Auf der Spur von Kunst, Kultur und Natur
Goldenstedts Bürgermeister Willibald Meyer führt entlang der Sehenswürdigkeiten der Nordkreis-Route.
Torben Siemer | 01.08.2018
Goldenstedts Bürgermeister Willibald Meyer führt entlang der Sehenswürdigkeiten der Nordkreis-Route.
Torben Siemer | 01.08.2018

Strahlen mit der Sonne um die Wette: Goldenstedts Bürgermeister Willibald Meyer und die evangelische Pastorin Elke Koopmann neben der Skulptur, die den Namen „Balance“ trägt. Foto: Siemer
Er ist Niedersachsens dienstältester Bürgermeister, und er hat sich Zeit genommen. Seit 1986 leitet Willibald Meyer die Geschicke Goldenstedts – und braucht daher die Karte eigentlich gar nicht, die uns entlang der Tour mit dem wohlklingenden Namen „Kunst, Kultur und Natur“ führen soll. Der Startpunkt liegt mitten in der Nordkreis-Gemeinde, direkt vor dem Rathaus geht es los. Aber kaum haben wir ein paar Mal in die Pedale getreten, halten wir bereits. Denn die erste Skulptur steht nicht weit vom Rathaus entfernt und trägt den Namen „Die goldene Brücke“. Willibald Meyer erinnert sich, dass die Statue 1980 aufgestellt wurde, zur 900- Jahr-Feier. „Kunst im öffentlichen Raum“, blickt er zurück, „das war damals noch ein schwieriges Thema“. Nicht überall sei das Vorhaben direkt auf Gegenliebe gestoßen. Dass inzwischen zahlreiche Skulpturen in und um Goldenstedt ihren bisweilen prominenten Platz gefunden haben, freut den Bürgermeister daher umso mehr: „Das ist ein Alleinstellungsmerkmal.“ Und die goldene Brücke wird uns zudem später noch einmal begegnen. Zunächst aber schwingen wir uns wieder auf den Sattel und fahren weiter. Dabei folgen wir nicht unmittelbar den Knotenpunkten, die den Weg entlang der Themenroute weisen, sie dienen eher der losen Orientierung. Als wir ein weiteres Kunstwerk passieren, erzählt Meyer: „Die meisten Skulpturen werden auf Initiative von Privatleuten oder Firmen errichtet. Auch das Familienbündnis bringt sich regelmäßig mit Ideen ein. Das hat sich schon sehr gewandelt mit der Zeit.“ Den nächsten Stopp legen wir am Hartensbergsee ein. Dieser liegt inmitten eines Landschaftsschutzgebietes und ist nicht nur für die Goldenstedter ein beliebtes Naherholungsziel. Meyer spricht von „sanftem Tourismus“, der aufgrund dieser besonderen Lage möglich sei. Immer mal wieder habe es die Überlegung gegeben, den See aus dem Landschaftsschutzgebiet herauszunehmen, um das Angebot auszuweiten. Dann wäre es etwa möglich, auf dem See zu surfen oder mehr Campingflächen zu schaffen. Aber auch für Kulturveranstaltungen wie „Afdreiht un Buten“ und „Strandfieber“ ergäben sich dann ganz neue Möglichkeiten. Aber genug des Konjunktivs – weiter geht es zu einem Ort, an dem längst Fakten geschaffen wurden. Die goldene Brücke, die Goldenstedt mit dem Twistringer Ortsteil Rüssen im Landkreis Diepholz verbindet. „Zur 925-Jahr-Feier gab es verschiedene Überlegungen, diese Verbindung zu würdigen“, erzählt Meyer. Die Brücke führt über die Hunte und ist stark befahren, während unseres kurzen Stopps müssen wir unser Gespräch immer wieder unterbrechen, wenn ein Lkw vorbeirauscht. Wir verlassen kurzzeitig den Landkreis Vechta und wagen uns einige wenige Meter in den Nachbarkreis vor. Dort führt ein Fußweg hinab zum „Goldregen“, der die Hunte überquert. Statt an der Brücke selbst etwas zu schaffen, wurde der Standort 50 Meter flussabwärts gewählt. „Hier gab es früher ein Wehr, dessen Fundamente wir nutzen konnten“, sagt Meyer und deutet auf den Fuß des Kunstwerks, das den Fluss überspannt. „Sonst hätten wir an dieser Stelle wohl auch gar nicht bauen dürfen“, ergänzt er. Der Friesoyther Künstler Alfred Bullermann hatte sich in einem Ideenwettbewerb durchgesetzt mit dem farbenfrohen Entwurf, der dann Realität wurde. „Gar nicht so einfach“, blickt Meyer zurück – die Stabilität der einzelnen Streben, die den Goldregen bilden, musste gesichert werden. In der Mitte hängen goldene Münzen, wie sie auch im Gemeindewappen zu finden sind. Und auf einer großen Info-Tafel lässt sich auch die Sage nachlesen, wie eine Prinzessin einst eine gefährliche Furt an der Hunte überqueren musste und dann mit ihrem Gold dafür sorgte, dass eine Brücke über den Fluss gebaut werden konnte. Eine Brücke hat Elke Koopmann zwar nicht gebaut – aber als sie uns entdeckt, begrüßt die Pastorin der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde uns herzlich. „Ich finde es sehr schön, dass es diese Radtouren jetzt in dieser Form gibt, sie laden zum Urlaub vor der eigenen Haustür ein“, sagt sie, als wir ihr erzählen, warum wir vor der Skulptur „Balance“ gehalten haben. Nach einem kurzen Plausch verabschiedet sie sich zurück in ihr Wohnhaus, während wir wieder Fahrt aufnehmen. Als wir Bredemeyers Hof passieren, lobt Willibald Meyer „die großartige Entwicklung“, die das Industriedenkmal in den vergangenen Jahren genommen habe. Durch das angrenzende Waldstück ist schemenhaft der Mehrgenerationenpark zu erahnen, eine direkte Verbindung aber fehlt. So radeln wir außen herum – und bleiben an der Skulptur stehen, die den Eingang in die Parkanlage weist. „Das ist eine traditionelle südoldenburgische Familie“, erzählt der Bürgermeister. Großeltern, Eltern, Kinder, Hund und Katze. Alles gut zu find... Moment, wo ist da ein Hund? Mit einem Schmunzeln fragt Willibald Meyer, wo sich dieser verstecke. Ich brauche zunächst ein bisschen Zeit, und dann auch einen Tipp, um den Vierbeiner zu entdecken. Aber bevor dieser Hinweis an dieser Stelle die Spannung nimmt – ab auf's Rad und selbst auf die Suche gemacht.
Fakten
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