürfe demnächst auch auf der Homepage der Gemeinde zu sehen sein, erklärte Bauamtsleiter Andreas Damman.
Trotz der eindeutigen Entscheidung der Fachjury betonte Averbeck gegenüber der Redaktion, dass die Bauentscheidung „völlig in den Händen des Rates“ liege. Es gebe derzeit „keine fertigen Bauanträge“. Im Gegenteil: „Wir werden das auf breite Füße stellen“, erklärte Averbeck. Sprich: Der Rat soll sich in seiner nächsten Sitzung im Herbst mit dem Neubau beschäftigen. Soviel aber vorab: Der ausgewählte Siegerentwurf liegt kostenmäßig innerhalb des von den Verantwortlichen anvisierten Rahmens.
Wann genau es mit etwaigen Bauarbeiten – ein entsprechendes Votum des Gemeinderates vorausgesetzt – losgehen kann, ist unterdessen noch nicht klar. Averbeck geht davon aus, dass eine Umsetzung „vermutlich erst ab 2022 erfolgen“ könne.