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Auto für 52.000 Euro gekauft und nicht bezahlt

Kolumne: Recht hat, wer Recht bekommt – Es ist überraschend leicht, ein Auto zu kaufen, aber nicht zu bezahlen. Damit befasst sich jetzt das Schöffengericht des Amtsgerichtes Vechta.

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Wie leicht es ist, ein Auto zu kaufen, nicht zu bezahlen, es in einer Tiefgarage abzustellen, abzudecken, Rechtsanwälte, Gericht, Versicherung zu beschäftigen, hätte ich nicht für möglich gehalten. Ist aber so passiert und passiert noch immer, die Sache ist noch nicht beendet.

Am 14. Februar 2020 – richtig gelesen – kaufte ein heute 53-jähriger Tischler in Vechta im Autohaus an der Falkenrotter Straße einen VW-Abo für 52.000 Euro. Über das Internet war der Käufer auf das Vechtaer Autohaus aufmerksam geworden. Da der Wagen nicht sofort auf den Käufer zugelassen werden konnte, mietete der Käufer das Auto für 3 Monate. Das sollte monatlich 1000 Euro kosten. Der Käufer/Mieter zahlte 100 Euro und fuhr davon und wurde nicht mehr gesehen. Auch das Auto wurde nicht mehr gesehen.

Wegen gewerbsmäßigen Betruges wurde schließlich die Staatsanwaltschaft tätig und klagte den Mann an. Wo er war, ja, das bekam man schließlich heraus, und so begann die Story, die sich vor dem Schöffengericht des Amtsgerichtes Vechta abspielte und ausging wie das „Hornberger Schießen“. Mit anderen Worten: „Außer Spesen nichts gewesen“ – bisher. Kann ja noch was kommen.

Der Angeklagte reiste mit Anwalt aus Nordrhein-Westfalen an. Zur Person erklärte er, er befinde sich in der Justizvollzugsanstalt in Moers, sei dort Freigänger und arbeite als Tischler mit einem Monatsgehalt von 2000 Euro. Zwei Drittel der Strafe habe er verbüßt. Eine Entlassung nach Zwei Dritteln sei möglich gewesen, habe aber bei ihm nicht geklappt. Bis April 2023 müsse er im Vollzug bleiben.

„Er habe ein neues Konto in Düsseldorf und darauf seien 900.000 Euro. Das hörte sich gut an.“Klaus Esslinger

Zur Sache: Er werde den vollen Betrag von 52.000 Euro bezahlen, der Schaden werde gutgemacht. Er habe ein neues Konto in Düsseldorf und darauf seien 900.000 Euro. Das hörte sich gut an. Aber der Richter hatte natürlich Fragen an den Angeklagten und vor allem an seinen Verteidiger. Er möge seine Kontoauszüge und seine Bankkarte zeigen. Damit konnten die Herrschaften nicht dienen. Der Rechtsanwalt erklärte, das Geld des Angeklagten sei auf sein Konto gekommen, da sich zwei Rechtsanwälte, einer von der Freundin des Angeklagten und einer vom Angeklagten, geeinigt hätten. Der Angeklagte habe seinerzeit ein Grundstück für die Freundin gekauft, sich dann aber getrennt, und seit der Zeit habe es langwierigen Streit gegeben. Jetzt habe man sich aber geeinigt, alles sei ok.

Logischerweise konnte sich Richter Thomas Heitmann damit nicht zufriedengeben. Das höre sich alles gut an, aber es gebe nicht einen einzigen Beweis. Das sei alles schwierig, als Freigänger könne man nicht eben mal zur Bank gehen, und mit dem Handy sei das auch alles ein Problem.

Dem Richter reichten die Hinweise und er schlug vor, in einem Monat einen neuen Termin zu machen. Dann sollten die Herren die Beweise nicht nur mitbringen, sondern vorher schon belegen und dem Gericht zur Verfügung zu stellen. Auf die eher beiläufige Frage, wo das gekaufte Auto, was bisher seit über 2 Jahren bundesweit gesucht wurde, denn geblieben sei, erklärte der Angeklagte, das stehe auf einem Stellplatz in der Autogarage, zugedeckt und unversehrt in Ratingen. Gut zu wissen, oder vielleicht nur zu hören. Ob das stimmt? Es gab und gibt keinen Beweis, und den braucht man nun mal.


Zur Person:

  • Klaus Esslinger ist Gerichtsreporter und lebt in Vechta.
  • Er war viele Jahre Lokalchef der Oldenburgischen Volkszeitung.
  • Den Autor erreichen Sie per E-Mail an redaktion@om-medien.de.

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