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Altenpfleger Mamadou Diaby begeistert die Senioren

2016 kam der heute 21-Jährige aus der Elfenbeinküste nach Deutschland. Jetzt arbeitet er dort, wo Fachkräfte dringend gebraucht werden.

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Fällt aus dem Rahmen: Mamadou Diaby hat über Praktika in den Pflegeberuf gefunden. Foto: Kessen

Fällt aus dem Rahmen: Mamadou Diaby hat über Praktika in den Pflegeberuf gefunden. Foto: Kessen

Dass es in Deutschland seit jeher an Pflegepersonal fehlt, ist bekannt. Umso beachtlicher, dass sich gerade jemand wie Mamadou Diaby für die Arbeit in der Pflege begeistert. Das Besondere an Diaby? Er kommt gebürtig aus der Elfenbeinküste.

Seit April 2016 ist Diaby in Deutschland, zunächst hatte er in Bremen Asyl beantragt. Über seine Flucht und seine Familie möchte er nicht sprechen: "Das ist eine private Sache." Der heute 21-Jährige erzählt, wie es ihn in den Landkreis Vechta verschlagen hat: "Kurz nach meiner Ankunft in Bremen bekam ich die Möglichkeit, in einem Jugendhaus in Visbek unterzukommen." Dort sei er aber nicht lange geblieben, denn eine Familie aus Goldenstedt war bereit, Diaby bei sich aufzunehmen. "Das war eine große Chance für mich", sagt Mamadou Diaby rückblickend.

Und diese Chance habe er genutzt, glaubt er. Die "Pflegefamilie" war für ihn nämlich ein echter Glücksfall: "Meine Pflegemutter hat mich immer wieder dazu ermutigt, Deutsch zu lernen." Zum Beispiel habe er unter ihrer Anleitung mit Kinderbüchern die deutsche Sprache geübt. Auch auf seine Schulwahl hatte die Pflegemutter großen Einfluss: "Zunächst wollte ich auf eine Schule nach Lohne gehen, wo viele Ausländer zusammen Deutsch lernen." Auf Rat seiner Pflegemutter entschied er sich aber für die Marienschule in Goldenstedt, um in Gesellschaft von "Muttersprachlern" besser Deutsch lernen zu können.

Zunächst wollte der junge Mann Maler werden

Das war für ihn der richtige Schritt. Denn inzwischen spricht Diaby für jemanden, der erst seit vier Jahren in Deutschland ist, ein sehr gutes Deutsch. Auch seinen Hauptschulabschluss hat der 21-Jährige in der Tasche.

Mit diesen Voraussetzungen wagte sich der Ivorer an die deutsche Arbeitswelt. "Als erstes hatte ich an den Beruf als Maler gedacht", erinnert sich Diaby. "Das Praktikum hat mir aber nicht so gut gefallen." Denn er möge gerne soziale Kontakte. Deshalb folgte ein weiteres Praktikum. Diesmal in einem Kindergarten in Goldenstedt. "Das hat mir gut gefallen, leider braucht man aber einen Realschulabschluss für die Ausbildung", bedauert er. Dann aber der Volltreffer: Diaby absolvierte Praktika im Franziskushaus in Goldenstedt und bei Pro Vita in Vechta. "Die haben mir richtig Spaß gemacht", sagt Mamadou Diaby. Er entschied sich für eine Ausbildung zum Pflegeassistenten: Theorie an der Berufsbildenden Justus-von-Liebig-Schule in Vechta, Praxis in verschiedenen Pflegeeinrichtungen.

Die 2-Jährige Ausbildung hat Diaby im Sommer vergangenen Jahres abgeschlossen. Und was hat ihm am meisten Spaß gemacht? "Der Umgang mit den Bewohnern", kommt schnell von dem Ivorer. "Ich habe meine eigene Oma nie kennengelernt. Die Menschen, mit denen ich arbeite, sind wie eine Oma für mich", findet der seit 2018 in Vechta lebende Diaby. Es mache ihm sehr viel Spaß, täglich mit den Bewohnern etwas zu spielen oder mit ihnen zusammen zu lachen.

Viele seiner Praktika hat der gläubige Moslem bei Pro Vita in Vechta absolviert. "Einige Bewohner hatten am Anfang schon Vorbehalte gegenüber Mamadou", berichtet Lena Possenriede, bei Pro Vita in der Direktions-Assistenz tätig. "Das hat sich mit seiner offenen und herzlichen Art ganz schnell gelegt. Er sei mittlerweile gern gesehen", sagt Possenriede.

Mit Ablehnung kann er umgehen

Diaby erzählt, dass er im Alltag "schon manchmal" mit Ablehnung konfrontiert sei. "Damit kann ich aber umgehen, ich bin generell ein positiver Mensch", sagt er.

Zwischen Deutschland und der Elfenbeinküste hat der Pflegeassistent einige Unterschiede ausgemacht. "Klar, das Wetter ist hier schlechter", lacht Diaby. In positiver Hinsicht imponiere ihm hier vor allem das Essen: "Die Qualität ist viel besser als an der Elfenbeinküste." In seiner Freizeit geht der 21-Jährige seiner großen Leidenschaft nach: dem Fußball. "Ich spiele als Stürmer oder Außen", sagt er. Nach seiner ersten Station bei Frisia Goldenstedt stürmt er derzeit für den SFN Vechta in der Bezirksliga. "Über den Fußball habe ich viele Freundschaften schließen können", freut sich Diaby.

Für die Zukunft hat sich der Wahl-Vechtaer, der mittlerweile eine weitere Ausbildung zum Pflegefachmann absolviert, noch große Pläne. "Zunächst möchte ich die Ausbildung schaffen." Außerdem träumt er davon, eines Tages eine große Familie zu gründen. Weg aus Deutschland will er nicht mehr: "Klar würde ich gerne nochmal an die Elfenbeinküste reisen", wo er seit seiner Flucht nach Deutschland nicht mehr gewesen sei. "Ich vermisse vor allem meine Eltern." Aber dort wieder fest zu leben, sei für ihn keine Option.

"In der Elfenbeinküste habe ich nur auf der Straße arbeiten können, deshalb bin ich froh über die Chance, die ich in Deutschland bekommen habe", sagt Diaby. Danken möchte er seiner Pflegefamilie, "die sehr viel für mich getan hat". Für alle anderen jungen Menschen möchte er ein Vorbild sein: "Wenn man wirklich will, bekommt man hier eine faire Chance und die nötige Unterstützung."


Fakten:

  • Pflegeassistenten übernehmen die pflegerische Versorgung von kranken Menschen, Senioren oder behinderten Menschen. Auch die hauswirtschaftliche und soziale Betreuung von Familienangehörigen gehört zu ihren Aufgaben.
  • Die Assistenten unterstützen die Hilfebedürftigen auf Wunsch der betreffenden Menschen oder unter Weisung und Anleitung einer Fachkraft.
  • Der Pflegefachmann ist ein neuer Ausbildungsberuf, der seit 2020 die Ausbildungen zum Gesundheits- und Krankenpfleger, zum Altenpfleger und zum Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger bündelt.
  • Die neue Ausbildung ist generalistisch. Bedeutet: Die Auszubildenden lernen alle Pflegebereiche kennen.

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