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An Höfen entlang bis zu einer alten Mühle

Fachwerk-Tour: Klaus Brock und Helmut Tiltmann haben sich die Route im Südkreis genauer angesehen.

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Eine Station entlang der Route: Klaus Brock (von links), Bernharda Rüschendorf vom gleichnamigen Hof und Helmut Tiltmann, vorne Hund Meggie. Das Fachwerk des Hofes im Ortsteil Wenstrup ist eine Seltenheit, denn es ist gekragt – ragt also nach vorne. Foto: Siemer

Eine Station entlang der Route: Klaus Brock (von links), Bernharda Rüschendorf vom gleichnamigen Hof und Helmut Tiltmann, vorne Hund Meggie. Das Fachwerk des Hofes im Ortsteil Wenstrup ist eine Seltenheit, denn es ist gekragt – ragt also nach vorne. Foto: Siemer

Klaus Brock hat Verstärkung mitgebracht. Der Wegewart des Heimat- und Verschönerungsvereins Neuenkirchen wartet bereits vor dem Rathaus der Südkreis-Gemeinde. Aber eben nicht alleine, sondern gemeinsam mit Helmut Tiltmann, der sich entlang der Fachwerk-Route ebenfalls gut auskennt -– denn auf diese wollen wir uns an diesem sonnigen Sommermorgen machen. Also: Rauf auf's Rad und los geht's. Bereits nach wenigen Metern verklingen die Motorengeräusche des Straßenverkehrs, zu hören ist nun viel mehr das Rollen unserer Räder.

„Was mir an dieser Route besonders gut gefällt, ist, dass sie über viele gut befahrbare Wege führt, aber man dabei nur selten Autos begegnet“, erzählt Klaus Brock, während wir die Alte Schule Nellinghof passieren, in der heute ein Schulungszentrum des Malteser Hilfsdienstes beheimatet ist. Unser erster Stopp führt uns auf den Hof Rissling-Erdbrügge, laut meinen beiden Begleitern einer der ältesten Höfe im Ortsteil Nellinghof. Und einer von denen, die seit der Zeit der Reformation evangelisch sind. Denn im Zuge der Gegenreformation seien viele Höfe wieder rekatholisiert worden.

„In den 1950er Jahren wurde hier außerdem Tabak angebaut“, erklärt Helmut Tiltmann und deutet auf ein Backsteingebäude, das damals eigens für die Trocknung errichtet wurde. Tabak aus dem Landkreis Vechta sei jedoch nicht allzu gewinnträchtig gewesen, ergänzt Tillmann.

Auf dem Hof Suhrenbrock begrüßt uns der Hund des Hauses lautstark – eine Pforte aber hält ihn davon ab, uns entgegenzulaufen. Brock lenkt den Blick stattdessen auf das Hoftor, über dem ein Spruch die gesamte Breite des Gebäudes ziert. „Das vorige Haus ist vom Blitz getroffen und verbrannt, beware Gott dies Haus mit deiner Almachtshand vor Brand und allen Unglücks Schaden und gieb uns deinen Segen in gnaden, in Jesu Namen Amen.“ Ähnliche Schriftzüge finden sich an vielen Höfen, die mit ihren Fachwerk-Giebeln dieser Themenroute ihren Namen geben.

„Früher führte direkt an dieser Stelle eine wichtige Handelsstraße vorbei, die Bremen und Osnabrück verband“, erzählt Brock an unserem nächsten Halt, dem Hof Ellerbrock. Die Bauern profitierten davon, wie Tiltmann berichtet: „Hier gingen die Bauern gerne hin, denn hier waren immer Leute, die Geschichten aus aller Welt mitbrachten.“ Noch bis in die 1970er Jahre habe es hier zudem eine Kneipe gegeben.

Weiter geht es in Richtung Wenstrup, als wir einen kleinen Schlenker machen und die im Schatten liegende Allee verlassen. Der Hof Rüschendorf sei eine Besonderheit, sagt Brock: „Der Giebel ist dreifach vorgekragt.“ Dieser verläuft nicht gerade nach oben, sondern „wächst“ in drei Stufen leicht nach vorne. Während Brock an der Haustür klingelt, erzählt Tiltmann: „Das System mit den Knotenpunkten gefällt mir sehr gut, weil es sehr übersichtlich ist. Man muss nicht groß mit Karten hantieren, sondern kann einfach auf die Schilder gucken.“ Nach einem kurzen mit Bernharda Rüschendorf und ein paar Streicheleinheiten für Hund Meggie radeln wir weiter.

Wir passieren den Hof zu Amtern in Grandorf, dessen Ursprünge sich bis in das Jahr 1240 zurückverfolgen lassen, bevor wir den nächsten Halt einlegen – diesmal ist es kein Hof, sondern eine Wassermühle. Als „Lübken Mühle“ sei die vielen bekannt, erklärt Tiltmann. In den 1970er Jahren sei die Mühle, zu der einst ein kleines Sägewerk gehörte, verkauft und renoviert worden. Vorher, als sie ein paar Jahre kaum gepflegt wurde, diente sie den Kindern der Umgebung auch mal als Abenteuerspielplatz, erinnert sich Tiltmann mit einem Schmunzeln: „Ein guter Freund wohnte in der Nähe, der hatte natürlich Insiderwissen und kannte sich aus.“

Von der Mühle aus machen wir uns auf den Rückweg an den Startpunkt, zurück zum Rathaus der Gemeinde. Die Mittagssonne kommt langsam aber sicher durch – früh gestartet zu sein, war an diesem Sommertag sicher eine gute Idee. Am Ziel angekommen, resümiert Klaus Brock: „Die Fachwerk-Tour ist gut gewählt, es gibt viel zu sehen und sie ist angenehm zu fahren, auch für Familien.“

Fakten

  • Die Fachwerk-Tour führt durch zahlreiche verschiedene Bauerschaften der Gemeinden NeuenkirchenVörden und Holdorf – so etwa durch Nellinghof, Wenstrup, Fladderlohausen, Grandorf, Grapperhausen, Wahlde, Severinghausen und Astrup.
  • Die Themenroute ist 34,4 Kilometer lang, der Höhenunterschied beträgt 86 Meter. Die meisten Wege sind breit, eben und dadurch gut befahrbar.
  • Als Startpunkte eignen sich beispielsweise der Platz vor dem Rathaus in Neuenkirchen-Vörden oder der Bahnhof in Holdorf.
  • Gerade bei den älteren Höfen lohnt ein genauer Blick auf das Fachwerk: Oft stehen dort ganze Sätze geschrieben, die aus der häufig bewegten Geschichte des Hauses erzählen.
  • Landkreis, Städte und Gemeinden haben das Radwegeleitsystem vollständig erneuert.
  • Jetzt kann nach Zahlen geradelt werden: 150 durchnummerierte Knotenpunkte weisen den Weg.
  • Übersicht bietet eine neue Radwanderkarte. Sie ist im Buchhandel und in den Tourist-Informationen Nordkreis Vechta und Dammer Berge erhältlich.
  • Download aller Touren ist möglich unter www.oldenburger-muensterland.de/tourismus/entdecken/radtouren/

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