Als die Elefanten noch zum Stoppelmarkt liefen
Eine siebenteilige Videoreihe beschreibt auf ganz persönliche Weise die Geschichte des Volksfestes. Hier kommen "Gesichter des Marktes" zu Wort.
Thomas Speckmann | 12.08.2020
Eine siebenteilige Videoreihe beschreibt auf ganz persönliche Weise die Geschichte des Volksfestes. Hier kommen "Gesichter des Marktes" zu Wort.
Thomas Speckmann | 12.08.2020

Zog früher die Fäden auf der Westerheide: Max Meurer war von 1975 bis 1991 als Marktmeister tätig. Foto: Stadt Vechta
Das hätte sich Max Meurer wohl nicht träumen lassen: Im Alter von 93 Jahren steht der frühere Marktmeister noch einmal vor der Kamera. Er erzählt von alten Zeiten, als der Zirkus ein fester Bestandteil des Volksfestes war. Da liefen sogar Elefanten durch die Vechtaer Innenstadt. Heute ist davon nichts mehr zu sehen, und schon gar nicht in diesem Jahr. Doch trotz der Absage dürfen sich die Menschen auf sehenswerte Bilder vom Stoppelmarkt freuen. Die Stadt Vechta präsentiert zum traditionellen Marktauftakt an diesem Donnerstag ihr frisch produziertes Online-Projekt. Unter dem Titel "Gesichter des Marktes" werden bis einschließlich Dienstag sieben Videos im Internet ausgestrahlt. Sie werden häppchenweise serviert. Tag für Tag gibt es eine neue Geschichte - unterhaltsam und informativ. Da lohnt es sich zur Mittagszeit auf die städtische Homepage zu klicken. "Das ist eine sehr gelungene Reihe", freut sich Bürgermeister Kristian Kater (SPD). Es seien nicht die klassischen Bilder von Eröffnung, Festumzug oder Viehmarkt. Stattdessen biete sich in diesem Jahr die Gelegenheit, Geschichten aufzugreifen, die sonst vermutlich nicht erzählt worden wären. Und zwar ganz persönliche Geschichten von Menschen, die mit dem Markt eng verbunden sind. Dazu steuert der Bürgermeister auch gerne eine satirische Markteröffnung bei. Marktmeister Jens Siemer freut sich, dass der Blick auf diejenigen Menschen gelenkt wird, die bei offiziellen Anlässen nicht in der ersten Reihe stehen, sondern hinter den Kulissen wirken, um jedes Jahr einen Stoppelmarkt auf die Beine zu stellen. "Dafür braucht es eine große Kraftanstrengung vieler Beteiligter", sagt er. Entsprechend lang sei die Namensliste bei der Auswahl der Protagonisten gewesen. "Wir hätten noch viele mehr zeigen können", so Siemer. Gleich im ersten Beitrag kommt Max Meurer zu Wort. Alte Archivaufnahmen aus dem Jahr 1982 zeigen den früheren Marktmeister bei der Platzvermessung, damals schon an seiner Seite der spätere Nachfolger Manfred Meyer. Im aktuellen Interview berichtet der Rentner von seiner Tätigkeit in den Jahren 1975 bis 1991. Wohl an die 3000 Kilometer sei er damals über die Westerheide marschiert, bevor er ein Dienstfahrrad bekommen habe. Mit Clemens Rohenkohl rückt ein weiteres Original ins Rampenlicht. Der Schneidermeister hat früher die Kleider für den Marktausschuss sowie Jan und Libett genäht, war zeitweise sogar selbst in die Rolle der Traditionsfigur geschlüpft. Für das Online-Projekt stellt sich der 92-Jährige an die Nähmaschine, zeigt wie Gehrock und Hose hergestellt werden und welches Gefühl der Blick in den Spiegel bei den Trägern auslöst. "Die Leute nehmen Haltung vor sich selber an." "Man merkt die Begeisterung für den Stoppelmarkt. Sie wollten gar nicht mehr aufhören zu erzählen." Die Beiträge entführen den Zuschauer hinter die Kulissen des Marktes, etwa ins Amtmannsbult, wo Christine Mucker und Gaby Kaiser schon seit 25 Jahren ihren Dienst tun, oder auch auf den Bauhof, der in Marktzeiten stark gefordert ist. Für die Produktion schwingt sich Rentner Rudi Heinen auf seinen rot-weiß lackierten Hanomag, der beim Festumzug der Schausteller und dem Rangieren auf dem Marktgelände wertvolle Dienste leistet. Schausteller-Senior Heinz Meyer reist extra aus Herford an, macht es sich in der Wirtschaft "Upe Doal" gemütlich und plaudert über seine Wurfbude. Derweil berichtet Hofbesitzer Martin Schmedes über den Ausschank auf der Westerheide. Seine Koteletts mit Bratkartoffeln sind in aller Munde, aber das gut gehütete Rezept lässt er sich nicht entlocken. Er antwortet nur schmunzelnd: "Pfeffer und Salz und noch so'n bisschen..." Es sei interessant, spannend und schön gewesen, sich mit den Zeitzeugen zu unterhalten, sagt Videoproduzent und Journalist Christoph Heinzel, der die Beiträge im Auftrag der Stadt gedreht hat: "Man merkt die Begeisterung für den Stoppelmarkt. Sie wollten gar nicht mehr aufhören zu erzählen." Die Hintergrundmusik passt ebenfalls ins Bild. Kreismusikschulleiter Rainer Wördemann hat das Stoppelmarkt-Lied neu arrangiert. Das heißt: Ohren spitzen.
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