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Am 1. April werden die ersten Pflegehelfer aus Marokko in Damme erwartet

Wenn das vom Stiftungsvorstand Werner Westerkamp auf den Weg gebrachte Projekt erfolgreich ist, dürfte sich die angespannte Pflegesituation deutlich entspannen. Aber es gibt einige Hürden.

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Auf Personalsuche: Werner Westerkamp (hinten, 2. von rechts) sprach in Agadir mit Kandidaten für ein Arbeitsverhältnis im Haus Maria-Rast. Ferner nahmen am Gespräch teil die beiden marokkanischen Maria-Rast-Mitarbeiter Abd-El-Ilah El-Ouatiq (hinten links) und Samir Ouberchkik sowie Martina Westerkamp, die begleitend Protokoll führte. Foto: von den Driesch

Auf Personalsuche: Werner Westerkamp (hinten, 2. von rechts) sprach in Agadir mit Kandidaten für ein Arbeitsverhältnis im Haus Maria-Rast. Ferner nahmen am Gespräch teil die beiden marokkanischen Maria-Rast-Mitarbeiter Abd-El-Ilah El-Ouatiq (hinten links) und Samir Ouberchkik sowie Martina Westerkamp, die begleitend Protokoll führte. Foto: von den Driesch

Bereits zum 1. April 2023 sollen die ersten vier Marokkaner aus der Hafenstadt Agadir ihre Tätigkeit bei der Stiftung Maria-Rast aufnehmen. Alle vier werden eine Ausbildung zur Pflegefachkraft beginnen. Im Laufe der dann kommenden Monate sollen elf weitere Marokkaner nach Damme kommen, um für die Stiftung zu arbeiten.

Stiftungs-Vorstand Werner Westerkamp darf also, wenn alles wie gewünscht läuft, zufrieden sein mit seiner Reise nach Marokko, wo er in Agadir ganz gezielt um Pflegekräfte geworben und mit potenziellen Kandidatinnen und Kandidaten Gespräche geführt hatte. Die meisten von ihnen sind zwischen 20 und 30 Jahre alt. Sie seien alle sehr motiviert und wollten unbedingt nach Deutschland, berichtet Werner Westerkamp.

Deutschkenntnisse auf B1-Level sind wichtige Vorausssetzung

Es gibt allerdings eine hohe Hürde, bevor sie in Deutschland eine Ausbildung oder eine Stelle als Pflegefachkraft antreten können: Sie müssen Deutsch mindestens auf dem B1-Niveau sprechen. Das bedeutet nach Angaben des Goethe-Instituts: Das Zertifikat bestätigt eine selbstständige Verwendung der deutschen Sprache und entspricht der dritten Stufe auf der sechsstufigen Kompetenzskala des gemeinsamen europäischen Referenzrahmens für Sprachen.

Es gibt viele Marokkaner, die in ihrem Heimatland Deutschkurse besuchen, weil sie nach Deutschland wollen, um dort in der Pflege zu arbeiten, weiß Werner Westerkamp. Das B1-Zertifikat ist aber nur ein erster Schritt, damit sie in Deutschland arbeiten dürfen. Denn wer in Marokko eine Ausbildung zur Pflegefachkraft erfolgreich abgeschlossen hat, muss ungeachtet dessen in Deutschland eine Kenntnisprüfung bei einer zertifizierten Pflegefachschule erfolgreich ablegen.

Ausgebildete Pflegekräfte bereiten sich berufsbegleitend auf Kenntnisprüfung vor

Die ausgebildeten Pflegekräfte aus Agadir werden deswegen zunächst 30 Stunden pro Woche in den Seniorenheimen Haus Maria-Rast als Pflegehelfer im Einsatz sein und sich die übrige Arbeitszeit berufsbegleitend auf die Abschlussprüfung vorbereiten. Die Vorbereitung dauert nach Worten Werner Westerkamps 4 bis 6 Monate: "Ohne diese Vorbereitung ist die Kenntnisprüfung nicht zu schaffen." Ist die Prüfung aber bestanden, sind die Marokkaner in Deutschland anerkannte Pflegefachkräfte.

Die ersten dieser Pflegekräfte werden aller Voraussicht nach im Frühjahr in Damme eintreffen. Anders verhält es sich mit den von Werner Westerkamp verpflichteten jungen Marokkanern, die sich in der Ausbildung befinden oder eine starten wollten. Sie, wie etwa die vier, die am 1. April beginnen sollen, werden über die Stiftung eine komplett neue 3-jährige Ausbildung beginnen. Und zwar bei Null.

Die Theorie absolvieren sie in der Pflegefachschule der Schwester-Euthymia-Stiftung in Lohne, in der Praxis sind sie in den Seniorenheimen Haus Am Ohlkenberg beziehungsweise Haus Maria-Rast tätig.

Es sollen jedes Jahr Pflegekräfte aus Marokko nach Damme kommen

Wenn sich die Verbindungen der Stiftung nach Marokko auch langfristig als so positiv erweisen, wie sie sich angelassen haben, möchte Werner Westerkamp jedes Jahr Pflegekräfte aus dem Königreich in Damme begrüßen. Um das langfristig sicherzustellen, hat Werner Westerkamp Kooperationen mit einer Pflegeschule und einer Sprachschule in Agadir vereinbart: "Wir glauben, dass wir so eine gute Chance haben, hoch qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen." Wobei die zukünftigen Vorstellungsgespräche online stattfinden werden.

Sollte das Projekt langfristig gelingen, erwarte er eine deutliche Entspannung bei der Pflegesituation in den Seniorenheimen der Stiftung. Befürchtungen, dass Pflegekräfte aus Marokko wegen ihres anderen Glaubens bei katholisch oder evangelisch getauften Bewohnern der Seniorenheime auf Vorbehalte stoßen würden, hätten sich nicht bestätigt, sagte Werner Westerkamp.

Seit 2 Jahren sind fünf Marokkaner und Marokkanerinnen für die Stiftung tätig, die auch den Kontakt nach Agadir hergestellt hatten. Sie kämen gut an: "Die Bewohner nehmen ihre Hilfe sehr gerne an."

Stiftung plant Wohngebäude mit Appartments

Allerdings muss die Stiftung im Wettbewerb um Pflegekräfte neben der guten Bezahlung und sicheren Arbeitsplätzen in modernen Seniorenheimen weitere Anreize schaffen, sich für sie als Arbeitgeberin zu entscheiden. So hilft sie aktiv bei der Wohnungssuche und bietet die Unterbringung in von ihr gemieteten Wohnungen an. Demnächst wird die Stiftung zudem in einem Appartementhaus, das sie auf ihrem Areal an der Steinfelder Straße errichtet, zehn Ein-Zimmer-Appartments zu jeweils 30 Quadratmetern anbieten.

  • Info:  Die Stiftung Maria-Rast hat in ihren beiden Seniorenheimen in Damme sowie den vier Tagespflegen in Damme, Osterfeine, Neuenkirchen und Vörden sowie in der Sozialstation St. Elisabeth rund 500 Mitarbeiter. Ungefähr 30 Prozent von ihnen sind Ausländer. In der vollstationären Pflege sind etwa 200 Personen tätig.

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