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Assistenz ermöglicht die Eigenständigkeit

Der Verein "Angebote im sozialen Bereich passgenau gestalten" (APG) macht Menschen mit Behinderung ein besonderes Angebot. Das Team betreut derzeit 4 Personen.

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Ein vorläufiges Fazit: Der Verein APG bietet seit Jahresbeginn auch Assistenzleistungen an. Eine erste Zwischenbilanz zogen (von links) Laura Hüne, Thorsten Lüskow und die Vereinsvorsitzende Marlies Enneking. Foto: Lammert

Ein vorläufiges Fazit: Der Verein APG bietet seit Jahresbeginn auch Assistenzleistungen an. Eine erste Zwischenbilanz zogen (von links) Laura Hüne, Thorsten Lüskow und die Vereinsvorsitzende Marlies Enneking. Foto: Lammert

Menschen mit Behinderungen beziehungsweise einer seelischen oder psychischen Erkrankung zu helfen, den bereits erlangten Grad an Selbstständigkeit zu erhalten und möglichst zu erweitern: Das ist das Ziel der Assistenzleistungen, die der Verein "Angebote im sozialen Bereich passgenau gestalten" (APG) seit Anfang des Jahres 2021 im Rahmen der "Ambulanten Hilfen" anbietet. Zuvor hatte er dafür die Zulassung des niedersächsischen Landessozialamtes erhalten.

Jetzt haben die APG-Vorsitzende Marlies Enneking sowie die in diesem Bereich tätigen APG-Beschäftigten, der Sozialarbeiter Thorsten Liskow sowie die Studentin der Sozial- und der Erziehungswissenschaften, Lara Hüne, und die Sozialarbeiterin Stefanie Menke, eine erste Bilanz ihrer Arbeit gezogen.

Klienten können durch Hilfe selbstständiger leben

Das Team betreut derzeit 4 Personen. Im Mittelpunkt steht dabei der Erwerb von für andere Menschen alltäglichen Fähigkeiten. So übt Thorsten Liskow mit einem jungen Mann das Zugfahren. "Er kann das nicht und möchte es lernen, weil er später den Öffentlichen Personennahverkehr nutzen möchte", sagt der Sozialarbeiter. Die Hilfe ermögliche es dem Klienten, zukünftig noch selbstständiger zu leben.

Eine Frau, um die sich der Sozialarbeiter ebenfalls kümmert, benötigt eine gänzlich andere Assistenzleistung. "Ich vermittle ihr den richtigen Umgang mit Geld und unterstütze sie bei der Haushaltsführung", erklärt der 35-jährige Liskow. Zudem begleitet er sie auf ihren Wunsch hin bei Arztbesuchen.

Die Grundlage für solche Assistenzleistungen ist das Recht der Eingliederungshilfe. Der Bundestag hat es durch das Bundesteilhabegesetz zum 1. Januar vergangenen Jahres in weiten Teilen neu geregelt. Es gibt bei der Eingliederungshilfe nach Worten Marlies Ennekings verschiedene Leistungsgruppen. Eine davon sind die Leistungen zur Sozialen Teilhabe, zu denen auch die Assistenzleistungen zählen. Der Verein APG bietet solche Leistungen in den Bereichen Wohnen, Freizeit, Heilpädagogik und Mobilität an.

"Ein Betroffener hat Anspruch auf Leistungen zur sozialen Teilhabe, wenn die Anerkennung seiner Behinderung mindestens 6 Monate dauerhaft besteht." Sozialarbeiter Thorsten Liskow

"Ein Betroffener hat Anspruch auf Leistungen zur sozialen Teilhabe, wenn die Anerkennung seiner Behinderung mindestens 6 Monate dauerhaft besteht", sagt Thorsten Liskow. Hat das zuständige Sozialamt den Anspruch auf Assistenzleistungen geprüft, bietet die APG ein Beratungsgespräch an. Es folgt die Feststellung, in welchem Umfang die Unterstützung erfolgen kann. Die Zahl der Stunden ist abhängig vom Schweregrad der Behinderung. Hat der Kostenträger zugesichert, die anfallenden Kosten zu übernehmen, schließt die APG mit dem Hilfesuchenden oder dessen gesetzlichen Betreuern den Betreuungsvertrag ab.

Als Ziele der Assistenzleistungen nennt Lara Hüne neben dem Erhalt und Ausbau der Kompetenzen des Klienten unter anderem auch, die eigene Behinderung zu akzeptieren, die Lebensqualität zu verbessern, den Erhalt der eigenen Wohnung inklusive der Führung des Haushaltes. Auch soll der Betroffene in der Lage sein, eine angemessene Tätigkeit oder bestmöglich einen Beruf auf dem ersten Arbeitsmarkt auszuüben.

Betreuung gliedert sich in direkte, mittelbare und indirekte Leistungen

Die Betreuung durch den APG gliedert sich in direkte, mittelbare und indirekte Leistungen. Zu den direkten gehörten etwa Gespräche über die persönliche Situation, Beratungen in Konflikt- oder Krisenfällen und die Begleitung bei der Suche nach Arbeits- oder Beschäftigungsmöglichkeiten, sagt Marlies Enneking. Mittelbare Leistungen sind beispielsweise Gespräche im Umfeld des Betroffenen oder die Koordination der Hilfeplanung. Zu den indirekten Leistungen zählt die Verwaltung.

Klar festgelegt ist auch, wann eine Betreuung endet. Im Idealfall benötigt der Klient sie irgendwann nicht mehr. Ein anderer Grund ist, dass der bewilligte Zeitraum für die Assistenzleistungen abgelaufen ist und nicht verlängert wird. Auch wenn der zu Betreuende nicht daran mitwirkt, die vereinbarten Ziele zu erreichen, geht es nicht weiter.

  • Info: Mehr Angaben zu Assistenzleistungen gibt es beim APG unter Telefon 05491/9969390.

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